Dienstag, 24.02.2015

Schocktherapie: Aserbaidschan wertet um ein Drittel ab

Aserbaidschans Währung Manat sieht aus wie der Euro - ist jetzt aber deutlich weniger wert (Foto: news.nur.kz)
Baku. Eine an den Dollar gebundene Landeswährung bedeutet Stabilität – bis die Geldquelle versiegt. So geschehen im ölreichen Aserbaidschan: Eine angekündigte „weiche“ Abwertung entpuppte sich jetzt als Knüppelschlag.
Den letzten Samstag werden die Bürger Bakus so schnell nicht vergessen – nicht nur wegen des Schneesturms, der die sonst subtropisch milde Hauptstadt Aserbaidschans lahmlegte: Völlig unerwartet hatte die Zentralbank eine Abwertung der Landeswährung Manat um 33,5 Prozent verfügt.

Anstatt des bisherigen Kurses von 0,786 Manat für einen US-Dollar wurde der neue Kurs bei 1,05 Manat pro Dollar festgesetzt. Die Entscheidung solle die Diversifizierung der Wirtschaft vorantreiben, die internationale Konkurrenzfähigkeit und das Exportpotential stärken und die Zahlungsbilanz stabilisieren, begründete die Zentralbank ihren Schritt.

Dass der über zwei Jahre starr an den Dollar gebundene Manat-Kurs der voll vom Ölgeschäft abhängigen GUS-Republik nicht zu halten ist, war zu diesem Zeitpunkt durchaus klar. Schließlich machen Öleinnahmen 92 Prozent der Exporterlöse des Landes aus – und sorgen für 70 Prozent der Einnahmen des vom Alijew-Clan autokratisch regierten Staates am Kaspischen Meer. Doch das Barrel Baku-Öl bringt gegenwärtig nur etwa 63 Dollar – während Aserbaidschans Staatshaushalt auf einen Jahresmittelkurs von 90 Dollar ausgelegt ist.

Erst Promille-Abwertungen, dann kam der Hammer


Mitte Februar war der Festkurs dann auch offiziell aufgegeben worden. Die Zentralbank teilte mit, sich in Zukunft an einem Korb aus Dollar und Euro sowie langfristig an der Inflation im Lande zu orientieren. Die ersten Abwertungsschritte blieben aber extrem zaghaft: Innerhalb einer Woche wurde der offizielle Kurs des Manat nur um zwei Promille herabgesetzt. Und Zentralbank-Chef Elman Rustamow versprach im Fernsehen den Bürgern auch im Weiteren eine „weiche Abwertung“.

Schon im Januar, als der Ölpreis sogar unter 50 Dollar sank, hatten viele Aserbaidschaner dem Mythos von der stabilen Währung nicht mehr getraut und ihre Ersparnisse massenweise in Valuta umgetauscht. Die Zentralbank musste eine Milliarde Dollar aus ihren Reserven zur Stabilisierung des Manat-Kurses auf den Markt werfen.

Insofern waren die Geschäftsleute in Baku moralisch auf die Schocktherapie vorbereitet: In Windeseile seien im Handel die Preisschilder verschwunden oder Aufschläge festgelegt worden. Ein zentrales Kaufhaus nahm den Goldschmuck aus dem Verkauf – und viele Läden blieben das Wochenende über einfach geschlossen, berichtete ein Einheimischer der russischen Web-Zeitung gazeta.ru. Es sei deshalb nicht wie in Russland, als dort im Dezember der Rubel-Kurs kollabierte, zu Hamsterkäufen und Spontaninvestitionen in technische Geräte gekommen.

Allgemeiner Preisschub um 30 Prozent


Inzwischen werden aber die Folgen der Kurskorrektur offensichtlich: Da Aserbaidschan außer Öl wenig selbst produziert, werden viele Lebensmittel sowie fast alle Konsumgüter und Medikamente nun für die Bevölkerung ein Drittel teurer – und vom Ölboom der letzten Jahre profitierte in dem als besonders korruptionszerfressen geltenden Land nur eine Minderheit.

Die Regierung verkündete am Dienstag stolz, es sei durch Kontrollen gelungen, die Preise für Brot und Mehl stabil zu halten. Weit verbreitete Hoffnungen, die Abwertung werde partiell wieder zurückgenommen, erwiesen sich hingegen als vergeblich:

Die Zentralbank verkündete, wie als sei nichts gewesen, erneut eine Mikro-Kurskorrektur des Manats um ein Zehntel Promille nach unten.