Freitag, 11.09.2009

Verhaltene Freude in Russland über „unseren Opel“

Opel geht nach Russland - vielleicht (Bild: rufo)
Moskau. „Opel ist unser“, titelt die Internetzeitung gazeta.ru. Der Jubel ist verhalten. Sberbank-Chef German Gref warnt: Die Einigung sei ein Schritt nach vorn, doch unterschrieben sei noch nichts. Gaz hofft auf Opel-Technik.
Viereinhalb Monate hat das Tauziehen um den deutschen Autobauer gedauert. Nun hat sich der Verwaltungsrat von General Motors bereit erklärt, die Mehrheit seiner Tochtergesellschaft an das Konsortium Magna/Sberbank abzugeben. Besonders die Verhandlungen über die Weitergabe der Hochtechnologien nach Russland gestalteten sich schwierig.

Gaz als Partner oder Teilhaber?


Am Ende hat GM nachgegeben. Für 55 Prozent der Aktien zahlt das austro-russische Konsortium 500 Mio. Euro. Die Sberbank kann ihre Aktien nach einem Jahr weiter verkaufen: „Wir haben das Recht, die Aktien an die VEB (VneschEkonomBank) oder Gaz weiterzuverkaufen“, teilte German Gref mit.

Der Fahrzeugproduzent Gaz soll Partner des Konsortiums beim Aufbau der Produktion in Russland werden. Dass Gaz im nächsten Jahr bei Opel einsteigt, ist freilich unwahrscheinlich, mit rund 1 Mrd. Euro an Schulden ist das Unternehmen nicht gerade liquide.

Die Rolle als Montagestandort von Opel ist für Gaz wesentlich bequemer. Vor drei Jahren hatte Oligarch Oleg Deripaska dem Hersteller von Wolga-Limousinen und Gazelle-Kleinlastern eine Chrysler-Produktionsanlage für 150 Mio. USD spendiert. Doch das neue Wolga-Modell Siber verkaufte sich so schlecht, dass die Produktion inzwischen eingestellt wurde. Nun sollen von diesem Fließband Opel „made in Russia“ rollen.

Russland bekommt Autotechnologien


Auf die Technologien, größter Streitpunkt in den Verhandlungen zwischen GM, Magna und Sberbank, kann Opel zurückgreifen, muss aber dafür Gebühren an GM abführen. Auch die älteren Opel-Entwicklungen bleiben Eigentum von GM. Magna und Sberbank haben aber das Recht, alle neuen Entwicklungen aus dem Hause Opel für sich zu nutzen.

Damit kommt die russische Autoindustrie in den Genuss der so dringend benötigten neuen Technologien. Und das zu einem relativ geringen Preis, denn den Großteil der Ausgaben zur Sanierung Opels deckt zunächst einmal die Bundesregierung mit einem 4,5-Milliarden-Kredit.

Skepsis gegenüber GM


Trotzdem ist die Freude in Moskau nur verhalten optimistisch. „Es ist zu früh zum Gratulieren, die endgültige Entscheidung über das Geschäft ist noch nicht gefallen“, warnte Gref. Erst müsse der Vertrag unterzeichnet sein, ehe man sicher sein könne. Es wäre nicht das erste Mal, dass GM in den Verkaufsverhandlungen nach scheinbarer Einigung noch einen Rückzieher macht.

Warum GM skeptisch ist


us Sicht von GM ist die Skepsis allerdings in gewisser Hinsicht in Bezug auf Russland auch verständlich. Magna verfügt als langjähriger Partner von General Motor und Opel sicher über das notwendige know-how um Opel aus den Verlusten (in diesem Jahr wohl über 2,2 Mrd. Euro) zu führen.

Die Rolle der Sberbank hingegen ist nicht ganz klar. Geht es nur um die Übernahme von Technologien?

Technisch kann sie nichts zur Gesundung von Opel beitragen, ihr finanzieller Beitrag ist ebenfalls nicht gerade berauschend. Bleibt die Hoffnung auf den russischen Markt. Der bricht in diesem Jahr um gut die Hälfte ein, darüber hinaus verschiebt sich das Käuferinteresse auf die Billigautos von Lada.

Von den Ambitionen, größter Automarkt Europas zu werden, hat sich Russland vorläufig verabschiedet. Hoffen auf die Zukunft? Nichts ist unmöglich, lautet der Werbespruch eines Opel-Konkurrenten. Vielleicht gilt es ja auch für Opel in Russland.