Dienstag, 02.06.2009

Verzweiflungsaktion: Strassenblockade vor Wirtschaftsforum

Protestaktion gegen Betriebsschliessung und Lohnrückstände (Foto: pikarevo.net)
St. Petersburg. 400 Bewohner des Städtchens Pikaljowo blockieren aus Protest gegen Betriebsschliessungen und Armut eine Strasse nach St.Petersburg, wo übermorgen das Internationale Wirtschaftsforum beginnt.
Die Protestierenden, so berichten Internetmedien aus St.Petersburg, wollen mit ihrer Protestaktion wenigstens erreichen, dass Regierungschef Wladimir Putin, der in St.Petersburg sei, zu ihnen komme.

Am Dienstagvormittag unterzeichnete der Gouverneur des Gebietes Leningrad, Waleri Serdjukow eilig einige Anweisungen, mit denen dem Gebiet etwa sieben Millionen Rubel an Nothilfe zur Verfügung gestellt werden sollen. 1,7 Millionen Rubel seien für die Begleichung von Lohnschulden vorgesehen, teilt ein Sprecher des Gouverneurs mit.

Auf der Fernstrasse nach St.Petersburg aus Richtung Wologda und Tichwin blockierten am Dienstagmittag etwa 300 Bewohner des Städtchens Pikaljowo den Verkehr. Manche seien zusammen mit ihren Kindern zu der Protestaktion aufgebrochen, berichten Augenzeugen. Auf der wichtigen Zufahrtsstrasse aus Richtung Nordosten und Osten habe sich ein langer Stau gebildet.

Es sei eine reine Aktion der Verzweiflung, erklärt der Abgeordnete des Regionalparlaments, Juri Pachomowski. Inzwischen seien alle Polizeikräfte der Region aufgeboten worden. An vielen Stellen gebe es Polizeisperren, berichtet Interfax.

Am Morgen hatten sich etwa 400 Bewohner Pikaljowos vor der Fabrik Basel-Zement versammelt, sagt eine Gewerkschaftssprecherin. Alle Gewerkschaftsmitglieder befänden sich aber an ihren Arbeitsplätzen auf dem Betriebsgelände.

Erst Auskunft von Putin, dann Protest?


Die Gewerkschaften wollen sich nach einer Reaktion Putins möglicherweise den Protestaktionen anschliessen, sagt ein Gewerkschafter.

Die Stadt Pikaljowo hängt vollständig von der Tonerdeverarbeitung in der Region ab, die seit 2007 vollständig von dem Oligarchen Oleg Deripaska kontrolliert wird. Drei Fabriken waren seitdem trotz gegenteiliger Versprechungen stillgelegt worden.


Alleine im Jahre 2008 wurden nach Gewerkschafts-angaben über 1000 Menschen entlassen. In einem Appell an den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew hatten die Bewohner Pikaljowos gefordert, die Fabriken wieder "wie zu Sowjetzeiten" vor der Privatisierung bzw. Übernahme durch Oligarch Deripaska in Betrieb zu nehmen.