Dienstag, 04.01.2011

Wintersport: Heißes Geschäft in der kalten Jahreszeit

Eine Eismaschine glättet die Eisfläche auf dem Roten Platz. Im Hintergrund das Kaufhaus GUM (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Die Neujahrsferien in Russland sind lang. Zeit für den Alpen-Urlaub oder einen Abstecher auf heimische Pisten. Während einige Russen während der Feiertage die Wodka-Vorräte leeren, bevorzugen andere aktive Erholung.
Russland ist kein reines Wintersportland: Russische Athleten holen traditionell sowohl bei den Olympischen Sommer-, als auch bei den Winterspielen viele Medaillen. Doch natürlich wirkt sich das Klima auch auf die Freizeitaktivitäten der Russen aus.

Wohlgefühl auf Schlittschuhkufen


Auf den Kufen seiner Schlittschuhe fühlt sich der Durchschnittsrusse (eine Ausnahme bilden hier wohl die Bewohner der subtropischen Winterolympiadestadt Sotschi) sicherer als die meisten Deutschen. Auch das Skifahren ist seit Jahren beliebt bei den Russen, den Trend Snowboard haben die Russen, wenn auch mit einiger Verspätung inzwischen ebenfalls aufgegriffen.

Aber wo gibt es die Möglichkeiten, dem Lieblingssport nachzugehen? Während der Neujahrsferien verreisen viele Russen. Die Alpen in der Schweiz und Österreich sind ein beliebtes Ziel der Russen nach dem Jahreswechsel. Andere bleiben lieber in heimischen Gefilden. Auch hier bieten etliche Kurorte Möglichkeiten zur aktiven Erholung.

Beliebte Pisten im Kaukasus


Natürliche Skipisten gibt es im Ural-Gebirge, im sibirischen Altai und vor allem im Kaukasus. Hier will die russische Regierung ja sogar ein regelrechtes Touristencluster für den Wintersport aufziehen. Fünf Tourismuszonen (Elbrus, Archys, Lago-Naki, Mamison und Matlas) sollen im Nordkaukasus neu entstehen. Die geplanten Investitionen liegen bei umgerechnet zwölf Milliarden Euro – im Gegenzug hofft Moskau auf politischen und sozialen Frieden in der Krisenregion.

In der Elbrus-Region gibt es ja immerhin schon das Touristengebiet Dombai. Daneben entwickelt sich – dank der liebevollen Fürsorge aus dem Kreml, speziell von Premier Wladimir Putin – Krasnaja Poljana. Auf einer der künftigen Olympiatrassen hinabzujagen, ist bei russischen Geschäftsleuten voll im Trend.

Teuer und schlechter Service


Doch beide Orte haben eins gemein: Sie sind teuer und bieten verhältnismäßig schlechten Service. „Ein Durchschnittszimmer in Dombai mit Frühstück kostet 350 Euro pro Tag“, das sei wesentlich teurer als in Österreich oder Frankreich, kritisiert Anastasija Duderowa, Expertin der Immobilienagentur Delta Estate.

„Das Niveau der Unterbringung, der Infrastruktur und des Services liegt auf dem niedrigsten osteuropäischen Level und ist manchmal sogar abenteuerlich“, fügt sie bezogen auf die meisten russischen Skiorte hinzu.

Wintersport ist auch in Moskau möglich


So bleiben viele lieber daheim. In Moskau gibt es viele Möglichkeiten zum Ski- und Eislaufen in den Parks. Besonders populär bei Jugendlichen, weil billig, ist der Gorki Park.

Seit einigen Jahren lockt auch ein Wintersportkomplex im Westen Moskaus die Sportbegeisterten. Snej.com heißt die Arena, die neben Ski- und Schlittschuhlaufen auch Fitness, Schwimmen und sogar Paintball anbietet. Doch der Komplex ist nicht billig: Eine Stunde im Alpinski-Zentrum kostet während der Feiertage 17,50 Euro. Eine Stunde Schlittschuh fahren ist mit etwas über sechs Euro an den Feiertagen im Vergleich dazu preiswert.

Eislaufen auf dem Roten Platz


Wer hingegen auf dem Roten Platz seine Runden auf dem Eis drehen will, muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Umgerechnet 12,50 Euro kostet eine Stunde Eislaufen vor der Kulisse von Kreml, Basilius-Kathedrale und GUM. Aber die Romantik, beim Licht der roten Kremlsterne und der Weihnachtsbeleuchtung des GUM seiner Partnerin ein paar zärtliche Worte ins Ohr zu flüstern, ist wohl unbezahlbar.
Die Schlange an der Kasse ist daher lang. Die Tickets gehen für Tage im Voraus über den Tisch. Für die Veranstalter ist es ein heißes Geschäft an den kalten Tagen.