Sonntag, 07.08.2011

Wladiwostok: Hoffen auf APEC-Gipfel und den Hafen

Die Brücke über die Bucht Solotoi Rog ist nur eine von zwei riesigen Brücken für den APEC-Gipfel (Foto: Ballin/.rufo)
Wladiwostok. Ein Jahr vor dem APEC-Gipfel ist Wladiwostok noch nicht gipfelfein. Bei den Bauarbeiten liegt die Stadt im Verzug, die Wirtschaft steckt noch in der Krise. Immerhin entwickelt sich der Hafen dynamisch.
2012 treffen sich die Staats- und Regierungschefs der 21 Mitgliedsstaaten der Asia Pacific Economic Cooperation (APEC) Anfang September 2012 in Wladiwostok. Russland will sich bei dem Gipfel von der besten Seite zeigen. Das Budget umfasst offiziell etwas über fünf Milliarden Euro. Die Kosten sollen aber deutlich gestiegen sein.

Riesiges Brückenbauprojekt zur Insel Russki


Die größten Projekte sind zwei riesige Brücken über die Bucht Goldenes Horn und den sogenannten Bosporus des Ostens zur Insel Russki, wo der Gipfel stattfinden soll. Das Tagungsgebäude soll später als Universität genutzt werden. Zudem ist der Ausbau des Flughafens und der Anschluss an einen Flughafenexpress geplant (allein der Flughafenexpress kostet 200 Mio. Euro).

Experten zweifeln freilich daran, dass alle Projekte rechtzeitig zum Gipfel fertig sind. Gerade beim Brückenbau ist Wladiwostok im Verzug – möglicherweise auch deswegen, weil die chinesischen Gastarbeiter im Vorjahr wegen ausbleibender Zahlungen zwischenzeitlich in den Streik getreten sind.

Wladiwostok ähnelt noch nicht einer Boomtown


Auch sonst ist Wladiwostok derzeit nicht die Boomtown, die die russische Führung gern präsentieren würde. Die Bevölkerung schrumpft seit Jahren. Gut 100.000 Menschen hat Russlands 1860 gegründeter Vorposten am Pazifik in den letzten 20 Jahren wohl eingebüßt.

Immerhin rappelt sich nun der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt scheinbar aus dem Tief. Seit ihrer Gründung vor 150 Jahren stand der Hafen im Mittelpunkt der Stadtentwicklung. Auch heute ist dies nicht anders. Während die meisten anderen Wirtschaftszweige brachliegen, herrscht bei einigen Hafengesellschaften an der Bucht Solotoi Rog (Goldenes Horn) tatsächlich Goldgräberstimmung.

Insgesamt gibt es rund ein Dutzend Unternehmen. Das größte unter ihnen ist zweifellos die Hafengesellschaft M-Port, die zu knapp 50 Prozent der russischen Reederei Far Eastern Shipping Company (FESCO) gehört. Von den rund zehn Millionen Tonnen Gesamtumschlag in Wladiwostok werden bei M-Port sieben Millionen Tonnen erzielt; Container, Metalle, Autos, Sandwichpaneele und zukünftig wohl auch Getreide werden umgeschlagen.

Hafen setzt auf Containerumschlag


Vor allem beim lukrativen Containerumschlag ist das Unternehmen stark. „Zuletzt haben wir ein Wachstum von bis zu 40 Prozent jährlich erzielt. Das ist das dynamischste Wachstum aller Häfen in Russland“, erklärte der Vizedirektor des Hafens Alexander Tkatschenko. Im ersten Halbjahr 2011 wurden so 195.000 TEU umgeschlagen.

Verladearbeiten im Hafen Wladiwostok (Foto: Ballin/.rufo)
Damit hat Wladiwostok weder im internationalen noch im nationalen Vergleich eine Spitzenstellung inne. Doch Wladiwostok stellt sich auch nicht das Ziel am regionalen Hub Pusan in Südkorea vorbeizuziehen. Der Hafen will vielmehr im Osten das Tor zu Russland werden.

Tor zu Russland ist zu eng


Bislang ähnelt Wladiwostok freilich eher einer Pforte. Mit 400.000 TEU in diesem Jahr kommt der Pazifikhafen schon fast an seine Kapazitätsgrenzen. Daher wird derzeit eifrig erweitert und modernisiert. Laut Tkatschenko investiert das Unternehmen jährlich umgerechnet 25 Mio. Euro in den Ausbau der Kapazitäten.

Das neueste Projekt ist der Ausbau der Kais 14 und 15. Derzeit haben die Kais eine Kapazität von 50.000 TEU jährlich. Für insgesamt 50 Mio. Euro wird deren Leistungsfähigkeit bis 2015 auf das Fünffache ausgebaut, damit steigt die gesamte Kapazität des Hafens von 400.000 auf 650.000 TEU.

Hoffen auf den APEC-Gipfel


Dies sei in etwa auch der erwartete Anstieg beim Containertransport, erklärt Tkatschenko. „Wächst er stärker, so können wir auch schneller ausbauen“, fügt er hinzu. Die Waren kommen aus Südkorea, Japan und China. Noch sind sie fast ausschließlich für den russischen Bedarf gedacht, doch M-Port hofft auf eine Steigerung des Transitverkehrs nach Europa in den nächsten Jahren. Voraussetzung ist die Vereinfachung der Zollformalitäten.

Auch ein erfolgreicher APEC-Gipfel kann beim Aufschwung helfen. Immerhin werden neben den Politikern auch Wirtschafts-delegationen in Wladiwostok erwartet. Ein paar Gespräche über die Ansiedlung neuer Wirtschaftszweige gibt es schon – speziell im Automobilsektor.

Wladiwostok hofft dadurch auf neue Fabriken und Arbeitsplätze, der Hafen auf neue Warenströme.