Donnerstag, 04.08.2011

WTO-Beitritt Russlands für Mensch und Natur nicht gut

Demonstration in der Roterdeproduktionsanlage Pikalowo (Foto: TV)
Krasnojarsk. Vom möglichen Beitritt Russlands zur WTO würden vor allem die grossen Rohstoffexporteure profitieren. Der Beitritt hat allerdings auch für sie eine Kehrseite: die notwendige Angleichung der Inlands-Energiepreise an das Weltniveau.
Am 27.Dezember 2010 hatte Regierungschef Wladimir Putin ein neues Regelwerk für den russischen Energiemarkt bereits unterschrieben, am 1.Januar sollte es in Kraft treten, am 1.April wurde es endlich veröffentlich, nachdem hinter den Kulissen noch fleissig nachgebessert worden war.

Eines der Kernstücke der neuen Regeln ist eine neue Vertragsstruktur für Grosskunden der Stromproduzenten, die besonders in der Preiszone 2 (Sibirien und Ferner Osten) zu deutlichen Preiserhöhungen führt.

Besonders davon betroffen ist der Aluminium-Produzent RusAL, der etwa 30% der gesamten Stromproduktion in Sibirien verbraucht, inklusive der gewaltigen Wasserkraftwerke von Bratsk, Krasnojarsk und Sajano-Schuschesnk.

Bisher konnte Rusal dank des billigen sibirischen Stroms mit einem Energiekostenanteil von etwa 25% pro Tonne Aluminium rechnen, während die Branche sonst mit 36% Kostenanteil belastet ist. Für Rusal war das 2010 beim Börsengang in Hongkong noch ein wichtiges Argument für potentielle Investoren.

Nach den neuen Regel steigt der Energiekostenanteil aber auch für Rusal auf 30%

Möglicherweise ist der Effekt aber noch krasser. Im ersten Quartal 2011 seien die Energiekosten für Rusal in Sibirien bereits um 43% gestiegen, schreibt die Moskauer Wirtschaftszeitung Wedomosti.

Im ersten Quartal 2011 sei die Stromrechnung für Rusal im Vergleich mit dem letzten Vierteljahr 2010 bereits um 130 Mio Dollar teurer ausgefallen. (620 Mio USD statt 490 Mio USD).

Zwar gehört zum Beispiel der Stromproduzent IrkutEnergo (im Rahmen von EuroSibEnergo) ebenfalls dem Rusal-Eigner Deripaska bzw dessen Holding En+. Wegen des neuen Regelwerkes für den Energiemarkt schlagen aber auch hier die Preiserhöhungen durch. Wobei die Dimensionen sibirisch-gewaltig sind: Rusal kauft bei EuroSibEnergo 5,1 Gigawatt Produktionskapazität bzw 38-40 Milliarden KWh.

So sehr also Deripaska den WTO-Beitritt wünschen mag, die Strompreiserhöhung macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Leidtragenden dürften aber auch Mensch und Natur in Sibirien sein.

Lag bisher schon bei Rusal der Anteil der Investitionen in Innovation, Betriebssicherheit, Arbeitsschutz oder auch Umwelt nahe bei Null (wohl kein Zufall, dass in den 10 schmutzigsten Städten Russlands überall Rusal-Fabriken stehen), dürfte in Zukunft der Raubbau noch krasser werden.


Die russische Übersetzung dieses Artikels ist hier >>>