Freitag, 01.05.2015

Zentralbank senkt Zinsen nach Rubelrekord

Die Zinssenkung soll auch den Rubel in seinem Aufwärtsdrang etwas hemmen (Foto: TV/Archiv)
Moskau. Sinkende Inflation und ein steigender Rubel haben die russische Zentralbank zu einer deutlichen Leitzinssenkung veranlasst. Der vom Markt erwartete Schritt soll Russlands lahmende Wirtschaft wieder auf Trab bringen.
Frohe Botschaft an die Unternehmer zu den russischen Maifeiertagen: Die Zentralbank hat den Leitzins um 1,5 Prozent auf 12,5 Prozent abgesenkt. Der Finanzregulator begründete die Maßnahme mit sinkenden Inflationsrisiken, während das Risiko einer Wirtschaftsflaute anhalte. Heuer ist es bereits der dritte Zinsschritt, zu Jahresbeginn lag der Satz noch bei 17 Prozent.

Inflation sinkt langsam


Tatsächlich hat der Inflationsdruck im April stark nachgelassen. Stiegen die Preise im Jänner im Monatsvergleich noch um fast vier Prozent, so fiel der Wert im April auf 0,5 Prozent (seit Jahresbeginn insgesamt acht Prozent).

Die niedrigeren Inflationsraten sind auch auf die Wiedererstarkung des Rubels seit dessen drastischem Kursverfall im Dezember (kurzzeitig lag der Wechselkurs zum Euro bei 1:100) zurückzuführen. Inzwischen kostet der Euro 58 Rubel. Nachdem die russische Landeswährung im April gegenüber dem Dollar 13 Prozent zulegte - Rekordanstieg seit 1993 - kürte sie Bloomberg zur renditeträchtigsten Währung des Monats.

Wirtschaft lahmt


Hintergrund der Rubelstärke ist der zuletzt wieder steigende Ölpreis - immerhin erzielt Russland 40 Prozent seiner Einnahmen aus Ölexporten. Die ökonomische Gesamtlage bleibt allerdings trüb: Das BIP ist im ersten Quartal um 3,4 Prozent eingebrochen, für das Gesamtjahr wird ein Rückgang zwischen 2,8 und 4,6 Prozent erwartet.

Mit der Zinssenkung will die Zentralbank Investitionen ankurbeln, in dem sie Unternehmern die Kreditaufnahme erleichtert. Der Unternehmerverband „Delowaja Rossia“ lobte den Schritt als Rückkehr zu „Berechenbarkeit und Rationalität“ in der Zentralbankpolitik.