Donnerstag, 22.09.2011

Neu im Bücherregal: der „Kulturschock Russland“

Neu in der „Kulturschock“-Reihe - der von Lothar Deeg und Susanne Brammerloh völlig neu verfasste Russland-Ratgeber. (Foto: Barth/.rufo)
Nürnberg. Einen „Kulturschock“ in Sachen Russland gibt es jetzt zwischen Buchdeckeln - bzw. das vorbeugende Mittel dagegen: Zwei Russland-Aktuell-Redakteure erklären in ihrem Buch Russland mit allen Ecken und Kanten.
Man darf sich die Kulturschock-Reiseführer aus dem renommierten Reise-Know-how-Verlag auf keinen Fall als polyglotte Nachschlagewerke zu den touristischen Sehenswürdigkeiten, Hotels jeder Kategorie und empfehlenswerten Lokalen eines Landes vorstellen.

Das Buch
Lothar Deeg, Susanne Brammerloh:
„Kulturschock Russland“
Reise Know-How Verlag, 2011
ISBN: 978-3-8317-1031-7
Preis: 14,90 Euro
Vielmehr wenden sich diese Bücher an eine ganz andere Zielgruppe unter den Reisenden. Wer bereit ist, sich ernsthaft mit den Eigen- und Gepflogenheiten eines zum Besuch anstehenden Landes auseinanderzusetzen, ist mit der „Kulturschock“-Reihe bestens beraten.

Detailliert behandeln diese Bücher den Alltag in der Fremde, nicht ohne eine historische Brücke zu schlagen und den langen Prozess der Nationenbildung und Staatswerdung bis in die Gegenwart zu erläutern.

Informationen aus erster Hand


Jetzt erschien ein neuer Band, der sich der Russischen Förderation widmet. Es handelt sich schon um die siebte Auflage zum Thema Russland – was ein Zeichen für den rasanten Wandel der russischen Gesellschaft während der letzten Jahre ist. Doch nun präsentiert sich dieses Buch in einer von einem neuen Autorenteam von Grund auf neu verfassten Version.

Man merkt, dass die beiden Russland-Aktuell-Redakteure Lothar Deeg und Susanne Brammerloh das Land, in dem sie seit gut 20 Jahren leben, aus der Westentasche kennen. Durch ihre journalistische Tätigkeit in St. Petersburg sind sie in der Lage, einen tiefen Einblick in das gegenwärtige Russland zu gewähren.

Russland verstehen und begreifen


In sechs umfangreichen Themenblöcken behandelt der Band vom geschichtlichen Abriss bis hin zu diversen Fettnäpfchen, in die der Besucher aus Unwissenheit treten kann, sämtliche Aspekte, die helfen, ein Land und dessen Bewohner wirklich zu verstehen – also auch Bildung und Soziales, Kulturelles und Wirtschaftliches.

Die Autoren nehmen den Leser gedanklich in russische Familien mit, um die dortigen Strukturen zu studieren und die Rolle von Mann und Frau im Umfeld des sozialen Alltags zu verdeutlichen.

Unter Berücksichtigung von Moralvorstellungen und sozialen Hierarchien sowie den religiösen Hintergründen der orthodoxen Kirche formt sich so für den Leser eine Vorstellung von russischen Denk- und Lebensweisen.

Skurriles im Alltag


Nach der Lektüre versteht man aber auch den Hang zu bestimmten Automarken, warum eine Hochzeit etwas Besonderes ist, die Russen nicht nur zum Essen in ein Restaurant gehen, und allerlei andere Merkwürdigkeiten.

Man ist in der Lage zu begreifen, warum es Russen gibt, die sich freiwillig in ein Eisloch stürzen, um darin zu baden. Und warum ihnen der Wodka schmeckt, und dass die Banja einem Russen heilig ist. Auch wird man verstehen, was es mit dieser höflichen, aber unmittelbaren Ignoranz in einem russischen Geschäft auf sich hat.

Staat und Uniform


Aber nicht nur Alltag und Privates werden in dem Buch behandelt. Von den Individuen und ihrer angeblich so rätselhaften "russischen Seele" spannt sich ein Bogen zum russischen Staatswesen und dessen besonderen Eigenheiten. So wird erklärt, warum Uniformen in Russland etwas immens Wichtiges darstellen und wie man am besten mit deren Trägern umgeht.

Der Gang zum Arzt und das dazugehörige Gesundheitswesen, die Bildungspolitik, sowie der Umgang mit Randgruppen und sozialen Minderheiten werden nicht ausgeklammert. Die ethnischen Konflikte des Vielvölkerstaates und das Zuzugsproblem in den Großstädten finden ebenso Beachtung.

Auch die heißen Eisen der modernen russischen Gesellschaft werden von Deeg und Brammerloh aufgegriffen, etwa die Klein- und Großkriminalität, vom alltäglichen Taschendiebstahl bis hin zu den mafiösen Strukturen oder dem Drogenkonsum.

Praktisches für die Reise


Darüber hinaus liefert das Buch auch einen Knigge für die Umgangsformen, wie man sich als Fremder in Russland bewegt, und birgt etliche Hinweise, um als Reisender eventuelle Fettnäpfchen möglichst geschickt zu umkurven – erst recht zu Tisch, bei einer privaten Einladung in eine russischen Familie.

Stellenweise schmunzelnd geschrieben und ergänzt durch Beiträge verschiedener Gastautoren, sowie umfangreich mit Fotos illustriert, schufen die Autoren auf 300 Seiten einen unabdingbaren Ratgeber für jene Russland-Reisenden, die die Eremitage auch alleine finden.