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Montag, 24.02.2003

Ein paar Gläser auf die Vaterlandsverteidiger ...

Von Gaby Henze, Moskau. Die einen demonstrieren, die anderen trinken: 1922 erklärte Lenin den 23.Februar, den Gründungstag der Roten Armee zum Feiertag. Jelzin taufte den Tag um – zum „Tag der Vaterlandsverteidiger“. In diesem Jahr ist er zum ersten Mal ein offiziell arbeitsfreier Feiertag - auch in der Ukraine, Weißrußland und Kasachstan. Und da der 23. Februar diesmal auf einen Sonntag fiel, ist der anschliessende Montag in weiser Voraussicht auch offiziell arbeitsfrei. Aus gutem Grund: Gefeiert wurde allerorten schon ab Freitag. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

So haben die russischen Männer jetzt auch einen ordentlichen Feiertag, wie ihn die Frauen in Rußland zum 8. März schon seit Ewigkeiten haben. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, daß doch in der Sowjetzeit dieser Tag der Armee, wenn er auch nicht offizieller Feiertag war, mehr gefeiert wurde als heute. Trinkt der russische Mann etwa nicht mehr so viel? Nein, es scheint eher daran zu liegen, daß es keinen so richtigen Grund mehr gibt, auf die Armee, auf die Vaterlandsverteidiger das Glas zu heben.

Die Veteranen, die im Zweiten Weltkrieg kämpften, haben noch einen Anlaß mit den traditionellen 100 Gramm Front-Schnaps unter den immer weniger werdenden Kameraden anzustoßen. Natürlich darf man an diesem Tag nicht vergessen, diesen älteren Herren, meist schon weit über 80 Jahre zu gratulieren. Ich denke selbstverständlich an Großvater Roman, der seiner Zeit für die Rote Armee in Rumänien kämpfte. Er freut sich über meinen Anruf.

Auch der 38-jährige Juri Michailowitsch begeht den Tag mit Inbrunst. Als ich Anfang der 80.Jahre in der Ukraine für die Sowjetarmee eingezogen wurde, gab es am 23. Februar zum Frühstück etwas mehr zu essen, nicht nur Haferbrei, sondern neben Brot auch noch zwei hartgekochte Eier zum Tee, erzählt er.

Er diente in einer Spezialeinheit an der Grenze zu Polen, saß sogar einmal an diesem Tag hinter Gittern, weil er es nicht lassen konnte, doch heimlich mit seinen Kameraden auf der Kasernenstube zu trinken, was strengstens verboten war, und dann sogar noch eine Schlägerei anfing! Auf die ukrainische Armee und die russische Armee hat Juri keinen Eid mehr abgelegt, diente er auch noch für Polizeisondereinsatztruppen dieser Länder und war sogar noch im ersten Tschetschenien-Krieg.

Inzwischen lebt Juri in Moskau, arbeitet für einen Ölkonzern, ist viel auf Dienstreisen und verdient endlich normales Geld. Von dem Armee-Sold waren in den letzten Jahren keine großen Sprünge mehr zu machen. Seine Eltern schicken ihm zum 23. Februar in guter alten Tradition über einen bekannten Schaffner per Zug aus der ukrainischen Heimat ordentlich Fleisch, Wurst, Salat und natürlich Garilka, den ukrainischen Wodka. Mit einem Freund aus der Heimat, der inzwischen auch in Moskau arbeitet, sitzt er also am heiligen Sonntagmorgen schon um 11 Uhr zusammen. Damit die Geschenke nicht schlecht werden.

Die zwei kleinen Flaschen Schnaps sind schnell geleert. Zwischen dem ersten und dem zweiten Trinkspruch ist die Pause erfahrungsgemäß kurz: Auf die Armee, auf die Eltern, auf die Frauen... Ich hebe auch jedes Mal das Glas. Freund Ruslan fallen schon die Augen zu. Er hat nicht so eine gute Kondition wie Juri. Und der hat auch schon wieder das Mobiltelefon in der Hand: Ja, ja, ich weiß Bescheid, sagt er seinem Chef, heute abend geht es auf Dienstreise. Obwohl eigentlich der ganze Sonntag und Montag arbeitsfrei sind.

Die Feiertagskonzerte im russischen Fernsehen und auch das Feuerwerk am Sonntagabend erlebe ich, nachdem ich mich von diesem Frühschoppen etwas erholt habe, schon längst wieder ohne die Vaterlandsverteidiger, denn sie arbeiten schon wieder. Und am Montag mache ich wahrscheinlich nur blau!

In diesem Sinne:Auf den Feiertag!

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