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Die Juschtschenkos bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt
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Donnerstag, 28.07.2005

Juschtschenko junior mit Lifestyle-Allüren

Moskau. Schicke Sportwagen, eine schicke Frau und dazu teures Spielzeug. Präsidentensohn Andrej Juschtschenko hat alle Accesoires, um cool zu sein – und seinem Vater Ärger zu machen.

Andrej ist gerade erst 19, doch wie man die Herzen der stolzesten Frauen erobert, die Lektion hat er bereits gelernt. Starallüren, die im Westen langweilen, weiten in der Ukraine aber die Pupillen der Sensationsjournalisten.

Die Ukrainskaja Prawda jedenfalls ist fasziniert und rang Viktor Juschtschenko sogar ein Interview zu dem angeblichen Skandal ab. Die Wahrheit ist ernüchternd: die schicken Sachen sind alle nur geleast oder ausgeliehen, sagt der Präsident.

Die heißen Autos und der Einpark-Anarchist

Mit einem geleasten BMW M6 im Zentrum Kiews unterwegs (Foto: newsru)
Mit einem geleasten BMW M6 im Zentrum Kiews unterwegs (Foto: newsru)
Am Anfang war es der 90.000 Dollar Mercedes CLS 500, mit dem Andrej nicht nur positiv auffiel. Den Blickfänger lieh er sich von seiner Mutter aus. Die Nachbarn beobachteten interessiert, wie er seine Freundin damit herumchauffierte. Ärgerlich nur, dass Juschtschenko jr. den Wagen aus Machogehabe immer irgendwie auffällig und meistens regelwidrig abstellte. Von Parken konnte keine Rede sein.

Der geheimnisvolle BMW M6 des ominösen Freundes

Noch schicker und auffälliger aber war der schwere BMW-M6, mit dem der 19-jährige Student später durch Kiew kutschierte. Dafür reichten die Honorare für die Nebenjobs des Präsidentensohnes mit Sicherheit auch nicht. Es fand sich allerdings eine Erklärung: Der Luxusschlitten sei von einem anonymen Freund geleast.

Tschechisches Kennzeichen sorgt für Spekulationen

Vor allem beschäftigte die im Sommerloch gefangenen Journalisten das CZ-Kennzeichen des BMW. Wie kann es sein, dass der Wagen legal auf Dauer in der Ukraine unterwegs ist? Und dann fand sich noch ein U im Kennzeichen. „U“ wie „Usti nad Labem“. In der Ukraine ist diese Stadt vor allem für zwei Sachen bekannt. Als Ausflugziel deutscher Sextouristen und für die ukrainische Mafia, der es immer noch gelingt, auf der Angebotsseite für Nachschub zu sorgen.

Das Nummernschild des BMW sorgte für wirre Spekulationen in den Boulevardmedien (Foto: newsru)
Das Nummernschild des BMW sorgte für wirre Spekulationen in den Boulevardmedien (Foto: newsru)
Ein handfester Skandal wurde gewittert. Der Sohn des Präsidenten als Kunde einer Unterwelt-Autovermietung. Aber Pech gehabt. Der Vater kennt den anonymen Freund leider und erklärte, dass in der Familie Juschtschenko alles seriös zugehe.

Danach blieb für die ukrainische Boulevard-Presse nur noch die Handyfrage. Denn Andrej Viktorowitsch wurde mit einem Handy gesichtet, das zwischen 10.000 und 43.500 USD kostet. Marke Vertu.

Wie kann man ein Handy für 43.500 Dollar bauen?


Bei Russland-Aktuell
• Kutschma soll Wirtschaftswachstum gefälscht haben (17.06.2005)
• Bush wohnt in Moskau am teuersten (05.05.2005)
• Ukraine schafft Verkehrspolizei ab (20.07.2005)
• Referendum in Ukraine für EU- und NATO-Beitritt (13.05.2005)
• Falschgeldskandal um Timoschenko (21.07.2005)
Ganz einfach. Das Material sollte teuer sein. Der englische Hersteller Vertu baut Gehäuse aus Edelstahl, Gold oder Platin. Die Tasten sind rubingelagert. Die Platin-Ausführung kostet sage und schreibe 43.500 USD in einem ukrainischen Online-Shop. Dafür gibt es aber auch eine Schnellfunktion: Die Butlertaste, über die weltweit jederzeit Hotels reserviert oder Champagner geordert werden kann.

Aber auch das sündhaft teure Telefon ist nur ein Geschenk, erklärte Student Andrej. Geben ist seliger denn nehmen, hatte sich ein weiterer anonymer Freund gesagt und Andrej einfach das Telefon geschenkt.

Resume: Auswüchse eines 19jährigen

Vater Viktor Juschtschenko jedenfalls findet, dass es sich um die typischen Phänomene des Erwachsenwerdens handelt: „Noch nicht mal 20 Jahre. Ich weiß doch, was man in diesem Alter so macht.“

Na dann ist doch eigentlich alles in Ordnung, oder? Außerdem hat Vater Viktor seinem Sohn erklärt, dass Verkehrsregeln eine ernste Sache sind. Nach dem Sommerloch hat sich die ganze Sache bestimmt verwachsen. Und weil in der Ukraine das Gesetz jetzt für alle gilt, musste auch der Präsidentensprössling für seine regelwidrigen Anwandlungen in die Tasche greifen.

Wegen des Führens eines nicht in der Ukraine registrierten Fahrzeugs muss Andrej nun umgerechnet drei Euro Bußgeld bezahlen. Der Innenminister persönlich bat Andrej vor aller Öffentlichkeit zur Kasse, denn die Verkehrspolizei hatte ja Papa Präsident in der letzten Woche abgeschafft.

(khs/.rufo)


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