Moskau. Heute wurde in Gmund am Tegernsee Peter Boenisch beigesetzt. Der Vorsitzende des deutschen Lenkungsausschusses des „Petersburger Dialogs“ war vor einer Woche im Alter von 78 Jahren gestorben.
Ein wirklich guter Freund ist offen und selbstlos im Rat. Er macht sich das vorgelegte Problem zu seinem eigenen, schätzt Wirkungen ein, fragt nach dem Ethos: was darf man, was nicht – versucht, ein guter Mensch zu sein, ist selbstkritisch, wenn das mal danebengeht. Er interessiert sich für sein Gegenüber, öffnet sich ihm. Er sucht Lösungen, will vermitteln im Streit. Idealerweise ist er nicht nur klug, sondern auch gebildet, ist weltläufig und Patriot, ist ein Weiser und auch ein Ästhet, ist fröhlich mit sich und seiner Umwelt, ein Menschenfreund.
Peter Boenisch war all das. Wir, seine Freunde, haben viel verloren durch seinen Tod, weil wir so viel gewonnen haben durch ihn. Mit unermüdlichem politischem Impetus hat er in den letzten Jahren noch – gemeinsam mit Michail Gorbatschow – im „Petersburger Dialog“ die deutsch-russische Freundschaft auf bessere Wege gebracht. Dafür werden ihm noch Generationen dankbar sein.
Als Peter Boenisch Ende 2000 von Bundeskanzler Gerhard Schröder gebeten wurde, einen Gesprächskreis mit Russland nach dem Modell der deutsch-britischen Königswinter Konferenzen zu leiten, zögerte er mit seiner positiven Antwort keine Sekunde. Dabei war die Verbundenheit mit der russischen Kultur, vermittelt durch seine russische Mutter, nur ein Motiv. In seinen Interviews betonte er immer wieder, dass das Mitgestalten der deutsch-russischen Beziehungen in einer Zeit des Aufbruches Russlands in Demokratie und Marktwirtschaft für ihn den Ausschlag gegeben habe.
Boenischs russischer Partner wurde der damalige Vorsitzende der Partei Einiges Russland, Boris Gryslow. Die Vorsitzenden und die Mitglieder des Lenkungsausschusses einigten sich schnell auf den Namen des Forums „Petersburger Dialog“ und begannen sofort mit der Arbeit. So fand der erste Petersburger Dialog bereits im April 2001 statt.
Peter Boenisch und Boris Gryslow gelang es schnell, den Petersburger Dialog zu dem Dialog beider Länder zu machen, in dem auch den Schirmherren der deutsche Bundeskanzler und der russische Präsident eine aktive und gestaltende Rolle zukam. Nachdem Boris Gryslow zum russischen Innenminister ernannt wurde, folgte ihm im November 2001 Michail Gorbatschow als Vorsitzender des Russischen Lenkungsausschusses nach. Peter Boenisch’s Stil, geprägt von Hochachtung, Empathie und Verständnis, sorgte dafür, dass er in Michail Gorbatschow einen energischen Mitstreiter und einen guten Freund fand. Beide waren sich einig, dass zivilgesellschaftlicher Dialog kein Modewort werden dürfe, sondern zu konkreten Ergebnissen führen müsse, besonders für die kommende Generation, deren Förderung sich der Dialog zur zentralen Aufgabe machte.
In den Treffen in Weimar (2002), St. Petersburg (2003) und Hamburg (2004) wurden immer wieder neue Initiativen zum Jugendaustausch durch den Petersburger Dialog auf den Weg gebracht. Auch wenn es auf dem Weg immer wieder Rückschritte gab, arbeitete Peter Boenisch unermüdlich an diesem historischen Projekt der Zusammenarbeit mit Russland. Aufgeben galt für ihn nie. Er redete mit der Robert Bosch Stiftung, mit seinem Vorstandskollegen Dr. Klaus Mangold als Vorsitzendem des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft und suchte, wenn nötig, die Schirmherren des Petersburger Dialogs für das Projekt zu begeistern. Die Krönung der Arbeit war dann der Dezember 2004, als Peter Boenisch der Unterzeichnung eines neuen Abkommens einer deutschen und russischen Zusammenarbeit im Schloss Gottorf beiwohnen konnte. Nirgends zeigte sich mehr, was Peter Boenisch darunter verstand, wenn er sagte „Wirkliche Völkerfreundschaft wird nicht von Regierungen befohlen, sondern von Menschen gelebt und erlebt“.
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Peter Boenisch hat in den fünf Jahren, in denen er den Petersburger Dialog auf deutscher Seite im Lenkungsausschuss geführt hat, alles dafür getan, damit sein großes Ziel in Erfüllung gehen wird. Gefragt, in welcher zeitlichen Perspektive er Erfolge für die Aufgaben des Dialogs erwarte, war seine Antwort stets dieselbe: Konkrete Ergebnisse werden wir sehr schnell erzielen, doch der Erfolg der Initiative gründet sich nicht in kurzfristigen Jubelveranstaltungen. Wir wollen, dass der Petersburger Dialog zu einer dauerhaften Verbindung zwischen deutschen und russischen Menschen wird, der Höhen und Tiefen der Beziehungen gleichsam meistert und „zumindest“ die nächsten hundert Jahre der Zusammenarbeit beider Länder intensiv mitgestaltet.
Wir, die wir die Arbeit von Peter Boenisch im „Petersburger Dialog“ fortführen, werden dies in seinem Sinne tun: Die Geschichte im Bewusstsein, eine friedliche Zukunft zielstrebig im Blick.
Martin Hoffmann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums e.V., Mitglied des Vorstandes des Petersburger Dialogs e.V.
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