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Sonntag, 27.10.2002

Nicht alle Befreiten sind auch gerettet

Von Gisbert Mrozek, Moskau. Noch am Sonntag rangen viele der Befreiten auf den Moskauer Intensivstationen mit dem Tode. Über 500 Menschen lagen noch in den Krankenhäusern. Vor den verschlossenen Toren drängten sich im Regen verzweifelte Angehörige. Viele der befreiten Geiseln blieben rätselhaft verschollen. Es gab weder genaue Zahlen, wieviele Geiseln gerettet wurden, noch zuverlässige Angaben, wer wo eingeliefert worden war. Aber die grösste Frage für Angehörige und Mediziner war: Was für ein Gas ist eingesetzt worden und welche Folgen wird es auf Dauer haben, wenn bis zum Sonntagmittag nach offiziellen Behördenangaben schon 118 der befreiten Geiseln starben.

Eine Antwort auf diese Fragen gab es nicht. Auch eine offizielle Anfrage der amerikanischen Botschaft blieb unbeantwortet. Auf den Intensivstationen rätselten die Ärzte, wie sie die Vergiftungserscheinungen behandeln können, wenn noch nicht einmal sie wissen, mit was für einem Teufelszeug sie zu tun haben.

Als offizielle Todesursache wurde bei den Verstorbenen Herz- und Kreislaufversagen angegeben. Viele der bettlägerigen Geiseln seien gelb im Gesicht, berichtet der Duma-Abgeordnete Grigori Jawlinski, als hätten sie einen Leberschaden. Zwei Männer, die am Samstag aus der Musical-Halle herausgeführt worden waren, begannen plötzlich unabhängig voneinander auf dem Vorplatz blind im Kreise herumzulaufen.

Der russische Chemiewaffenexperte Lew Fjodorow erklärte, möglicherweise habe es sich um ein Gas aus der Inkapasidant-Gruppe gehandelt, über das die Militärs verfügen. Es unterliege nicht der Chemiewaffenkonvention. Es führt zu schneller Lähmung, die dann aber ohne Folgen vergeht. Es sei ungefährlich für gesunde Menschen. Es müssten noch nicht einmal Gegenmittel verabreicht werden. Es genüge frische Luft und notfalls künstliche Beatmung. Er wisse allerdings nicht, sagte Fjodorow, wie das Gift auf Kranke und Schwache wirke.

Offensichtlich hatten drei Tage Geiselhaft, Todesangst und Stress die Gesundheit der meisten Geiseln schon angegriffen. Sie hatten lange weder zu Essen noch zu Trinken gehabt. Die Luft im Musical-Saal stand. Sie war feucht, stickig und stank. Da die Geiselnehmer verboten hatten, auf die Toilette zu gehen, mussten die Geiseln ihre Notdurf im Orchestergraben verrichten.

Bevor am Samstagmorgen die Befreiungsaktion begann, hatte es schon mehrfach streng und durchdringen nach Gas oder anderem gerochen. Jedesmal, wenn solche Schwaden durch den Saal drangen, zogen sich die Geiselnehmer Atemschutzhauben vor die Nase. Die Tschetschenischen Frauen verteilten sich im Saal und legten die Hand an die Zünder der Sprengstoffgürtel. Als es dann ernst wurde, konnten die Journalistin Olga Tschernjak und ihr Mann sich eben noch ihr Hemd vor den Mund ziehen. Sie konnten noch sehen, wie einer der Geiselnehmer auf der Bühne versuchte, seine Schutzmaske anzulegen. Aber er fiel um, kurz bevor Olga Tschernjak das Bewusstsein verlor.

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