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Sonntag, 27.10.2002

Wie Alfa die Musical-Halle stürmte

Von Lothar Deeg und Karsten Packeiser. Einer der Antiterrorkampfer berichtete anonym einer Moskauer Zeitung, es sei am Freitagabend bewusst eine Falschinformation über einen um drei Uhr nachts anstehenden Sturmangriff in Umlauf gebracht worden. Dazu nutzten die Geheimdienstler offenbar bereits enttarnte "Melder" der Terroristen hinter den Absperrungen. Gegen zwei Uhr nachts hatten die Behörden jedenfalls Zaungäste und Presse noch weiter zurückgedrängt. Als der Angriff dann nicht stattfand, hatten sich die bereits hoch nervösen Terroristen entspannt. Deshalb gelang es nach fünf Uhr, sie zu überrumpeln.

Dass kurz vor der Gasattacke zwei Geiseln vor den Augen der anderen erschossen wurden, wurde inzwischen von mehreren Leidensgefahrten bestätigt. Eine Ex-Geisel sagte im Krankenhaus, der Gaseinsatz sei absolut richtig gewesen. Sonst hätten die Terroristen das Theater gesprengt.

Über die Belüftungskanäle des Theatersaales eingeleitet, schläferte das geheimnisvolle Betäubungs-Mittel die Geiselnehmer ein, bevor sie ihre im Theater verteilten 50-Kilogramm- Sprengsätze zünden konnten. Eine befreite Geisel berichtete später, die Terroristen hätten einen möglichen Einsatz von Betäubungsgas vorhergesehen, es aber nicht mehr geschafft, die bereit gehaltenen Masken aufzusetzen. Nach dem sie einige Momente von krampfhaften Zuckungen geschüttelt wurden, seien die Terroristen zu Boden gestürzt.

Anschließend stürmte das Sondereinsatz-Kommando das Gebäude. Die Anti-Terror-Kämpfer sprengten ein Loch in die Außenwand des Theaters. Teilnehmer der Operation berichteten später, sie seien sich beim Anblick des unerträglich stickigen und stinkenden Zuschauersaals nicht mehr sicher gewesen, ob dort überhaupt noch jemand am Leben war. Bereits wenige Minuten später trugen und schleiften die Sturmtruppen die ersten betäubten Geiseln aus dem Theater, zu allererst diejenigen, die nach leichten Schlägen auf die Wange Lebenszeichen abgaben. Die verschleierten Terroristinnen, die mit ihren mit Sprengstoff und Metallteilen gefüllten Kamikaze-Gürtel im Zuschauersaal saßen, wurden mit gezielten Kopfschüssen liquidiert.

Ein Teil der Geiselnehmer, der sich zum Zeitpunkt des Sturms im Foyer aufhielt, war von dem Schlafgas nicht betäubt worden. Die Terroristen leisteten den Alpha-Kämpfern teils heftigen Widerstand. Etwas über eine Stunde nach dem Beginn des Sturms meldete der Krisenstab schließlich, das Gebäude des Theaters werde vollständig kontrolliert. Dutzende Krankenwagen transportierten die betäubten Geiseln in die Kliniken der Hauptstadt.

Die russischen Behörden bewahrten auch am Sonntag noch eisiges Schweigen darüber, welches Schlafgas bei der Kommandoaktion eingesetzt wurde. Man will sich nicht in die Karten der Profi-Terrorbekämpfung schauen lassen - und sich auch nicht dem Vorwurf aussetzen, international verbotene chemische Kampfstoffe einsatzbereit zu halten. Doch angesichts der Lebensgefahr für gut 1000 Menschen musste der Zweck die Mittel heiligen.

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