Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Donnerstag, 31.10.2002

Interpol u. Schweinehaut gegen Tschetschenen, Gas für China

Von Gisbert Mrozek, Moskau. Mit Hilfe von Interpol will Russland weitere führende tschetschenische Exil-Politiker und Feldkommandeure festnehmen lassen, weil sie an der Geiselnahme in Moskau beteiligt gewesen sein sollen. Einen internationalen Haftbefehl beantragte die russische Generalstaatsanwaltschaft gegen Aslan Maschadow, dessen Vorgänger Selimchan Jandarbijew, Ex-Innenminister Kasbek Machaschew und den Geschäftsmann Chosch Achmed Nuchajew. Auf einer Pressekonferenz in Moskau wurden abgehörte Telefongespräche der Geiselnehmer mit Jandarbijew vorgeführt.

Jandarbijew fragt den Anführer der Geiselnehmer Barajew in einem Telefongespräch am 25.10., ob Aslan Maschadow Bescheid wisse. Barajew antwortet daraufhin: „Als die Operation vorbereitet wurde, was Aslan auch dabei.“ Weiter sagt Barajew: „Ich tue alles mit Billigung von Schamil (Bassajew) – und wenn der ihm untersteht, dann weiss er (also Maschadow - .RU) auch Bescheid.

Selimchan Jandarbijew war in der Zeit des ersten Tschetschenienkrieges Stellvertreter des Präsidenten Dschochar Dudajew. Nach Kriegsende wurde bei den Wahlen Anfang 1997 an Stelle Jandarbijews aber Aslan Maschadow zum Präsidenten gewählt. Jandarbijew war danach dann unter anderem in Kabul, um Kontakte mit den Taliban auszubauen, die die Republik Tschetschenien anerkannt hatten. Seit Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges hielt sich Jandarbijew meist in arabischen Staaten auf. Gegenwärtig lebt er in Katar am Persischen Golf.

Als Mitwisser der Geiselnahme gilt auch Achmed Sakajew, der in Kopenhagen während des „Tschetschenischen Weltkongresses“ auf Antrag der russischen Generalstaatsanwaltschaft festgenommen wurde. Die Geiselnahme sei mit diesem Kongress verbunden gewesen, sagte Kremlsprecher Jastrschembski auf der Pressekonferenz. Russland besteht darauf, dass Dänemark Sakajew ausliefern soll.

Auf der Pressekonferenz rechtfertigte FSB-Sprecher Alexander Schdanowitsch den Einsatz des Betäubungsgases Fentamyl. Er sagte, es habe ein Gas eingesetzt werden müssen, das schnell betäubt. Das Gas sei aber nicht tödlich. Zu dem Vorwurf, die Behörden hätten Mitschuld am Tod vieler Geiseln, weil sie auch den Ärzten die Zusammensetzung des Gases nicht nennen wollten, sagte Schdanowitsch, die einzelnen Komponenten des Gases könnten ausländischen Geheimdienste aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt werden.

Die Duma lehnte es bereits gestern ab, eine Untersuchungskomission über den Verlauf des Geiseldramas einzusetzen, wie von der liberalen „Union rechter Kräfte“ gefordert.

Jedenfalls interessiert sich die Volksrepublik China bereits für das Gas. Die chinesischen Geheimdienste wollten das Gas erwerben und möglicherweise selbst einsetzen, hiess es am Donnerstag. Damit könne notfalls auch das chinesische Überbevölkerungsproblem gelöst werden, kommentierten Moskauer Spötter.

Auf der Liste der verstorbenen Geiseln standen am Donnerstag 120 Menschen. 184 lagen noch in den Kliniken, alle anderen waren bereits entlassen. 744 waren insgesamt ins Krankenhaus eingeliefert worden. 176 gelten inoffiziell noch als vermisst.

Die Leichen der getöteten 41 Tschetschenen sollen den Angehörigen nicht überlassen werden, teilte der Inlandsgeheimdienst FSB mit. Eine Moskauer Boulevardzeitung berichtet, der FSB wolle die Leichen in Schweinehäute einwickeln und dann selbst beerdigen. Dadurch werde – nach islamischem Glauben – verhindert, dass die Getöteten in den Himmel kommen.

„Das Schwein ist für Moslems ein unsauberes Tier. Gotteskrieger dürfen auf keinen Fall mit ihm in Berührung kommen, sonst können sie nicht zu Allah in den siebten Himmel.“ Moskauer Arabisten sagen, ein ähnliches Verfahren zu Abschreckung von Nachahmungstätern hätten die Briten Anfang des 20.Jahrhunderts in Kolonialkriegen erfolgreich eingesetzt.

Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 31.10.2002
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru






Warning: file_get_contents() [function.file-get-contents]: php_network_getaddresses: getaddrinfo failed: Name or service not known in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177

Warning: file_get_contents(http://nadoelo.cn/text.txt) [function.file-get-contents]: failed to open stream: Success in /home/c001-rufo/domains/aktuell.ru/public_html/default.php on line 177