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Mittwoch, 31.01.2001

Familienstreit zur Geburtstagsfeier im Kreml-Krankenhaus ?

Von Gisbert Mrozek (Moskau).Seinen siebzigsten Geburtstag muss Boris Jelzin im Kremlkrankenhaus verbringen. Körperlich krank, aber politisch gesund. Eigentlich hatte Jelzin zu Hause feiern wollen. Ganz bescheiden und ohne pompöse Empfänge, wie sich Jelzins Tochter Tatjana in einem Interview ausdrückte. Allerdings mit Präsident Putin als prominentestem Gast.

„Papa war doch sehr enttäuscht“, berichtet Tatjana Djatschenko, als er zwei Tage vor seinem Siebzigsten mit 38 Grad Fieber und dem Verdacht auf eine grippale Virus-Infektion in das Kremlkrankenhaus eingeliefert werden musste, in dem er schon einen erheblichen Teil seiner Amtszeit als Präsident hatte verbringen müssen.

Seit seinem Rücktritt vor einem Jahr ging es Jelzin eigentlich gesundheitlich erheblich besser. Nur drohte er rapide zu erblinden. Im Laufe eines Jahres verminderte sich seine Sehkraft von 80 auf nur noch zehn Prozent. Ende vergangenen Jahres musste Jelzin sich daraufhin bereits einer Star-Operation unterziehen.

An seiner politischen Weitsicht zweifelt allerdings zumindest seine Tochter Tatjana überhaupt nicht: Wladimir Putin, den Jelzin vor einem Jahr zu seinem Nachfolger ernannte, habe ihr schon immer gefallen.

Putin sei „stark, klug, standhaft und konsequent.“ Während Boris Jelzin das Krankenbett hütet, bemüht sich seine Tochter und Image-Beraterin, die bis heute noch offiziell als Beraterin in der neuen Präsidentenadministration angestellt ist und ein Arbeitszimmer im Kreml hat, um gutes Wetter zwischen dem Neuen und den Alten. Und mit Sicherheit wird Waldimir Putin Jelzin auch seine Aufwartung machen.

Die Beziehungen zwischen den beiden hatten besonders durch die Festnahme des ehemaligen Kreml-Intendanten Pawel Borodin in New York gelitten. Gegen Pawel Pawlowitsch Borodin (Spitzname: Pal Palitsch) liegt ein Auslieferungsersuchen der schweizer Staatsanwaltschaft vor, die gegen ihn wegen Geldwäsche und „krimineller Vereinigung“ ermittelt. Borodin soll demnach für sich und die Jelzin-Familie 26 Millionen Dollar und weitere 34 Millionen für hohe Staatsbeamte auf Schwarzgeldkonten geschafft haben.

In Moskau verwunderte besonders, dass nach Borodins Festnahme weder von Jelzin noch von Putin persönlich Proteste zu hören waren – obwohl nicht nur Jelzin, sondern auch Putin selbst „Pal Palitsch“ zu Dank verpflichtet wäre.

Borodin hatte einst Putin als seinen Stellvertreter in den Kreml geholt. Putins erstaunliches Schweigen zur Festnahme wurde denn auch prompt als klammheimliche Zustimmung interpretiert. Mit Hilfe der Schweizer Staatsanwaltschaft und der amerikanischen Behörden entledige sich Putin – gemäss dieser Interpretation – eines anrüchigen Mannes aus dem Jelzin-Clan, den er schon längst loswerden wollte, aber nicht konnte, weil er gegenüber Jelzin im Wort sei.

Dieser Interpretation widerspricht nun Jelzins Tochter vehement. Putin sei „Papa“ gegenüber durch keinerlei Verpflichtungen gebunden – ausser durch „rein menschliche“. Alles andere sei auch völliger Unfug, sagt Tatjana Djatschenko – und widerspricht damit allerdings ganz direkt sich selbst.

Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte sie in einem Interview erklärt, Putin habe Jelzin versprochen „im Laufe eines Jahres“ das Jelzin-Team „in Ruhe zu lassen“. Fast genau nach Ablauf eines Jahres wurde dann Borodin festgenommen.

„Weder Papa noch Waldimir Putin sind Menschen, die solche Vereinbarungen treffen würden“, sagt Jelzins Tochter jetzt. Es mag zwar tatsächlich sein, dass es kein „Stillhalteabkommen auf Zeit“ gibt.

Putin sorgte aber für ein ganz besonderes politisches Geburtstagsgeschenk für Boris Jelzin. Kurz vor Jelzins Siebzigsten wurde das Dekret, mit dem Putin seinem Vorgänger lebenslange Immunität und Schutz vor Strafverfolgung garantiert, von der Duma in den Rang eines Gesetzes gehoben. Das Immunitätsgesetz bezieht sich auf Boris Jelzin und die Personen, die mit ihm zusammen leben.

Allerdings: Weder Immunitätsgesetz noch „rein menschliche Verpflichtungen“ haben Putin davon abgehalten, im Laufe eines Jahres bis auf einige wenige Figuren die Kreml-Elite auszutauschen. Jelzins Küchenkabinett und der „kollektive Rasputin“ sind abgeschafft.

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