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| Hartes Kasernenleben in Russland. Viele Vorgesetzte misshandeln ihre Untergebenen (Foto: Djatschkow/.rufo) | |
Freitag, 27.01.2006
Brutale Rekrutenschinderei erschüttert Russland
Moskau. Betrunkene Ausbilder misshandelten in der Neujahrsnacht ihre Rekruten. Einem der Opfer mussten beide Beine und die Genitalien amputiert werden. Erst jetzt wurde der Fall aus der Panzerschule Tscheljabinsk bekannt.
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Acht Männer, darunter drei Offiziere, wurden vorläufig festgenommen. Sie sollen für die Misshandlung von Soldaten des Versorgungsbataillons der Panzerschule Tscheljabinsk verantwortlich sein. In der Neujahrsnacht hatten betrunkene „Altgediente“ sich ein Vergnügen daraus gemacht, ihre Untergebenen zu quälen und zu schlagen.
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Mehrere Stunden lang in gebückter Haltung
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Der Hauptbeschuldigte, Sergeant Alexander Siwjakow, wurde wegen Amtsmissbrauch mit schwerwiegenden Folgen angeklagt. Er hatte den jungen Rekruten Andrej Sytschow gezwungen, drei Stunden lang in gehockter Haltung zu verharren. In der ganzen Zeit hatte er ihm immer wieder Schläge zugefügt.
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Durch die unnatürliche Haltung staute sich das Blut in den Beinen des jungen Mannes. Infolge dessen mussten ihm die Ärzte anschließend beide Beine und die Genitalien amputieren. Sytschow liegt immer noch im Krankenhaus. Seinen Zustand bezeichnen die Ärzte als kritisch, aber stabil.
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Verteidigungsminister erst drei Wochen später informiert
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Doch der Vorfall fand lange keine Beachtung. Die Armee-Führung versuchte die Affäre zu vertuschen. Noch vor zwei Tagen erklärte Verteidigungsminister Sergej Iwanow, dass er von nichts wisse und daher wohl auch nichts Besonderes vorgefallen sein könne.
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Kurz darauf wurde der Minister von seinen Untergebenen doch informiert - und reagierte hart. "Ich habe dem Generalstabschef Balujewski die Anweisung erteilt, sich in die Untersuchungen einzuschalten. Die Ergebnisse der Untersuchung geben wir nach ihrer Beendigung bekannt. Wir werden niemanden decken“, reagierte der Minister auf die schockierenden Neuigkeiten.
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Wird Vergewaltigung weiter vertuscht?
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Nach Angaben einiger Medien versucht die Armeeführung jedoch nach wie vor, einige Fakten zu vertuschen. So soll der junge Sytschow auch vergewaltigt worden sein. Die Tageszeitung „Wremja Nowostjej“ berichtet, „dass die Militärstaatsanwälte von der Vergewaltigung wissen, doch die höchste Moskauer Führung gegen die Veröffentlichung dieser Fakten auftritt, da sie um das Image der Streitkräfte fürchtet.“
Wladimir Putins "Beraterin für die Entwicklung der Zivilgesellschaft", Ella Pamfilowa forderte, die verantwortlichen Spitzenmilitärs müssten entweder freiwillig ihren Abschied nehmen oder anderenfalls von Sergej Iwanow entlassen werden.
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Die Panzerschule in Tscheljabinsk wird nun aufgelöst, allerdings soll dies nicht mit dem scheußlichen Vorfall in der Neujahrsnacht zusammenhängen, sondern Teil der Militärreform sein. Diese sieht u.a vor, den Wehrdienst ab 2008 auf ein Jahr zu kürzen, dafür fallen viele Zurückstellungsgründe vom Armeedienst in Zukunft weg.
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Djedowtschina bleibt ein ungelöstes Problem
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Die Misshandlung Untergebener („Djedowtschina“ genannt) ist ein weit bekanntes Problem in der russischen Armee. Nach Schätzungen des Komitees der Soldatenmütter fallen jährlich mehr als 3.000 Wehrpflichtige der „Djedowtschina“ zum Opfer.
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Erst vor zwei Wochen verurteilte z.B.ein Militär-Gericht einen Soldaten zu sieben Jahren Lagerhaft, der einen anderen Wehrpflichtigen erschlagen hatte. Dieser hatte sich geweigert, die Socken des Längergedienten zu waschen .
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Oft führt auch die Fahrlässigkeit der Offiziere zum Tod ihrer Untergebenen. Aufsehen erregte ein Fall, wo Wehrpflichtige mehrere Stunden lang bei eiskalten Temperaturen in leichter Kleidung auf einem windigen Flugplatz in Sibirien stehen mussten. Über 100 Rekruten erkrankten damals, ein junger Mann starb an Lungenentzündung.
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(ab/.rufo)
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