Mit dem Duell des Mönches mit dem Tatarenfürsten begann die Rettung Russlands und Europas (Gemälde, Tschalunin, 1945)
Mittwoch, 21.09.2005
Schlacht auf Schnepfenfeld rettet heute Russland
Moskau. Vor den Toren Moskaus tobt heute die Kostüm-Schlacht. Vor 650 Jahren wurden hier Russland und Europa gerettet, sagt Patriarch Alexi II.und erklärt die Schlacht auf dem Schnepfenfeld zum Fundament Russlands.
Auch Wladimir Putin wurde zur Gedenkfeier erwartet. Die Kreml-Administration nahm die Vorbereitungen unter die eigenen Fittiche. Aber dann ließ sich Putin doch durch wichtigere Staatsangelegenheiten von der Teilnahme am Schauspiel abhalten – schließlich hatte auch Zar Alexander II. schon bei der 500-Jahrfeier gefehlt.
Dennoch haben die Feierlichkeiten staatstragende Dimensionen. Im Mittelpunkt der ideologiestiftenden Veranstaltung steht die russisch-orthodoxe Kirche. Deren Oberhaupt, Patriach Alexi II. sagte in seiner Predigt, die Schlacht auf dem Schnepfenfeld habe den Gang der Geschichte geändert – und meldete zugleich den Anspruch der russisch-orthdoxen Kirche an, Fundament von Staat, Gesellschaft, Modernisierung und Identität in Russland zu sein
Fundament von Staat, Gesellschaft, Modernisierung und Identität in Russland
Exemplifiziert in der Interpretation der Schlacht auf dem Schnepfenfelde klingt dies in den Worten Alexi II. so – und kann durchaus auch teilweise auf die Gegenwart bezogen werden:
In der Schlacht gegen die Tataren retteten die Heere des Fürsten Dmitri Donskoi Russland und Europa. Die zerstrittenen Heerhaufen der russischen Fürsten waren in die Schlacht gezogen – zurück aus der siegreichen Schlacht kam das geeinte russische Volk. Die russisch-orthodoxe Kirche gab den Fürsten die seelische Kraft, den brudermörderischen Zwist zu beenden und den russischen Staat zu schaffen.
Das Gedenken an die Schlacht auf dem Schnepfenfelde (bei der jeder vierte der russischen Krieger getötet wurde) könne auch die Grundlage für das Aufblühen Russlands heute werden, hieß es in der Predigt des Patriarchen vor einigen Hundert Prominenten aus Politik und Kultur, die aus ganz Russland angereist waren.
Wie Geschichtsschreiber berichten, soll sich Fürst Donskoi, bevor er in die Schlacht zog, im nahen Dreifaltigkeitskloster von dem Heiligen Sergej Radoneschski den Segen Gottes geholt haben. Radoneschski gab Donskoi zwei seiner Mönche mit auf den Weg.
Mit dem tödlichen Zweikampf des Mönches Perezwet mit dem Tataren-Fürsten Tschelubej soll dann die entscheidende Schlacht begonnen haben, die Donskoi gewann. Er verhinderte mit strategischem und taktischen Geschick, dass die Tataren die Kraft ihrer Reiterscharen zur Entfaltung bringen konnten.
Allerdings: Wermut in die Feierlichkeiten giesst der Moskauer Historiker Anatoli Fomenko, das schwarze Schaf unter den russischen Geschichtswissenschaftlern.
Fand in Wirklichkeit die Schlacht am Kreml, beim Hotel Baltschug statt?
Fomenko, der die Theorie vertritt, dass die gesamte geschriebene Geschichte tatsächlich eine einzige gigantische Verfälschung und Verkrümmung der Wirklichkeit ist, behauptet, auch die Schlacht auf dem Schnepfenfelde habe in Wirklichkeit gar nicht im Gebiet Tula stattgefunden, sondern in einem Sumpfgebiet gegenüber des Moskauer Kremls. Dafür sprächen unter anderem auch die in den Berichten aus der Schlacht erwähnten Klöster- und Kirchennamen oder auch die Tatsache, dass es bis heute nicht gelang, die Gräber der Gefallenen auf dem Schnepfenfeld zu entdecken.
Zentrum des Schlachtfeldes wäre demnach, wenn man dem Historiker-Querkopf Fomenko glauben will, das heutige Hotel Kempinski-Baltschug, in dem meist der Kanzler und die Deutsche Wirtschaft übernachtet.
(gim/.rufo)
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