Als die Fragestunde um 12 Uhr Moskauer Zeit begann, ging auf Sachalin am Pazifik bereits die Sonne unter (Foto: www.newsru.com)
Dienstag, 27.09.2005
TV-Fragestunde: Putin antwortet dem Volk
Moskau. Über eine Million Russen haben am Dienstag versucht, ihrem Präsidenten eine Frage zu stellen oder über ihre Sorgen zu klagen. Knapp drei Stunden stand der Kreml-Chef der Nation Rede und Antwort.
Als die von beiden Staatskanälen live übertragene Sendung bereits begonnen hatte, wurde das Aufnahmezentrum teilweise von 250 Anfragen pro Sekunde bombardiert. Wie bei den vorhergehenden Sendungen gab es auch dieses Mal wieder Zuschaltungen aus ganz Russland von der Pazifikinsel Sachalin über das nördlich des Polarkreises gelegene Workuta bis nach Grosny in Tschetschenien.
Sogar in der lettischen Hauptstadt Riga hatte das Moskauer Fernsehen Leute rund um eine Kamera versammelt, die über die Schließung russischer Schulen und Schwierigkeiten klagten, Renten aus der Heimat zu erhalten. Die lettischen Behörden hatten die Live-Schaltung von einem Platz in der Rigaer Altstadt wegen angeblicher Sicherheitsbedenken verboten, so dass die Übertragung auf das Dach des russischen Kulturzentrums verlegt wurde.
In Workuta kam es am Rande der Übertragung zu einem Zwischenfall, als Sicherheitskräfte zwei Bürgerrechtler festnahmen, die versuchten, bis zur Kamera durchzudringen. Dem Vorsitzenden der örtlichen Renter-Bewegung wurden dabei von Wachleuten zwei Zähne ausgeschlagen, berichteten Internet-Medien.
Putin will nicht ewig im Kreml sitzen
Wie in bei den vorherigen Sendungen betraf erneut ein Großteil der handverlesenen Fragen soziale Probleme. Bürger klagten über das niedrige Kindergeld, Probleme auf dem Wohnungsmarkt und die hohe Zahl von Waisenkindern.
Sensationelle Erklärungen des Staatschefs gab es im Verlauf der dreistündigen TV-Audienz nicht. Putin lehnte die Idee ab, eine Volksabstimmung über seine dritte Amtszeit durchzuführen. Er wolle nicht „ewig im Kreml sitzen“ und auf „allen drei Kanälen meine Visage“ sehen, sagte er. So lange er im Amt sei, werde das Rentenalter in Russland nicht angehoben, versprach er. Das Kindergeld werde deutlich angehoben.
Die Überfälle auf ausländische Studenten verurteilte er ebenso wie die andauernden Entführungen in Tschetschenien. In der Kaukasus-Republik sei oft nicht klar, ob verkleidete Bandditen oder Mitarbeiter der Sicherheitsstrukturen für derartige Verbrechen verantwortlich seien, sagte er selbstkritisch.
Putin soll Versprechen einlösen
Wie in den vergangenen Jahren erhofften sich viele Fragesteller auch die Lösung ihrer ganz persönlichen Probleme. Bei der letzten derartigen Sendung Ende 2003 hatte sich etwa eine elfjährige Schülerin aus der fernöstlichen Stadt Birobidschan über das Aussehen der Neujahrstanne auf dem zentralen Platz der Stadt beschwert. Einige mitfühlende Worte des Präsidenten führten anschließend dazu, dass per Helikopter ein neuer Weihnachtsbaum in nach Birobidschan geflogen wurde. „Weihnachtsmann Wladimirowitsch“ hatte in diesem Zusammenhang die Moskauer Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“ über die TV-Fragestunde gespottet.
Aus dem Gebiet Stawropol erhielt Putin dann auch eine Beschwerde: Die Wasserleitung für ein Dorf in der Region, die er bei seiner letzten Zwiesprache mit dem Volk versprochen hatte, sei immer noch nicht gebaut. Putin erwiderte kaltblütig, die Papiere über eine weitere Amtszeit für den Gebietsgouverneur würden bereits fertig auf seinem Schreibtisch liegen. „Ich werde sie erst abschicken, wenn das Problem gelöst ist“, versprach er.
(kp/.rufo)
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)