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| Ramsan Kadyrow hat mehr Macht in Tschetschenien, als Moskau lieb ist (Foto: www.newsru.com) | |
Montag, 14.02.2005
Tschetschenien: Kadyrow will kein Kidnapper sein
Moskau. Ramsan Kadyrow, Sohn des ermordeten moskautreuen tschetschenischen Ex-Präsidenten Achmed Kadyrow, droht russischen Menschenrechtlern mit gerichtlicher Verfolgung. Die Menschenrechtsgesellschaft Memorial hatte ihm in ihrem jüngsten Lagebericht aus Tschetschenien vorgeworfen, Verwandte des Widerstandsführers Aslan Maschadow gekidnappt zu haben.
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Zwei Brüder, eine Schwester und fünf weitläufige Verwandte des nichtanerkannten Präsidenten der „tschetschenischen Republik Itschkeria“ Maschadow verschwanden spurlos im Dezember vorigen Jahres. Die Angehörigen der Entführten wandten sich an die Menschenrechtler und erstatteten auf deren Anraten Anzeige beim Generalstaatsanwalt Ruslands, Wladimir Ustinow. Als mutmaßliche Täter wurden Kadyrow jr. und dessen „tschetschenische Milizionäre“ genannt.
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Brief an Putin
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Ein gemeinsamer Brief der Moskauer Helsinki-Gruppe und der Internationalen Menschenrechstföderation an den russischen Präsidenten Wladimir Putin folgte. So genannte Kadyrow-Leute würden Angehörige von Widerstandskämpfern in Sippenhaft nehmen, kritisierten sie. „Wir sind über solche Methoden empört und bitten Sie, die Freilassung der Geiseln sicherzustellen“, hieß es in dem Brief. Kadyrow bezeichnete die Anschludigungen als „Verleumdung“. Menschenrechtler würden den Sepratisten Vorschub leisten.
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Faktisches Geständnis
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Memorial reagierte gelassen. „Unsere öffentlichen Erklärungen basieren auf konkretem Beweismaterial, das uns von Angehörigen der Vermissten übergeben wurde“, erklärte ein Sprecher der Organisation im inguschetischen Nasran. Indizien für diese Version sind allgemein bekannt. Kadyrow junior hatte bereits den Feldkommandeur Magomed Hambijew durch die Geiselnahme von dessen Verwandten zur Aufgabe gezwungen. Diesmal gab der mächtige Präsidenten-Sohn seine Verwicklung in die Affäre sogar faktisch zu. Seine Milizionäre hätten wohl ins Schwarze getroffen, weil sich „einzelne“ Menschenrechtler nun für die Betroffenen einsetzten.
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Heldentitel als Abschiedgeschenk
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Nach Meinung der Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ steht ein Zerwürfnis mit dem Kreml hinter Kadyrows hysterischer Reaktion. Putin habe ihn Ende Dezember mit dem Titel „Held Russlands“ ausgezeichnet und damit dezent zu verstehen gegeben, dass er seine Banden auflösen und sich aus der Politik zurückziehen soll. Ohne sichtbaren Anlass werden hohe Auszeichnungen in Russland nur als Abschiedsgeschenk verliehen. Sie soll den Scheidenden auch vor Übergriffen seiner bisherigen Verbündeten schützen.
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Will Kadyrow Putin trotzen?
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Ramsan Kadyrow muss wie jeder Kaukasier die Anspielung verstanden haben. Nur hat er offenbar keine Lust, auf das wertvollste Erbe seines Vaters zu verzichten, dessen Privatarmee, die jetzt als „Milizeinheiten“ firmiert. Der Heldentitel kann ihn nur vor dem Zugriff seiner moskautreuen Konkurrenten bewahren. Gegen Feinde beim tschetschenischen Widerstand helfen nur seine ihm mit Leib und Seele ergebenen Schlägertrupps.
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(adu/.rufo)
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