Mit Rentier und Luftballons wurde das Beeline-Servicecenter in Murmansk eingeweiht (Foto: Ballin/.rufo)
Mittwoch, 25.08.2004
Mobilfunkanbieter kämpfen um Norden von Russland
André Ballin, Murmansk. Im Nordwesten Russlands um die Millionenmetropole St. Petersburg führen die Mobilfunkbetreiber einen kompromisslosen Kampf um die Marktanteile. Der aus Petersburg stammende Anbieter Megafon, landesweit die Nummer drei, liegt in seiner Stammregion noch vorn. Doch die beiden größten Handybetreiber setzen auf aggressives Marketing, um den Rückstand aufzuholen.
In der Nordwestregion, die sich von Kaliningrad bis zur Republik Komi erstreckt, leben ca. 14 Mio. Menschen, ein Zehntel der russischen Gesamtbevölkerung. Ein lohnendes Ziel, vor allem weil außerhalb St. Petersburgs der Markt durchaus noch nicht gesättigt ist. Gerade einmal 30 Prozent der dortigen Bevölkerung haben ein Handy.
Knapp die Hälfte der Handybesitzer (46 Prozent) hat einen Megafonvertrag. Für den landesweit größten Betreiber MTS, an dem auch die Deutsche Telekom zu 25 Prozent beteiligt ist, hat sich etwa ein Drittel der Nutzer (34 Prozent) entschieden. Beeline, russlandweit die Nummer zwei, kam mit Verspätung auf den regionalen Markt und hat daher bislang nur etwa 15 Prozent der Handynutzer für sich gewinnen können.
Doch das Wachstum von Beeline ist rasant. Innerhalb eines halben Jahres konnte die Telefongesellschaft ihren Marktanteil um immerhin fünf Prozent ausbauen. Seit dieser Woche verkauft der Konzern seine Chipkarten auch in Murmansk, der äußersten Nordwestprovinz des Landes über dem Polarkreis. Mit extrem aggressivem Marketing will Beeline dort Klienten gewinnen.
So bietet der Handybetreiber allen Neukunden zwei Wochen kostenlose Telefongespräche innerhalb der Region an. Danach sollen bis zum Jahresende alle Anrufe innerhalb des Beeline-Netzes gerade einmal einen Cent pro Minute kosten. Da in Russland in der Regel Prepaid-Karten verkauft werden, ist ein Wechsel zu einem neuen Anbieter wesentlich leichter als bspw. in Deutschland, da der Kunde keine langfristigen Verträge kündigen muss.
Nikolai Prjanischnikow ist bei Beeline als Vize-Präsident für die Entwicklung der Regionen zuständig (Foto: Ballin/.rufo)
Vize-Präsident Nikolai Prjanischnikow glaubt dennoch, dass alle Beteiligten von dem harten Wettbewerb gewinnen werden: „In erster Linie haben die Kunden natürlich etwas davon, aber im Endeffekt gewinnen auch unsere Konkurrenten, weil sie gezwungen sind, ebenfalls aktiver zu arbeiten.“ Da der Markt noch nicht gesättigt sei, würden sie so ebenfalls neue Klienten gewinnen, argumentierte Prjanischnikow.
In Russland können Mobiltelefone eine günstige Alternative zum Haustelefon darstellen, da in abgelegenen Orten manchmal noch keine Telefonleitungen verlegt sind, während es schon Sendemasten für Mobilfunk gibt. Dennoch ist das Handy natürlich vor allem in Großstädten wie Moskau oder auch St. Petersburg als notwendiges oder schmückendes Requisit weit verbreitet. Etwa 70 Prozent aller Petersburger besitzen ein Handy. Die Vision der Mobilfunkanbieter besteht darin, nun auch das weite Umland der Fünfmillionenstadt auf dieses Niveau zu heben.
Allerdings behindern staatliche Regularien das Wachstum. Da der Nordwesten Russlands Grenzgebiet zur NATO ist, sind viele Militäreinheiten in der Region stationiert. Diese belegen einen Großteil der Frequenzen. Dennoch ist Prjanischnikow davon überzeugt, dass sich die Investitionen innerhalb von fünf bis sieben Jahren auszahlen. Bislang investierte Beeline umgerechnet über 113 Mio. Euro in den Ausbau seines Netzes in Nordwestrussland.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)