Wer die Kopeke nicht ehrt, ist des Euros nicht wert
St. Petersburg. Die russische Zentralbank hat Presseberichte dementiert, wonach sie Pläne zur Abschaffung der kleinsten Kopeken-Münzen hegen soll. Dabei beruft sie sich auf das Bankgesetz, wo geschrieben steht: „Ein Rubel besteht aus 100 Kopeken“. Also bleibt die Kopeke im Umlauf. Von der Dominanz des schwächelnden Dollars in den nationalen Devisenreserven will man dagegen abrücken.
Vize-Bankchef Oleg Wjugin hatte am Donnerstag auf einer Bankkonferenz im Föderationsrat erklärt, dass die Zentralbank eine Diversifikation ihrer Geldreserven vornehme: „Wir haben Ende letzten Jahres unsere Investitionsdirektiven in Hinblick auf eine Erhöhung des Anteils anderer Währungen geändert.“ Geldanlagen in Dollar seien gegenwärtig gegnüber anderen Valuta weniger einträglich, so Wjugin. Details der Neugewichtung nannte er aber nicht.
Die Aussagen des russischen Zentralbankers wurden mit als Grund dafür gewertet, dass der Kurs der US-Währung gegenüber dem Euro am Freitag auf den Weltmärkten einen neuen Tiefststand abrutschte. Doch das allein kann es wohl nicht gewesen sein: Am Montag ging der Höhenflug des Euro unvermittelt weiter. Er steht jetzt schon fast bei 1,09 Dollar. Da der Rubel-Kurs gegenüber dem Dollar – trotz dessen Wertverfalls weiterhin die inoffizielle Leitwährung in Russland – von der Zentralbank an der Börse seit November weitgehend stabil (etwa bei 31,80 Rubel) gehalten wird, gibt es zur Zeit Tag für Tag einige Kopeken mehr für jeden Euro: Für Dienstag wurde der „offizielle Kurs“ von der Zentralbank auf den neuen Höchststand von 34,44 Rubel pro Euro festgelegt.
Apropos Kopeken: Ein Verzicht auf die weitere Prägung der allerkleinsten Münzen hätte wohl eher symbolische als konkrete Auswirkungen: Die Zentralbank würde damit die Unumkehrbarkeit des Rubel-Verfalls durch die Inflation untermauern. Deshalb bleibt den Russen die Kopeke, auch wenn sie inzwischen nur noch drei Prozent eines Euro-Cents wert ist, wohl noch länger erhalten. Schließlich wurde sie ja auch erst 1998 bei der Rubel-Denomination im Verhältnis 1000:1 wieder eingeführt.
Eigentlich braucht aber schon heute fast niemand mehr die Ein- und Fünf-Kopeken-Münzen: Anders als in Deutschland, wo die 99 hinter dem Komma im Einzelhandel Fetisch-Charakter hat, bevorzugt man in Russland auf zehn Kopeken geglättete Preise. Bleiben abgewogene Waren und Rechungen für Telefon und Wohnungskosten, die in krummen Zahlen enden. Doch auch an den entsprechenden Einzahlungs-Schaltern liegen immer öfter von ihren Besitzern verächtlich zurückgelassene Wechselgeld-Kopeken: Mit Münzen, die scheinbar weniger wert sind als die Luft, die sie verdrängen, mag man sich das Portemonnaie nicht verstopfen.
An einer Petersburger Tankstelle haben die Kassendamen dagegen eine einfache Methode gefunden, wie sie sich und ihrer Kundschaft das mühsam-nichtige Kopekenzählen ersparen können: Auf der Theke steht ein Schüsselchen mit allerlei Kopeken und der Aufschrift: „Wechselgeld zur Selbstbedienung“.
(ld/rUFO)
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)