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Anna Markowa
Anna Markowa
Montag, 09.06.2003

Anna Markowa gräbt das Kriegsbeil aus

St. Petersburg. Der politische Frieden anlässlich des Stadtjubiläums musste, kaum hatte er begonnen, auch schon wieder das Zeitliche segnen. In Form eines fast skandalösen Auftritts vor der gesetzgebenden Versammlung erklärte Vizegouverneurin Anna Markowa die junge Petersburger Demokratie für hochgradig gefährdet und warf sich sofort selbst in die Bresche, um „das Werk Sobtschaks und Jakowlews“ zu retten.

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Markowas Auftritt war ein Donnerschlag aus heiterem Himmel, denn während der Feiern zum 300. Geburtstag von St. Petersburg und kurz danach hatte eitel Sonnenschein geherrscht zwischen den politischen Fronten. Valentina Matwijenko, Putins Bevollmächtigte in der Nordwest-Region, hatte der Petersburger Stadtregierung ausdrücklich gedankt für die Vorbereitung zum Jubiläum. Vizegouverneurin Anna Markowa hatte ihrerseits das freundlichste Lächeln aufgesetzt und erklärt: „Die Bevollmächtigte hat unseren Beitrag zur 300-Jahr-Feier gewürdigt.“

Doch das war nur die halbe Wahrheit, wie sich jetzt zeigt. Ihre Rede vor dem Petersburger Parlament musste sich Markowa mehr oder minder erzwingen, denn laut Tagesordnung hatte sie gar kein Recht dazu. Die Abgeordneten haben es aber sicher nicht bereut, der resoluten Dame aus dem Smolny das Mikrofon eingeschaltet zu haben. Was ihrem Munde entschlüpfte, war hochinteressant.

Die Vizegouverneurin bezeichnete die Gesetzgebende Versammlung als „letztes Bollwerk der Demokratie in St. Petersburg“ und rief diese auf, „die Wähler nicht zu betrügen“ und ehrlich zu bekennen, dass die anstehenden Gouverneurswahlen „keine freien“ sein würden. Seit zwei Monaten laufe der „Wahlkampf eines einzelnen Menschen“. Allen war klar, dass sie damit Valentina Matwijenko meinte, der konkrete Name fiel jedoch nicht.

Um die Demokratie in der Stadt zu retten, wolle Markowa „das Feuer auf sich lenken“: „Ich lege meine Karriere auf die Waage und mein materielles Wohlergehen“, erklärte sie den verblüfften Parlamentariern, „und stelle mich zu den Gouverneurs-Wahlen“. Wie heroisch dieser Schritt ist, zeigten die Worte von den Drohungen, die seit geraumer Zeit bei der Vizegouverneurin einträfen: „Mal verspricht man mir einen Verkehrsunfall, mal, dass ich unter eine Dampfwalze gerate.“

Gouverneur Jakowlew hielt sich zurück mit einem Kommentar zum Ausfall seiner Stellvertreterin. Er sagte lediglich, dass sei „eine emotionale Erklärung, hervorgerufen durch irgendwelche Prozesse im Zusammenhang mit dem Weggang des Gouverneurs“. Valentina Matwijenko drückte ihren Unmut etwas deutlicher aus: „Mir scheint, da haben bei jemandem die Nerven angefangen zu versagen. Das ist eine nicht besonders durchdachte und passende Aktion.“
(sb/.rufo)

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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

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