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Armeniens Präsident Robert Kotscharjan (foto: ORT-rufo)
Armeniens Präsident Robert Kotscharjan (foto: ORT-rufo)
Montag, 23.01.2006

Armenien statt Georgien Ziel der Pipeline-Bomben?

St. Petersburg. Saakaschwilis Unterstellung, der Kreml könnte eigene Infrastruktur zerstören, nur um Georgien zu schaden, wurde in Moskau zu Recht zurückgewiesen. Schon allein, weil das Gas nach Tiflis wieder fließt.


Jenseits der aufgeregten Polit-Statements hie und da des Kaukasuskammes verständigten sich Russland, Aserbaidschan und Georgien auf Ersatzlieferungen. Schon am Montag floss auf dem Umweg über Aserbaidschan wieder Gas nach Tiflis.

Geliefert werden sollen 2 Millionen Kubikmeter pro Tag – gegenüber 2,3 Millionen, die bislang direkt aus Russland kamen. Und schon am Dienstag sollte die Hauptleitung über den Kaukasus wieder einsatzbereit sein, hieß es an der Baustelle in den Bergen.

Damit ist der „Lieferstopp der Russen“ (wie manche westliche Agenturen das Vorkommnis aus perfekt georgisch-ukrainischer Perspektive bezeichneten), schon wieder aufgehoben – wobei unklar bleibt, wie Gazprom auch bei allem guten Willen Gas durch eine zerfetzte Pipeline hätte pumpen sollen.

Wladimir Putin erteilte Anweisung, die Lieferwege für Energie im Kaukasus unter besonderen Schutz zu stellen. Es sei nicht das erste Mal, dass dort Terroristen die Energie-Infrastruktur angegriffen hätten.

Ein seltsamer Anschlag für die islamische Kaukasus-Terrorszene


Bei Russland-Aktuell
• Putin: Gas für Georgien schnell liefern und absichern (23.01.2006)
• Georgien nach Pipeline-Explosionen ohne Gas (23.01.2006)
• Gasstreit: Moskau macht keine Geschenke mehr (27.12.2005)
• Gaspipeline von Russland in die Türkei eingeweiht (18.11.2005)
Der Umstand, dass durch die Anschläge in Russland keine einzige Lampe und kein einziger Ofen ausging, während der südliche Nachbar zwei Tage vor dem Energie-Blackout stand, passt allerdings nicht recht zur üblichen Schlagrichtung der islamistischen Kämpfer im Kaukasus.

Mehr Anlass zu antigeorgischen Aktionen hätten schon eher Separatisten aus den abtrünnigen georgischen Teilrepubliken Abchasien und Südossetien, die von Russland protegiert werden.

Gut möglich ist, dass routinierte Bombenleger – davon gibt es im unruhigen Kaukasus mehr als genug – einen Lohnauftrag erfüllten. „Ich bin mir sicher, dass leider wichtige russische Kräfte - inklusive der Geheimdienste - ein Interesse daran haben, die Lage zu destabilisieren", meinte die georgische Parlamentspräsidentin Nino Burdschanadse.

Armenien muss über russische Gaslieferungen noch verhandeln


Wenn ein Hintergrund auf Ebene politischer Intrigen gesucht werden soll, dann könnte er sogar weniger mit dem pro-westlichen Georgien als mit Armenien zu tun haben: Das Land, das als engster russischer Verbündeter im Kaukasus gilt, steht gegenwärtig mit Russland in harten Verhandlungen um den Preis zukünftiger Gaslieferungen.

Wie auch in anderen GUS-Republiken versucht Gazprom, als Gegenleistung zu „Freundschaftspreisen“ die Erdgasinfrastruktur des kleinen Landes unter seine Kontrolle zu bekommen. Besonders gilt dies für eine Gas-Pipeline aus dem Iran nach Armenien, die in diesem Jahr in Betrieb gehen soll. Sie könnte theoretisch auch nach Georgien verlängert werden und – unter Umgehung Russlands - über die Ukraine nach Westeuropa führen.

Anschlag war auf Kotscharjan-Besuch getimt


Just am Sonntag kam Armeniens Präsident Robert Kotscharjan zu einem Besuch nach Moskau – unter anderem, um diese Fragen zu erörtern. „Der Sabotageakt könnte Kotscharjan gesprächsbereiter machen“, mutmaßt die Moskauer Zeitung „Kommersant“.

Dies vor allem, wenn man bedenkt, dass das mit Armenien seit dem Karabach-Krieg verfeindete Aserbaidschan sicher größten Wert darauf legt, dass das bis zur Reparatur der gesprengten Pipelines nach Georgien gepumpte Gas nur dort verbraucht wird – und nicht zum Erbfeind in Richtung Jeriwan weitergeleitet wird.

(-ld/.rufo)


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