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Andrej Lugowoi sieht Beresowski als Hintermann des Litwinenko-Mordes (foto: newsru)
Andrej Lugowoi sieht Beresowski als Hintermann des Litwinenko-Mordes (foto: newsru)
Donnerstag, 31.05.2007

Lugowoi: Beresowski und Litwinenko britische Agenten

Moskau. Der vergiftete Alexander Litwinenko und Exil-Oligarch Boris Beresowski standen im Dienst des britischen Geheimdienstes MI-6. Dies behauptet der von London per Haftbefehl als Mittäter gesuchte Andrej Lugowoj.

Lugowoi gab heute in Moskau eine Pressekonferenz, bei der er seine schon lange angekündigte eigene Version vom mysteriösen Gift-Tods des früheren russischen FSB-Agenten Alexander Litwinenko in London darlegen wollte. Das Interesse dafür war gewaltig: Allein 28 Fernsehteams zeichneten auf, was Lugowoi und sein Freund, der ebenfalls in den Fall verwickelte Dmitri Kowtun, zu sagen hatten.

Den britischen Behörden gilt der ehemalige Geheimdienstler und heutige Chef einer Sicherheitsfirma als wahrscheinlicher Mittäter in dem Fall. Lugowois Auslieferung wurde deshalb beantragt. Doch da die russische Verfassung die Auslieferung eigener Staatsbürger verbietet, kann sich Lugowoi in Russland sicher fühlen – solange nicht aus England stichhaltige Beweise gegen ihn vorgelegt werden.

Scotland Yard wolle ihn zum Sündenbock in dem Fall machen, erklärte Lugowoi. Dies geschehe einerseits, um von den wahren Tätern abzulenken und andererseits, weil er eine Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst abgelehnt habe. Der wollte ihn nutzen, um kompromittierendes Material über Präsident Putin zu sammeln, so Lugowoi.

Lugowoi: Beresowski arbeitete schon unter Jelzin für die Briten



Bei Russland-Aktuell
• Litwinenko-Mord: Lugowoi nennt drei Versionen (31.05.2007)
• Russland erneuert Mordvorwürfe gegen Exil-Oligarchen (23.05.2007)
• Briten halten Lugowoj für Mörder von Litwinenko (22.05.2007)
• Litwinenko: Beresowski antwortet Staatsanwalt (02.05.2007)
• Staatsanwalt: Beresowski will Putsch gegen Putin (13.04.2007)
„Die Hauptrolle in dieser finsteren politischen Geschichte spielten britische Geheimdienste und ihre Agenten Beresowski und der inzwischen verstorbene Litwinenko“, so Lugowoi wörtlich. Beide hätten nach ihrer schon in den 90er Jahren erfolgten Anwerbung – und der Übergabe von Dokumenten des russischen Sicherheitsrates durch seinen damaligen Sekretär Beresowski – keine Schwierigkeiten gehabt, in Großbritannien Asyl zu finden.

Im Vorfeld des Polonium-Mordes hätte der britische MI-6 auch Lugowoi umworben. Er solle beliebiges belastendes Material gegen Waldimir Putin und dessen Familienangehörigen sammeln. Die britischen Agenten hätten zudem versucht, einen hochrangigen russischen Beamten mit Schwarzgeldkonten zu erpressen, ihnen ebenfalls Inforamtionen über Putin zu liefern. Wer dieser Beamte ist, werde er nur russischen Ermittlern sagen, so Lugowoi.

Lugowoi will die britischen Angebote aber ausgeschlagen haben – nicht weil er ein besonderer Putin-Freund sei, sondern weil man ihm beigebracht habe, sein Land nicht zu verrraten.

Hinter dem Mord an Litwinenko vermute er mit größter Wahrscheinlichkeit „den herausragenden Meister der politischen Intrige“ Boris Beresowski, sagte Lugowoi. Wie auch sein Freund und Schicksalsgenosse Kowtun stützte er sich dabei in erster Linie auf angebliche Aussagen Litwinenkos selbst, den er aus geschäftlichen Gründen mehrfach getroffen hatte. Der Wahrheitsgehalt dieser Darstellungen ist nach Litwinenkos Tod natürlich nicht mehr überprüfbar.

Drei Versionen für die Täterschaft



Laut Lugowoi und Kowtun hätte Litwinenko geklagt, dass Beresowski ihm sein Gehalt auf ein Drittel gekürzt habe. Auch von seinen britischen Auftraggeber beim Geheimdienst sei Litwinenko zunehmend enttäuscht gewesen, da sie seine Fähigkeiten nicht angemessen honorierten. Als Agent, „der außer Kontrolle zu geraten drohte“, habe man Litwinenko auf die Seite geräumt ,– oder dies andere daran interessierte Kreise unter Geheimdienstdeckung machen lassen, mutmaßte Lugowoi.

Dafür kämen russische Mafiagruppen in Spanien in Frage: Dieser Version zufolge soll Litwinenko der spanischen Polizei geholfen haben, Sachar Kalaschow ("Schakro der Jüngere") festzunehmen. Aus Rache habe ihn die spanische Russenmafia dann möglicherweise getötet, so Lugowoi.

Arbeitete Litwinenko gleichzeitig für und gegen Beresowski?



Für Beresowski als eigentlichen Hintermann des Mordes spreche, das Litwinenko Kowtun mitgeteilt habe, dass er belastetendes Material über kriminelle Machenschaften Beresowskis während seiner Zeit in England gesammelt habe. Wenn die russische Seite Interesse an dessen Veröffentlichung habe, könnte sie damit leicht dafür sorgen, dass Beresowski das Aufenthaltsrecht in Großbritannien verliere. Andererseits könne man damit Beresowski um einige Millionen Dollar erpressen, habe Litwinenko bei einem gemeinsamen Essen mit Kowtun gesagt.

Lugowoi: Polonium-Spuren waren absichtlich gelegt



Bei Russland-Aktuell
• Fall Litwinenko: Kowtun bekommt keine Straffreiheit (11.04.2007)
• Litwinenko-Mord: Anschlag auf Beresowski vorgetäuscht (02.04.2007)
• Litwinenko-Bekannter in den USA erschossen (03.03.2007)
• Wollten Kollegen Litwinenko als Verräter liquidieren? (08.02.2007)
• Beresowski redet: Litwinenko beschuldigte Lugowoj (06.02.2007)
Darüber hinaus äußerte Lugowoj den Verdacht, dass er und Kowtun schon zuvor vom britischen Geheimdienst absichtlich mit Polonium „markiert“ worden sei, „um in dem heraufziehenden politischen Skandal benutzt zu werden“. Dafür spreche, dass Polonium an jenen Orten festgestellt worden sei, wo er sich mit Litwinenko im Oktober traf – einen Monat vor der auf den 1. November rückdatierten tödlichen Vergiftung Litwinenkos. Auch die Flugzeuge, mit denen er und Kowtun im Oktober aus England abreisten, hätten Poloniumspuren aufgewiesen.

Aus Lugowois Aussagen kann man entnehmen, dass die „Markierung“ der beiden Russen angeblich von Litwinenko selbst mitbetrieben wurde: Im Sommer habe er begonnen, Lugowoi allerlei kleine Geschenke zu machen. Sie hätten sich bei einer späteren Überprüfung als Polonium-belastet erwiesen.

Als Hauptargument gegen seine Mittäterschaft führte Lugowoi an, dass auch seine Familie Belastungen durch das hochgiftige Element erlitten hätte, was er um keinen Preis zugelassen hätte: „Was für ein Unhold muss man sein, um das Leben von Frau und Kindern in Gefahr zu bringen?“ fragte er.

Lugowoi erklärte, dass er aufgrund der Beschuldigungen im Fall Litwinenko bereits 25 Millione Dollar geschäftlicher Verluste erlitten habe. Er sei aber bereit, noch weiteres Geld zu investieren, um seinen Namen zu rehabilitieren. Dafür werde er in Kürze namhafte britische Juristen engagieren. Den britischen Behörden werde er sich aber nicht stellen: „Um ihr Gesicht zu wahren, werden die mich so oder so verurteilen“.

Reaktionen: Spionage-Krimi statt ernsthafter Aufklärung



Das britische Außenministerium wies in einer ersten Stellungnahme daraufhin, dass es sich beim Fall Litwinenko um einen Kriminalfall und nicht um eine Spionagegeschichte handele. Man erwarte auf das Auslieferungsbegehren in Sachen Lugowoj eine „offizielle und konstruktive Antwort“.

Boris Beresowski konterte Lugowois Vorwürfe mit den Worten, er habe zum britischen Nachrichtendienst keinerlei Beziehungen. Lugowois Thesen seien in Wahrheit Verlautbarungen des Kreml. „Es ist offensichtlich, dass die Kampagne, die Russland um die Ermordung von Alexander Litwinenko führt, eine staatliche Lügenkampagne ist“, so Beresowski.

Der Schriftsteller Michail Ljubimow, ein Veteran der sowjetischen Auslandsspionage, sagte, dass er die Darstellungen von Lugowoi nicht für voll nehmen würde. Sie klängen zwar plausibel, „aber derartiges kann man in jedem Kriminalroman nachlesen“, zitiert ihn die Agentur Interfax. „Lugowoj wie auch Litwinenko, das ist so ein Pack, das man nie ernst nehmen darf.“
(ld/rufo/St.Petersburg)


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