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Sein Geschäftsimperium bröckelte - da wurde Amiran Georgadse zum Killer (Foto: MVD)
Sein Geschäftsimperium bröckelte - da wurde Amiran Georgadse zum Killer (Foto: MVD)
Dienstag, 20.10.2015

Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden

Moskau. Szenen wie aus einem Vorabendkrimi: Ein bis dato erfolgreicher Bauunternehmer erschießt kaltblütig einen Beamten, zwei Geschäftspartner und ein Passanten. Nun ist er – noch bewaffnet – auf der Flucht.

Amiran Georgadse war in Krasnogorsk, einer Stadt im prestigeträchtigen Westen des Moskauer Speckgürtels, eine geachtete Figur: Seit den 1990er Jahren hatte der solide auftretende Bauunternehmer reihenweise Geschäftsgebäude und Wohnkomplexe hochgezogen.

Aktuell arbeiteten seine Firmen an drei Bauprojekten im Gesamtvolumen von umgerechnet 50 Mio. Er saß im Vorstand des Unternehmerverbands und der Landkreis-Organisation der Kreml-Hauspartei „Einiges Russland“ und machte der Kirche großzügige Spenden. Doch jetzt läuft eine Großfahndung nach ihm: Nach vier kaltblütigen Morden ist der gut vernetzte Geschäftsmann auf der Flucht.

Gute Geschäfte - dank Filz


Der graumelierte 56jährige gebürtige Georgier pflegte beste Beziehungen zu den lokalen Funktionären. So verwunderte es auch niemanden, als Georgadse am Montag Mittag im Krasnogorsker Landratsamt im Büro des ersten Vizelandrats Juri Karaulow vorbeischaute. Die beiden galten als gute Freunde, nicht nur, weil der Beamte dem lokalen Volleyballclub vorstand und der Bauunternehmer dessen Hauptsponsor war. Auch sonst, berichtet die russische Presse, sollen die beiden über Jahre Hand in Hand gearbeitet haben. Georgadses Bau-Imperium gereichte das offenbar nicht zum Nachteil – bis vor kurzem jedenfalls.

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Zu dem Gespräch wurde auch noch ein weiterer Geschäftspartner hinzugeholt – der Leiter des Stromversorgers des Landkreises, ein Unternehmen, bei dem Georgadse mit im Vorstand saß. Auch den Chef der Kreisverwaltung wollte Georgadse sehen, dieser war aber außer Haus.

In freundlicher Eintracht verlief die Unterredung allerdings nicht – wie es heißt, hätten die lokalen Behörden in letzter Zeit begonnen, Georgadses Bauprojekte eher auszubremsen als wie bisher zu protegieren. Ein Unternehmen aus der Firmengruppe des lokalen Oligarchen war just am Morgen für bankrott erklärt worden.

Massaker in der Amtsstube


In der Amtsstube wurde es laut. Der Unternehmer soll von den Beamten 20 Millionen Dollar Kompensation für seinen Rückzug aus den gemeinsamen Geschäften gefordert haben, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf eine Quelle in Ermittlerkreisen. Schließlich ließ sich Georgadse von seinem Chauffeur eine auffällig große Tasche bringen, berichtete eine Sekretärin. Kurz darauf fielen in dem Büro Schüsse: Ein Gewehr hatte offenbar Ladehemmung – weshalb der Unternehmer seine Bekannten aus einer Pistole mit Schalldämpfer niederschoss.

Beide starben noch am Tatort. Der Fahrer soll die Morde auf Bitte seines Chefs mit einem Telefon gefilmt haben, heißt es. Der Hauptzeuge befindet sich seit Dienstag in Polizeigewahrsam. Nachdem Georgadse kurz darauf noch einen Mord beging, beschloss der Fahrer, sich abzusetzen und zu stellen.

Zwei weitere Opfer am gleichen Tag


Nach dem Doppelmord im Landratsamt waren die beiden Männer mit einem schwarzen Range Rover offenbar schnurstracks zum Haus des Landrats gefahren, trafen ihn jedoch erneut nicht an. Doch hier erschoss der Unternehmer den zufällig vorbeikommenden Fahrer eines Motorrollers.

Die Leiche eines vierten Opfers wurde bei einer Durchsuchung der Villa von Georgadse gefunden: Es handelt sich um einen Geschäftspartner, der dem Baulöwen angeblich 400.000 Dollar schuldete. Vermutlich war er bereits vor der Fahrt zum Landratsamt umgebracht worden.

Wo sich der schießwütige Baulöwe aufhält, ist unklar. Die beiden Tatwaffen hat er möglicherweise noch bei sich. Bislang wurde nur das erste Fluchtfahrzeug sicher gestellt. Doch die Polizei nannte zehn verschiedene Autos, mit denen der Flüchtige nun eventuell unterwegs ist, darunter drei Spitzenklasse-Mercedes. „Er ist gefährlich wie eine in die Ecke getriebene Bestie, womöglich sucht er sich ein neues Opfer“, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Unterdessen beschlagnahmen Ermittler in den Amtsstuben und in den Büros der Firmen des Gesuchten reihenweise Dokumente, um die Verflechtungen zwischen Behörden, Kommunalbetrieben und Georgadses Businessimperium offenzulegen.

Auch die Partei „Einiges Russland“ reagierte schnell: Sie schloss den Mordverdächtigen bereits aus ihren Reihen aus.



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