Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
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Wessen Raketen trafen dies Krankenhaus bei Iglib in Syrien (Foto: Newsru)
Wessen Raketen trafen dies Krankenhaus bei Iglib in Syrien (Foto: Newsru)
Montag, 15.02.2016
Aktualisiert 16.02.2016 23:09

Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut

Es wäre hilfreich, sagt Angela Merkel, wenn es in Syrien eine Flugverbotszone gäbe, in der keine der Kriegsparteien Angriffe flöge. Als würde das den Flüchtlingsstrom bremsen. Das Gegenteil wäre der Fall. Es wäre ein Schritt zu einem noch grösseren Krieg im Nahen Osten.

In den letzten Wochen ist sich kaum ein Westmedium zu schade, wieder einmal Putin zum Schuldigen zu erklären, ohne auch nur einen einzigen klaren Beleg dafür vorzulegen. Der Einsatz der russischen Luftwaffe an der Seite der syrischen Regierungstruppen sei der Grund für die Massenflucht, wird behauptet. "Wir waren geschockt von den russischen Luftangriffen", intonierte auch Merkel - ausgerechnet in Ankara.

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• USA dementieren russischen Vorwurf, Aleppo zu bombardieren (11.02.2016)
Damit - und mit dem Vorschlag der Flugverbotszone - wird die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Denn die Massenflucht aus dem Nahen Osten und Nordafrika setzte ja doch schon lange vor dem Beginn des russischen Lufteinsatzes in Syrien - nämlich dem Herbst 2015 - ein.

Grund für die neue Völkerwanderung sind Krieg und Chaos in der Levante und dem Magreb, die von der US-geführten atlantischen Koalition angestiftet wurden. Bis zum sogenannten arabischen Frühling waren Libyen oder Syrien recht stabile Staaten, in der es sich ziemlich gut leben liess.

Die Wirtschaft entwickelte sich, es gab Fortschritte bei der Gleichberechtigung der Frauen. Oberst Ghadaffi organisierte riesige Bewässerungsprojekte in der Wüste, wollte mit seinen Ölreserven eine afrikanische Gemeinschaftswährung schaffen ...

Mit Hilfe von französischen, britischen und amerikanischen Bombern in der "Flugverbotszone" in Libyen wurde aber der arabische Frühling erst richtig in Gang gebracht - während die US-Verbündeten Saudi-Arabien, Quatar und Türkei im Irak und in Syrien die Grundlagen für den "Islamischen Staat" legten.

Das Chaos in Nordafrika, die Massaker an den irakischen Kurden und Jesiden, den syrischen Drusen, Christen, Schiiten und Aleviten lösten die Fluchtwelle aus - lange vor dem ersten Einsatz russischer Kampfflugzeuge.

Merkels Flugverbotszone wäre der Einstieg in den grossen Krieg


Würde der "Westen" nach Merkels Idee, die eigentlich von Erdogan stammt, eine Flugverbotszone im Norden Syriens einrichten wollen, würde aus irgendeinem Grund Putin dem ohne weitere Gegenwehr auch noch zustimmen, würde dies die schlimmen Kämpfe in der Region nur noch verlängern und die Flüchtlingsströme nur noch anwachsen lassen.

Verwirrung und Dementis
Im Laufe des 15. und 16.Februar tauchten zahlreiche Versionen auf, was das Krankenhaus bei Idlib zerstört haben könnte. Auch die Ärzte-ohne-Grenzen beharrten nicht darauf, dass es russische Kampfflugzeuge oder auch überhaupt Luft-Boden-Raketen gewesen seien. Es könnte sich auch um Boden-Boden-Raketen gehandelt haben (die also auch von den Islamisten abgefeuert worden sein könnten). Ein Sprecher des russischen Generalstabs erklärte am 16.2., russische Kampfflugzeuge seien definitiv nicht beteiligt gewesen. Verdächtig sei, dass erste Berichte über den Angriff auf Hospital und Schule bei Aasas bereits am 10.Februar in türkischen Medien auftauchten.
Zumal ja auch das türkische Militär in den vergangenen Tagen immer wieder kurdische Stellungen auf syrischem Staatsgebiet beschiesst und dabei auch Zivilisten trifft. Insgesamt sollen bis gestern 100 türkische Artilleriesalven abgefeuert worden sein.

Die Raketen, die heute Krankenhaus und eine Schule bei der Stadt Aasas trafen, die in der Nähe der türkischen Grenze liegt, könnten ebenfalls aus der Türkei stammen.

Das Krankenhaus der "Ärzte-ohne-Grenzen" in der Nähe von Idlib sei von US-Kampfflugzeugen getroffen, sagt der syrische Moskau-Botschafter, allerdings auch ohne jegliche Beweise.

Russland wollte seit langem militärische Koordination mit der US-geführten Koalition


Seit Herbst 2015 hatte der russische Generalstab immer wieder der Nato und den USA vorgeschlagen, die Einsätze der Kampfflugzeuge und deren Ziele täglich und stündlich immer wieder abzustimmen, die Liste der Terrororganisationen abzugleichen und die Karten offenzulegen.

Washington zeigte die kalte Schulter. Rund um die Münchener Sicherheitskonferenz wurde dies dann aber doch am vergangenen Wochenende mit den USA vereinbart, aber dazu kam es dann nicht mehr.

Sollte es zu dem bereits offen angekündigten Einsatz von Bodentruppen der Türkei und Saudi-Arabiens in Syrien kommen (ausgerechnet der Staaten, die die islamistischen Halsabschneider gesponsort haben), dann liesse sich der Flächenbrand des Krieges wohl auch nicht mehr auf den Nahen Osten begrenzen. Auch der schiitische Iran wäre direkt beteiligt.

Und in Moskau erklärt heute der Ex-FSB-Chef Nikolai Kowaljow, türkische oder saudische Interventionstruppen könnten durchaus auch von russischen Flugzeugen angegriffen werden, wenn die syrische Regierung darum bittet.

Im Russischen liesse sich die Situation dann nur noch mit sehr prägnanten, aber auch sehr unflätigen Mutterflüchen kommentieren.



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h.g.k 16.02.2016 - 11:16

Das neue Märchen !

Ei sehr guter Bericht ! Dem kann ich mich nur anschließen .


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