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Irina Tjorkina. Foto: www.ipc-spb.ru
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Dienstag, 24.06.2003

Den Gouverneursknopf abgedreht

St. Petersburg. Nun fällt auch das letzte Bollwerk der Pro-Jakowlew-Kräfte in St. Petersburg – die Generaldirektorin des Fernsehsenders „TRK Peterburg“, Irina Tjorkina, erklärte ihren Rücktritt. Ihren Sessel überließ sie Igor Ignatjew, dem bisherigen stellvertretenden Direktor der lokalen Filiale des Senders „Rossija“ An dessen Präsidententreue ist nicht im mindesten zu zweifeln. Und darauf kommt es im Moment – im Vorfeld der Gouverneurswahl – ganz besonders an.

„TRK Peterburg“ war so etwas wie der Haussender der Herren im Smolny, Irina Tjorkina Jakowlews inoffizielle zweite Pressesprecherin. Als Gegenspieler und Präsidenten-Sprachrohr machte sich der zweite Kanal „Rossija“ stark. Besonders im Vorfeld des Stadtjubiläums lieferten sich die beiden ideologischen Gegner so manches Gefecht.

Dazwischen stand der örtliche NTV-Ableger, dem die versuchte Neutralität jedoch auch nichts als Ärger bescherte – vor zwei Wochen musste der Chefredakteur der Lokalnachrichten, Andrej Radin, seinen Hut nehmen. Es wird gemunkelt, dass dies auf Initiative von Putins Stellvertreterin in der Nordwest-Region, Valentina Matwijenko, geschah.

Radin hatte sich u.a. daran versündigt, dass er Vizegouverneurin Anna Markowa zu viel Sendezeit widmete. Die Wunschnachfolgerin von Ex-Gouverneur Wladimir Jakowlew ist Matwijenkos schärfste Konkurrentin im Kampf um den Gouverneursposten in St. Petersburg. Vorausgesetzt, Matwijenko wird kandidieren. Ihr Zögern mit dem Entschluss, sich zur Wahl zu stellen, könnte ebenso bedeuten, dass im letzten Moment ein anderer kremltreuer Kandidat in die Bresche geworfen wird.

Ignatjew wird sich in erster Linie darum kümmern, dass seinem Kanal die Sendelizenz verlängert wird. Diese läuft am 20. Juli ab. Der Konflikt um die Lizenz hat ebenfalls handfeste politische Hintergründe. Nach Informationen der Tageszeitung „Kommersant“ hatte das Presseministerium den völligen Wechsel des führenden Managements von „TRK Peterburg“ gefordert. Erst dann sei eine Lizenzverlängerung möglich.

Dieser Forderung kommt der Sender jetzt nach. Nach zwei Gesprächen mit Presseminister Michail Lessin erklärte Irina Tjorkina am Freitag letzter Woche ihren Rücktritt, den sie folgendermaßen kommentierte: „Die Logik sagt mir, dass ich genau so zu handeln habe.“ Ignatjew drückte sich deutlicher aus: „Der Kanal hat viel zu lange nicht schöpferisch genug gearbeitet, sondern die Ideologie bedient.“

Ob die Ideologie allerdings in Zukunft eine geringere Rolle spielen wird, kann angezweifelt werden. Nur wird sie sich um 180 Grad drehen. Statt Jakowlews Mannschaft in den Himmel zu loben, wird nun Matwijenko und ihre Crew ins „rechte“ Licht gerückt werden. Im Vorfeld der Gouverneurswahlen verlieren die Gegner einer allzu kremltreuen Stadtpolitik mit dem lokalen Fernsehsender auch ihr letztes ernstzunehmendes Bollwerk.

Die Entwicklung spiegelt auf frappante Weise die Ereignisse auf föderaler Ebene wider. Mit der gerade erfolgten Abschaltung von TVS wird in Moskau ein weiterer Kanal auf Linie gebracht. Petersburg kopiert lediglich den landesweiten Trend hin zu Putin-treuen Medien.
(sb/rufo)

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