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V. Matwijenko (Foto: Djatschkow/.rufo)
V. Matwijenko (Foto: Djatschkow/.rufo)
Mittwoch, 25.06.2003

Valentina Matwijenko stellt sich zur Wahl

St. Petersburg. Am Dienstag erklärte Putins Stellvertreterin in der Nordwest-Region, Valentina Matwijenko, sie werde sich zur Gouverneurswahl stellen. Schon seit geraumer Zeit hatte halb Petersburg auf diese Entscheidung gelauert, aber Ort und Zeitpunkt waren dann doch eine Überraschung – Matwijenko wählte für ihren historischen Auftritt die Verleihung der Gold- und Silbermedaillen an die diesjährigen Schulabgänger.

Die entscheidenden Worte fielen dabei nicht auf der Bühne des Konzertsaals „Oktjabrski“, wo die Zeremonie vonstatten ging, sondern schon vorher auf der Straße, wo die Präsidenten-Statthalterin Smalltalk mit den Schulabsolventen hielt. Auf die Frage eines Fernsehjournalisten, ob sie sich zur Wahl stellen wolle, antwortete Matwijenko nicht mit dem bereits zur Gewohnheit gewordenen „Üben Sie sich in Geduld“, sondern sagte: „Ja, ich werde bei der Gouverneurswahl kandidieren – das ist meine bewusste, feste und endgültige Entscheidung.“

Matwijenko hatte sich lange geziert, mit der Wahrheit an den Tag zu treten. Obwohl sie keine Gelegenheit ausließ, ihr Interesse an den dringenden Nöten der Stadt zu bekunden, als sei sie längst Gouverneurin, wich sie einer Entscheidung zur Kandidatur immer wieder aus. Sie wolle erst ihren Beliebtheitsgrad bei der Bevölkerung untersuchen, war eins der Argumente für die Zurückhaltung. Und – bevor der Wahltag nicht festgelegt ist und der Wahlkampf offiziell begonnen hat, würde es keine Entscheidung geben.

Die ist nun aber doch gefallen. Sogleich ertönten von allen Seiten Stimmen der Unterstützung. Sergej Mironow, Vorsitzender des Föderationsrats, ließ verlauten, er werde Matwijenko bei der Wahl zum Gouverneur der nördlichen Hauptstadt „maximal unterstützen“. Wadim Tjulpanow, Speaker des Petersburger Stadtparlaments, sicherte ihr die vollste Unterstützung seines Gremiums zu. Viktor Pleskatschewski, Abgeordneter der Staatsduma, gibt mit den Worten „Alle haben gewartet, dass das passiert“ die schon seit geraumer Zeit in der Stadt herrschende Stimmung wieder.

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Selbst Wladimir Jakowlew, Petersburgs gerade zurückgetretener Ex-Gouverneur, ist inzwischen der Meinung, dass Matwijenko bei der anstehenden Wahl keine ernsthaften Konkurrenten haben werde. In einem Interview für den Fernsehsender „NTV Sankt Peterburg“ ließ er am Dienstag Abend gar die Vermutung fallen, Vize-Gouverneurin Anna Markowa (vor einem Monat noch seine Wunschnachfolgerin) würde in dieser Situation ihre Kandidatur zurückziehen.

Der amtierende Gouverneur, Alexander Beglow, hieb am Mittwoch in die gleiche Kerbe. Er werde auf keinen Fall für den Gouverneursposten kandidieren, erklärte er der Presse im Smolny. In der jetzigen Regierungsmannschaft sähe er keine starken Politiker, die in der Lage seien, die Probleme der Stadt auf föderaler Ebene zu lösen. Deshalb rechne er auf die Hilfe der Präsidenten-Bevollmächtigten Valentina Matwijenko.

Der Smolny hat also endgültig die weiße Fahne gehisst. Sieg auf der ganzen Linie für die Moskau-treue Fraktion. Fragt sich nur, wer denn gegen die allmächtige Matwijenko antreten soll – und sei es nur, um den Schein zu wahren und den Petersburgern zu suggerieren, sie hätten wirklich die Chance zur Wahl einer Alternative.

(sb/rufo)

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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

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