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Der Sitz der Gebietsregierung gegenüber vom Smolny. Foto: Deeg
Der Sitz der Gebietsregierung gegenüber vom Smolny. Foto: Deeg
Montag, 07.07.2003

Gouverneur-2003: Viele Zwerge gegen einen Riesen

St. Petersburg. Seit dem 2. Juli nehmen die Wahlkommissionen in St. Petersburg und im Leningrader Gebiet Anmeldungen von Kandidaten für die Wahl zum Gouverneur des jeweiligen Subjekts der Föderation entgegen. Während im Leningrader Gebiet höchstwahrscheinlich der Ex- und der amtierende Gouverneur aufeinandertreffen werden, scheint die Wahl in der Newa-Metropole ein Kampf zu werden zwischen einer Handvoll Zwerge und dem unschlagbaren Riesen.

Wäre es die Zahl der Anmeldungen um den hohen Posten im Petersburger Smolny allein, könnte die am 21. September anstehende Wahl als rekordverdächtig eingeschätzt werden. Guckt man allerdings näher hin, dann haben acht Kandidaten eh keine Chance, etwas gegen den neunten, oder besser: die neunte auszurichten. An der einsamen Spitze steht Valentina Matwijenko, und alle anderen sind nur schmückendes Beiwerk.

Ein paar völlig unbekannte Größen sind dabei, die von der Lokalzeitung „Smena“ den Kommentar verpasst bekamen, es lohne sich nicht einmal, sie namentlich zu erwähnen. Zu den bekannteren Politikern, die in den Ring steigen wollen, gehört Sergej Beljajew. Der gebürtige Petersburger war ehemals Leiter des Staatlichen Eigentumskomitees, eine der Führungsfiguren der Partei NDR sowie Generaldirektor des Moskauer Flughafens „Scheremetjeow 2“. In der Stadt hat man ihn inzwischen aber so gut wie vergessen. Er und noch ein paar andere Kandidaten sehen den Wahlkampf dann wohl auch mehr als Sprungbrett zum bevorstehenden Rennen um einen Platz in der Staatsduma an.

Ein wenig frischen Wind bringt Alexander Gabitow, der ehemalige Schwiegersohn von Duma-Speaker Gennadi Selesnjow, in die bisher so dröge Kampagne. Jedenfalls will er das Volk aus dem Sommerschlaf holen – etwa mit solchen Initiativen wie der Wiederholung der Jubiläumsfeiern kurz vor der Wahl, nur diesmal richtig volksnah und mit Wladimir Putin als einzigem hohen Gast. Das nimmt natürlich keiner ernst. Worauf es wohl hinausläuft, ist das Ansinnen, Boden zu gewinnen für eine Kandidatur zu den Dumawahlen im Dezember. Brisant wird Gabitows Auftreten dadurch, dass er im 209. Wahlkreis gegen seinen ehemaligen Schwiegervater und Irina Chakamada antreten will.

Ein stadtbekannter Akteur hat indessen wieder einen Rückzieher gemacht. Konstantin Sewenard, Sohn des jahrzehntelangen Dammbau-Verfechters Juri Sewenard und Mitglied der KPRF, hält sich für einen direkten Nachkommen des letzten russischen Kaisers, und das ist nun auch der Grund dafür, dass er von einer Kandidatur absieht. „Ich will nicht, dass man mir vorwirft, ich würde nur kandidieren, weil ich ein Nachfahre des letzten russischen Zaren bin. Das wäre nicht schön“, sagte er der „Smena“. Was seine Parteigenossen von solch einem Stammbaum halten, ließ er jedoch nicht verlauten.


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• Matwijenko hat schon längst gewonnen
Für Spannung sorgt immer noch Vize-Gouverneurin Anna Markowa. Bis heute hat sie keine endgültige Erklärung abgegeben, ob sie kandidieren wolle oder nicht. Doch laut Umfragen sind auch ihre Chancen gegen Valentina Matwijenko verschwindend gering.

Allen, die sich bei der Wahlkommission anmelden, steht nun bevor, sich bis zum 31. Juli offiziell und nach allen Regeln des Gesetzes registrieren zu lassen. Das bedeutet, dass entweder ca. 37.000 Unterschriften angebracht oder ein Pfand von 7,5 Millionen Rubel (ca. 220.000 Euro) hinterlegt werden müssen.

Im Leningrader Gebiet scheint sich derweil ein Zweikampf zwischen alten Rivalen anzubahnen, denn Ex-Gouverneur Wadim Gustow kandidiert erneut um das Amt, dass er 1998 freiwillig verließ, um Vizepremier in der Regierung Primakow zu werden. Dort wurde er aber nach einem halben Jahr wieder entlassen. Trotz einer vergeblichen Kandidatur bei den Gouverneurswahlen 1999 will Gustow, inzwischen Senator des Gebietes Wladimir, jetzt wieder in der Lenoblast antreten. Dort wird, wie in St. Petersburg, am 21. September ein neuer Verwaltungs-Chef gewählt. Als Favorit gilt momentan aber der gegenwärtige Gouverneur Valeri Serdjukow.
(sb/ld/.rufo)

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