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Amtierende Zaren und Pornofilmer im Kampf um den Smolny. Foto: Deeg
Amtierende Zaren und Pornofilmer im Kampf um den Smolny. Foto: Deeg
Mittwoch, 09.07.2003

Pornofilmer tritt an zum Sturm auf den Smolny

St. Petersburg. Wer befürchtet hatte, es würde langweilig werden im Vorfeld der Wahlen zum neuen Gouverneur von St. Petersburg, hat sich wohl inzwischen vom Gegenteil überzeugt. Ein kommunistischer Nachfahre des letzten russischen Zaren und ein beleidigter Ex-Schwiegersohn des Staatsduma-Sprechers eröffneten den Reigen der Kuriositäten (aktuell.RU berichtete). Am Mittwoch trat dann der „amtierende Kaiser“ der illustren Runde bei. Der bunteste dieser schrägen Vögel ist aber zweifellos der skandalumwitterte Pornofilmemacher Sergej Prjanischnikow.

Die Wahlkommission nahm am Mittwoch die Unterlagen des inzwischen 14. Kandidaten für den hohen Posten im Smolny entgegen. Eingereicht hat sie der Vorsitzende der „Volkspatriotischen Bewegung Großes Russisches Kaiserreich“, Wassili Terentjew. Der hat ein wahrlich schweres Kreuz zu tragen, ist er doch zugleich „amtierender Kaiser“. Würde er den Job bekommen, wäre der Stab der bolschewistischen Revolution wieder voll in der Hand der Monarchisten.

Der Regisseur und Produzent von Pornofilmen Sergej Prjanischnikow verkündete bereits am Dienstag, er sei „bereit für den Wahlkampf und wolle eine Sexrevolution in der Stadt verwirklichen“. Sein „Wirtschaftsprogramm“ für Petersburg zielt in dieselbe Richtung – die Stadt soll zum „zweiten Amsterdam“ werden, was massenhaft Touristen anzieht und den Haushalt saniert. Rotlichtviertel, Coffee-Shops und die Genehmigung gleichgeschlechtlicher Ehen sollen Petersburg zum Paradies der Freizügigkeit machen.

Zur Umsetzung seines Wahlprogramms hofft Prjanischnikow auf „die ganze Bevölkerung Petersburgs, der die Beziehung zum Sex nicht egal ist“. Von solchen braucht er zunächst 37.000, um seine Kandidatur bei der Wahlkommission zu registrieren. Weiter erhofft sich der Apologet der freien Liebe die Unterstützung der Liberaldemokraten. Das würde allerdings gut passen zum Clown-Image dieser Partei. Prjanischnikow als Petersburger Pendant zu Herrn Schirinowski könnte zur wesentlichen Erheiterung der Politszene der Stadt beitragen.


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Prjanischnikow ist ein wahrer Patriot seiner Stadt. Was immer er dreht – Petersburg ist dabei. Die sexuellen Eskapaden seiner Helden spielen sich stets vor dem Hintergrund der schönsten Denkmäler und Gebäude ab. Eherner Reiter, Isaak-Kathedrale, Schlossufer, die Atlanten an der Neuen Eremitage usw. usf. sind unabdingbare Statisten seiner Streifen. Zum Jubiläum wartete er mit einer ganzen Pornoserie auf, die er stilecht „Weiße Nächte“ nannte und massenweise unters Volk brachte.

Wir dürfen gespannt darauf sein, wie der Wahlkampf des Pornozaren aussehen wird. Dürfen wir auf schreiende Plakate schlüpfrigen Inhalts in den Straßen und ähnlich geartetes Agitationsmaterial in den Briefkästen hoffen? Aber im Ernst: Ist die Chance, im Smolny den Stab der sexuellen Revolution einzurichten, auch gering, so kann Prjanischnikows Initiative den schon im Vorfeld wahlmüden Petersburgern auf die Sprünge helfen.

Die Stimme für den freien Sex in der Stadt könnte ein Protest gegen Moskau sein, das uns mit der allmächtigen Matwijenko vor alternativlose Tatsachen gestellt hat. Die jungen Leute könnten sich einen Spaß daraus machen, unkonventionell zu wählen. Und die Rentner werden schleunigst die Wahllokale aufsuchen, um die drohende Verwandlung ihrer Stadt in ein riesengroßes Bordell zu verhindern. Und alle zusammen heben sie die Wahlbeteiligung mächtig an. Womit der Sache der Demokratie nur gedient wäre.
(sb/.rufo)

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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

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