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Gestürmtes Theater (Foto: Suworow/Ponomarjow/Gaseta/rUFO)
Gestürmtes Theater (Foto: Suworow/Ponomarjow/Gaseta/rUFO)
Dienstag, 29.10.2002

„Viele von uns haben versucht, Späße zu machen“

Moskau. Die 25jährige Programmistin Olga Chuchrina aus Petersburg berichtete nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus der Zeitung „Istwestija“, wie sie das Geiseldrama erlebte. Russland-Aktuell.RU veröffentlicht die Übersetzung dieses Zeitungsbeitrags:

„Am späten Freitagabend wurde die Lage äußerst angespannt. Und um Mitternacht hielten bei einem jungen Mann aus einer der letzten Reihen die Nerven nicht mehr. Er sprang auf, sprang von hinten über die Leute und warf sich auf die Bombe, die in der Mitte des Saales war.

Die Terroristen schossen aus Maschinenengewehren auf ihn und verletzten noch zwei Personen. Einen Mann und eine Frau. Der Mann starb später im Krankenhaus, über das Schicksal der Frau weiß ich nichts. Dem jungen Mann, der auf die Bombe gesprungen war, legten sie die Armen auf den Rücken fest und führten ihn in den Korridor ab. Dann dröhnten Schüsse.

Als Gas einströmte, saß ich in einer der vordersten Reihen. Es stieg Rauch auf und ein strenger Geruch war zu spüren. Die Terroristen liefen auf die Bühne und versuchten sich krampfhaft Atemschutzgeräte anzulegen. Gott sei dank, dass sie uns nicht in die Luft gesprengt haben.

Es scheint so, dass sie keine Kamikadze waren. Wenn sie es nämlich hätten machen wollen, dann hätten sie es auch gemacht. Sie hätten Zeit gehabt auf die Knöpfe zu drücken. Ich zum Beispiel habe das Bewußtsein so in 15 bis 20 Sekunden verloren.

Jetzt gucke ich Fernsehen und wundere mich: Alle sprechen vom Stockholmer Syndrom, das es aber in Wirklichkeit im Saal nicht gab. Ich habe nicht bemerkt, dass irgendjemand gegenüber den Kämpfern Sympathie entwickelt hat. Im Gegenteil, wir haben versucht, uns gegenseitig zu unterstützen.

Der Producer von Nord-Ost Wassilijew, der neben mir saß, hat überhaupt die ganze Zeit Späße gemacht. Von Anfang an hat er Witze erzählt. Dann sagten irgendwelche Mädchen zu ihm, dass sie das Musical zum ersten Mal gesehen hätten und dass sie es trotz alledem zu Ende sehen wollten. Darauf versprach er dann allen Ernstes, dass alle Geiseln nun jeden Tag in die Vorstellung gelassen werden, natürlich nur, wenn sie denn wirklich selbst wollten.“

(Übersetzung aus der Istwestija vom 29.10.02, rUFO/gh)

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