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| Kein Fluchttunnel, sondern Gesang führt in die Freiheit. (Foto: Gawrilow/.rufo) | |
Freitag, 24.10.2003
Brüder zur Sonne, zur Freiheit
Moskau. Aus voller Kehle singt Lena Koslowa, zu acht Jahren Haft wegen schweren Diebstahls verurteilt. Ihr Gesang könnte befreiende Wirkung haben. Und das in doppelter Hinsicht. Es ist das Finale des Gesangswettbewerbs „Kalina Krasnaja“ (Rote Schneeballbeere) für russische Häftlinge. Erster Preis: Die Freiheit. Das Reintegrationsprogramm, das sich die russischen Justizbeamten für ihre Häftlinge ausdachten, mutet tatsächlich etwas bizarr an. Sie sollen singen, um zu zeigen, dass sie sich gebessert haben.
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Bewerben konnten sich alle 875.000 Gefangene, die derzeit in russischen Strafgefangenenanstalten einsitzen. Ins Finale kamen 23 Teilnehmer. Sie wurden nach Moskau gebracht und durften im Staatstheater für Nationale Kunst ihre Professionalität (was das Singen betrifft) unter Beweis stellen.
Wer den Gefangenenchor hören wollte, hatte Pech. Karten gab es nicht im freien Verkauf. Die Hälfte des Saales nahmen Sicherheitsbeamte ein, die andere Hälfte setzte sich aus Vertretern gesellschaftlicher Organisationen zusammen. Eine Reihe war für die Verwandten der „Künstler“ reserviert, berichtet die Moskauer Tageszeitung „Iswestija“.
Thema bei den meisten Interpreten war ihre tägliche Umgebung, das Leben hinter Gittern. So kamen die Zuhörer in den Genuss so bedeutungsschwerer Chansons, wie „Weiße Nächte in Permer Straflagern.“
Der Name des Wettbewerbs „Kalina Krasnaja“ leitet sich von einem Buch Wassili Schukschins ab, das den Versuch eines Ex-Häftlings beschreibt, sich wieder in der Gesellschaft zurecht zu finden. Das Buch endet mit dem tragischen Tod des Helden, der von seinen ehemaligen Kumpanen umgebracht wird.
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Auf der Bühne hingegen gab es nach dem Finale für fünf Finalisten ein vorläufiges Happy End. Sie wurden in die Freiheit entlassen. Die anderen erhielten Fernseher oder Geldpreise und eine kostenlose Heimfahrt in den Knast.
(ab/.rufo)
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