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| Beweismaterial: Die Dollar-Million im Aktenkoffer (foto: rufo) | |
Donnerstag, 20.10.2005
Finanz-Beamter mit Millionen-Schmiergeld ertappt
Moskau. Ein hochrangiger Steuerbeamter und ein Mitarbeiter der Zentralbank sitzen seit gestern in U-Haft: Sie sollen von der Bank „Rossijski Kapital“ über fünf Millionen Dollar Schmiergeld gefordert haben.
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Weiter als bis zur Übergabe der ersten Dollar-Million entwickelte sich der Korruptionsfall erster Güte allerdings nicht. Am Montag Abend schnappten in einem Restaurant des noblen Moskauer Hotels Baltschug die Handschellen zu: Kurz zuvor hatte Oleg Alexejew, beim russischen Finanzamt Vize-Chef einer für die Besteuerung der Banken zuständigen Abteilung, von einem Bankier ein Köfferchen mit einer Million Dollar erhalten – und sich ans Nachzählen gemacht.
5 Millionen in die eigene Tasche statt 50 Millionen an den Staat
Nach den Erkenntnissen der Ermittler sollte dies nur die erste Rate eines geforderten Schmiergeldes in Höhe von 5,3 Millionen Dollar sein. Gegen diese Summe hatte Alexejew versprochen, Steuerforderungen in Höhe von 50 Millionen Dollar gegen eine Geschäftsbank fallen zu lassen und die dort bei einer Überprüfung festgestellten Verstöße für nichtig zu erklären.
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Wie gestern bei dem Haftprüfungstermin bekannt wurde, handelt es sich dabei um die Bank „Rossijski Kapital“. Der Chef der Bank hatte sich jedoch auf den Deal nicht eingelassen und die Polizei verständigt.
Der Vermittler kam aus der Zentralbank
Als angeblicher Mittelsmann des Korruptionsfalles wurde Alexej Mischin, ein 26 Jahre alter Jurist aus der Verwaltung der Russischen Zentralbank verhaftet. Im Laufe eines Monats soll er mit dem Bankier in Verhandlungen über die Abwicklung des Geschäfts gestanden haben. Vor dem Haftrichter beteuerte Mischin allerdings, dass er die beiden Beteiligten nur in steuerrechtlichen Fragen beraten und sich nichts zu Schulden habe kommen lassen.
Nicht gerade zu Gunsten des jungen Beamten ausgelegt wurde eine Million Dollar in bar, die bei der Durchsuchung seines Büros im Safe gefunden wurden. Gegenüber den Ermittlern soll er erklärt haben, dies seien Gelder seines Vaters, die er nur verwahrt habe. Die Staatsanwaltschaft sah darin aber eher ein Indiz für frühere finstere Geschäfte des Bankbeamten.
Russland auf dem Weg zur Korruptions-Weltmacht
Die Verhaftung geschah am gleichen Tag, an dem von der Organisation „Transparency International“ ein Länder-Rating zur Korruption veröffentlicht wurde: Russland rutschte darin vom bisherigen 90. auf einem schmählichen 126. Platz ab – und rangiert damit auf einem Niveau mit Ländern wie Albanien, Niger und Sierra Leone.
Da der Baltschug-Fall illustriert, dass von russischen Beamten geforderten Schmiergelder inzwischen nicht mehr in die schon sprichwörtlichen Briefumschläge passen, sondern – und bitte nicht in Rubel! – gleich kofferweise antransportiert werden müssen, ist an dieser Statistik wohl etwas Wahres dran.
(ld/rufo)
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