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| Die nackte Wahrheit über das Militär (Foto: Alexei Rogov/photography.ru) | |
Donnerstag, 02.02.2006
Militärpolizei gegen Sadismus im Militär - unsinnig?
Moskau. Offiziell gibt es pro Jahr 20.000 Fälle von brutaler Rekrutenschinderei. Inoffiziell 200.000. Putin will mit einer neuen Militärpolizei dagegen vorgehen. Die Soldatenmütter wollen eher eine neue Armee für Russland.
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Es ist, als wäre eine lange tabuisierte Beule geplatzt: Allerorts in Russland werden Fälle von teils grausamer Rekrutenschinderei gemeldet. Verzweifelte Wehrpflichtige flüchten. Ein Soldat schnitt sich die Adern auf, bevor er sich selbst erhängte. Die öffentliche Diskussion läuft. Was tun gegen Sadismus in der Armee?
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Das Telefon im Komitee der Soldatenmütter klingelt fast ununterbrochen
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Das Telefon im Moskauer Komitee der Soldatenmütter klingelt fast ununterbrochen. Hilfesuchende aus ganz Russland rufen an. Es gebe Jahr für Jahr einige Hunderttausend Fälle von Rekrutenquälerei, sagt Komiteevorsitzende Valentina Melnikowa. Das Wort „Dedowschtschina“ oder frei übersetzt „Rekrutenschinderei“ sei allerdings Schönfärberei, in den 70iger Jahren erdacht von den Politkommissaren der Sowjetarmee.
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Tatsächlich müsse die Rede sein von schweren und schwersten Verbrechen – von denen aber nur jedes zehnte überhaupt an die Militärstaatsanwaltschaft gemeldet werde. Im Jahre 2005 waren es offiziell 20.390 Fälle. Die meisten Fälle werden immer noch vertuscht, sagt Melnikowa. Auch der Fall Sytschow wäre nie bekannt geworden, wenn die Vorsitzende des Soldatenmütterkomitees in Tscheljabinsk nicht beharrlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hätte.
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Militärpolizei – ein Wurmfortsatz an der vermodernden Armee
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Die Idee einer Militärpolizei, wie von Wladimir Putin geplant, sei alt, unwirksam und teuer, meint Melnikowa. Eine Militärpolizei sei wie ein „Wurmfortsatz, der an die vermodernde Armee angenäht werde.“ Die Operation werde allerdings teuer ausfallen, denn die Rede sei von 120.000 Mann Militärpolizei.
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Ein entsprechender Gesetzentwurf verstaube schon seit Ende der 90iger Jahre in der russischen Duma, weil bisher unklar ist, wem die neue Truppe unterstellt werde. Um die Führung streiten sich das Verteidigungsministerium, das Innenministerium und die Militärstaatsanwaltschaft. Diese, so sagt Valentina Melnikowa, wolle ihre Arbeit mit der neuen Hilfstruppe effektiver gestalten. „Aber niemand lässt sie.“
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Man kann schon in der ersten Nacht in der Kaserne erschlagen werden
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Auch der für 2007 geplante Übergang zu einer Armee von Zeit- und Berufssoldaten einerseits und einer Reduzierung der Wehrpflicht von zwei Jahren auf nur ein Jahr andererseits werde nichts nützen. „Man kann in der ersten Nacht in der Kaserne erschlagen oder auch in der letzten Nacht vor der Entlassung zum Krüppel gemacht werden“, sagt Melnikowa.
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Um die „Dedowschtschina“ auszurotten, müsste eine völlig neue Armee von Grund auf neu aufgebaut werden, träumt Melnikowa. Mit neuen Aufgaben und neuen, handverlesenen Mannschaften.
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(gim/.rufo)
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