Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Syrien-Einigung: Das dicke Ende kommt noch
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Präsenz gesichert, Konflikt entschärft. Die russische Schwarzmeerflotte bleibt als "fleet in being" auf der Krim (Foto: Archiv/.rufo)
Präsenz gesichert, Konflikt entschärft. Die russische Schwarzmeerflotte bleibt als "fleet in being" auf der Krim (Foto: Archiv/.rufo)
Mittwoch, 21.04.2010

Schwarzmeerflotte gegen Gas: 30 Jahre für 30 Proz. Rabatt

Charkow. Die Ukraine und Russland haben vereinbart, dass die russische Schwarzmeerflotte noch mindestens 25 bis 30 Jahre auf der Krim stationiert bleiben kann. Russland räumt der Ukraine im Gegenzug einen Rabatt von 30 % für Gaslieferungen ein.

Unterzeichnet wurden die beiden Vereinbarungen von den beiden Präsidenten Dmitri Medwedew und Viktor Janukowitsch in der ostukrainischen Stadt Charkow bei einem kurzen Arbeitsbesuch Medwedews.

Damit scheinen die beiden wichtigsten Streitpunkte zwischen den beiden Ländern aus dem Weg geräumt und der wichtigste schwelende Konflikt auf dem Gebiet der Ex-UdSSR gelöst zu sein.

Bei Russland-Aktuell
• Janukowitsch tauscht russophoben Flotten-Chef aus (18.03.2010)
• Schwarzmeerflotte: russisch-ukrainisches Handelsobjekt (12.03.2010)
• Janukowitsch in Moskau – aber ohne Überraschungen (05.03.2010)
• Janukowitsch nach Brüssel, Osteuropa wird neu sortiert (15.02.2010)
• Hü und hott in der Ukraine – aber dennoch vorwärts (08.02.2010)
An den beiden Streitfragen hatten sich bisher der Amtsvorgänger von Janukowitsch, Viktor Juschtschenko und die russischen Präsidenten Putin und dann Medwedew festgebissen.

Kiew bestand auf der Räumung des Schwarzmeerhafens Sewastopol durch die russische Flotte zum Ablauf des Stationierungsvertrages in 2017; Russland beharrte darauf, dass es keinen politischen Rabatt für Gaslieferungen einräumen könne, sondern auf dem marktüblichen Preis bestehen müsse.

Nach dem neuen Flottenvertrag kann die Schwarzmeerflotte zunächst noch 25 Jahre auf der Krim bleiben. Die Laufzeit kann im gegenseitigen Einverständnis um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Bei Russland-Aktuell
• Billig-Gas gegen Flottenbasis: Details des Deals (22.04.2010)
• Sündenfall oder Normalfall: Erdgas als Instrument (22.04.2010)

Russische Schwarzmeerflotte bleibt bis 2040 auf der Krim - für die Europäische Sicherheit?


Die Vereinbarung seit gut für die Europäische Sicherheit und die Stabilität im Schwarzmeerraum, erklärte Dmitri Medwedew nach der Unterzeichnung. Auch Janukowitsch betonte, er betrachte die Flottenstationieurng im Rahmen eines neuen europäischen Sicherheitssystems.

Da kann Dmitri Medwedew strahlen: die wichtigsten Konflikte im Ex-Sowjetraum scheinen gelöst zu sein (Foto: Archiv/.rufo)
Da kann Dmitri Medwedew strahlen: die wichtigsten Konflikte im Ex-Sowjetraum scheinen gelöst zu sein (Foto: Archiv/.rufo)

Gemeinsame Flottenparade in Sewastopol am 9.Mai


Bei den Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkrieges werden in diesem Jahr am 9.Mai erstmals Flotteneinheiten der Ukraine und Russlands (beide sind aus der sowjetischen Schwarzmeerflotte hervorgegangen) gemeinsam zu einer Flottenparade in der Bucht von Sewastopol auffahren. Derweil werden bei der Siegesparade in Moskau am 9.Mai erstmals Truppen der Westalliierten über den Roten Platz marschieren.

Den Kompromiss in der Schwarzmeerflottenfrage - der zugleich auch den Nationalitäten-Streit auf der Krim entschärft - hat sich die Ukraine allerdings auch gut bezahlen lassen.

Auf 40 Milliarden US-Dollar bezifferte Viktor Janukowitsch auf der gemeinsamen Pressekonferenz die Gesamtsumme des Preisnachlasses - was angesichts der Oligarchenvermögen in Russland aber auch keine allzu grosse Summe für den Effekt ist, den Medwedew erzielte.

Bei Russland-Aktuell
• Ukraine: Zollunion und Pipelines für billiges Gas? (26.03.2010)
• Kiew verspricht Moskau Pipelinezugang für Gasrabatt (22.03.2010)
• Gasrechnung: E.on muss Strafe zahlen an Gazprom (25.01.2010)
• Putin nachgiebig bei Gas-Gesprächen in Jalta (20.11.2009)
• Russland an Sanierung ukrainischer Pipelines beteiligt (17.11.2009)

Eine massive Fianzspritze für Janukowitsch und die Ukraine


In einem zweiten, heute in Charkow unterzeichneten Abkommen erhält die Ukraine für zehn Jahre einen Rabatt auf russische Gaslieferungen von 30 Prozent. Schon rückwirkend ab 1.April 2010 zahlt die Ukraine dann nicht mehr 330 US-Dollar für 1.000 Kubikmeter Gas, sondern nur noch 200 USD.

Wenn der internationale Gaspreis weiter absinkt, könne die Ukraine dennoch weiterhin mit 30 Prozent Preisnachlass rechnen, versicherte Medwedew. Dies sei wichtig, um soziale und wirtschaftliche Ziele in der Ukraine realisieren zu können.

Janukowitsch erklärte, Medwedew habe fast allen ukrainischen Vorschlägen zugestimmt.

Damit scheinen auch die Hindernisse auf dem Weg zu einem gemeinsamen russisch-ukrainisch-kasachisch-weissrussischen Wirtschaftsraum aus dem Weg geräumt zu sein.

Das Kerngebiet der Ex-Sowjetunion rückt enger zusammen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Beachten Sie unbedingt die >>> Regeln für Leserkommentare. Sie können hier oder auch im Forum ( www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

ossendowski 22.04.2010 - 11:01

Krim verkauft

Was wohl die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung befürchtete, hat der neue Präsidenmt Viktor Janukowitsch mit einem Federstrich besiegelt: Die russische Schwarzmeerflotte darf sich weiterhin als Hausherr in Sewastopol und damit auf der Krim fühlen. Für 40 Milliarden Dollar hat Janukowitsch faktisch die Krim verkauft. Mit der russischen Flotte im Hintergrund hat die russischsprachige Mehrheit auf der Krim, die zum großen Teil den Anschluss an Russland wünschen nun mindestens für das nächste Vierteljahrhundert mächtigen Aufwind in ihrem Streben für die Loslösung von der Ukraine bekommen. Und auf dieser Welle werden auch solche politischen Kräfte wie der Moskauer Bürgermeister Juri Lushkow mitschwimmen, die seit Jahren die Krim als russisches Eigentum propagieren. So kann man natürlich auch das Zusammenrücken Russlands mit der Ukraine definieren.
Das dieser Schnellschuss von Janukowitsch verfassungswidrig ist, davon ist in Ihrer Meldung leider nichts zu lesen. Auch nicht, dass
mit diesem Schritt die Ukraine weiter gespalten wird. Denn mindestens die Hälfte der Ukrainer ist gegen den Verbleib der russischen Flotte auf ukrainischem Boden. Aber vielleicht ist der ja bald russisch, wenn Präsident Medwedew seine Landsleute auf der Krim in Lebensgefahr sieht. Nicht umsonst hat er jüngst ja ein Dekret verabschiedet, das in solchen Fällen russische Bürger in aller Welt und mit allen Mitteln verteidigt werden. Und dass Russland das Potential besitzt ausreichend russische Pässe zu drucken und zu verteilen, hat man ja in Abchasien gesehen.


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Mittwoch, 21.04.2010
Zurück zur Hauptseite








Der Winter ist eingezogen. Für ein paar Monate können sich die Russen in den Moskauer Parks an zahlreichen Eisskulpturen erfreuen. (Topfoto: Ballin)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Neues aus dem Kreml

Die Top-Themen
Kommentar
Das neue Märchen: Putins Bomben sind Grund der Migrantenflut
Moskau
Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken
Kopf der Woche
Moskauer Polizei jagt Baulöwen nach vier Morden
Kaliningrad
Pech für Kaliningrader Glücksspielbetreiber
Thema der Woche
Russland in Syrien: Imagekorrektur per Krieg gegen IS
St.Petersburg
Ermordete Zarenkinder werden in St. Petersburg beigesetzt

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.sotschi.ru
www.wladiwostok.ru, www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.zeit.ru