Minsk. Seit der gestürzte Bakijew in der Obhut des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko ist, bekommt er neuen Mut. „Ich erkenne meinen Rücktritt nicht an“, sagt er jetzt. Die Interimsregierung bezeichnet er als „Bande“.
Bei einem Treffen mit Journalisten im Hauptquartier der GUS-Staaten in Minsk erklärte Kurmanbek Bakijew am Mittwoch: „Eine Bande von Usurpatoren hat sich an die Macht gehievt und übt Willkür. Ich als Präsident trage die Verantwortung (…) für die Katastrophe. (…) Ich erkenne meinen Rücktritt nicht an.“
Das „Blatt Papier“ war eine Forderung der Weltgemeinschaft
Bakijews Vertraute hatten die Rücktrittserklärung vom 16. April schon früher als Fälschung bezeichnet und behauptet, er habe „solch eine Entscheidung nicht getroffen“. Die Übergangsregierung in Bischkek wundert sich indessen nicht über Bakijews Erklärung.
„Bakijews Aussage darüber, dass er Präsident Kirgisiens bliebt, entspricht nicht den Tatsachen“, sagt Edil Baisalow, Stabschef der kirgisischen Übergangsregierung. „Er wurde unter Teilnahme der EU, der OSZE und der UN aus dem Land gebracht, und er hat deren Vertretern seine Rücktrittserklärung überreicht.“
„Das Stück Papier“ (gemeint ist die Rücktrittserklärung) sei eine Forderung der Weltgemeinschaft und die Bedingung für die Ausreise gewesen, ist sich Baisalow sicher. Weiter kündigte er an, Bakijew werde wegen seiner „Verbrechen gegen das kirgisische Volk“ bald auf die Anklagebank kommen.
In Moskau wird Bakijews Erklärung vorsichtig kommentiert. Sergej Prichodko, Berater des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, verweist darauf, dass ein Blutvergießen in Kirgisien „auch deshalb verhindert werden konnte, weil Ex-Präsident Bakijew zurückgetreten ist“.
Die positive Haltung Lukaschenkos gegenüber dem gestürzten Bakijew wird Russland sicher ein Dorn im Auge sein, öffentliche Kritik ist aber nicht zu hören. Moskau hält sich damit diplomatisch zurück.
20 Millionen Dollar Taschengeld
Derweil ergab eine Überprüfung der kirgisischen Privatbanken, dass die engen Vertrauten Bakijews „etwa 20 Millionen Dollar und Goldbarren“ angehäuft haben. Laut dem amtierenden Finanzminister Temir Sarijew seien sie „als Taschengeld vorgesehen gewesen“.
Gleich nach dem Umsturz hatte der Staat die vorübergehende Kontrolle über die Privatbanken übernommen. Laut Sarijew hatte eine vom Bakijew-Clan gesteuerte Bank noch am 7. und 8. April 172 Millionen Dollar ins Ausland transferiert.
Bakijews offizielle Ehefrau ist in Kirgisien
In weißrussischen Medien taucht noch ein ganz anderes Detail des spektakulären Exodus des mittelasiatischen Diktators auf. Anscheinend ist er nicht mit seiner gesetzmäßigen Ehefrau nach Minsk gekommen, sondern „mit seiner dritten, inoffiziellen Frau“.
Die Gerüchte, Bakijew habe neben seiner Ehefrau Tatjana, die übrigens aus dem russischen Samara stammt und mit der er zwei erwachsene Söhne hat, noch zwei weitere inoffizielle, hatten zuletzt im März, also wenige Wochen vor dem Umsturz, für Aufsehen gesorgt.
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