Katja Gerassimowa soll die Oppositionellen verführt haben, damit sie beim Sex gefilmt werden können (Foto: compromat.ru)
Montag, 26.04.2010
Im Bett mit Katja: Sexskandal um russische Opposition
Moskau. Die russische Opposition hat es schwer, wahrgenommen zu werden. Nun rückt sie durch einen Sexskandal ins Rampenlicht. Ein Modell verführte gleich mehrere Oppositionelle. Der Sex wurde gefilmt – im Auftrag des Kremls?
Viktor Schenderowitsch, einst scharfzüngiger Moderator der NTW-Satiresendung „Kukly“, die u.a. den damaligen Präsidenten Wladimir Putin aufs Korn nahm, ist nun selbst ins Visier geraten. Schenderowitsch, Jahrgang 1958 und verheiratet, wurde beim Sex mit einer 20jährigen gefilmt.
Mehrzweckwaffe Katja
Die Schöne heißt Katja Gerassimowa, ist Gelegenheitsmodel und hat bereits einige Oppositionelle auf dem „Gewissen“. Unter anderem ließ sie sich mit dem Nationalbolschewisten Eduard Limonow, dem liberalen Jungpolitiker Ilja Jaschin, dem Journalisten Michail Fischmann (Newsweek) und dem nationalistischen Politiker Alexander Below (Potkin) in freizügigen Videos sehen. Die wurden dann ins Internet gestellt.
Die Botschaft der Videos: Diejenigen, die den Staat und seine Führung wegen ihrer verkommenen Moral verklagen, sind selbst moralisch fragwürdig. Alle unfreiwilligen Darsteller der Schmuddelvideos haben ein schwieriges Verhältnis zum Kreml.
Heftige Reaktionen auf den Fehltritt
Schenderowitsch musste anschließend sein Internet-Tagebuch Lifejournal schließen. Sein Account quoll über von böswilligen Kommentaren. Seinen Seitensprung hat er inzwischen gestanden und selbst seinen Humor hat er nicht verloren.
Er habe, als er das Bekenntnis von Ilja Jaschin, den die Katja ebenfalls verführte und sogar zu Sex zu dritt und mit Kokainschnupfen überreden wollte, begriffen, dass er in eine Falle gelaufen sei, erklärte er. „Genossen Tschekisten! Das ist eine Alters-Diskriminierung. Heißt das, junge Oppositionäre haben Anspruch auf zwei kostenlose Mädchen und Kokain, während uns 50jährigen nur eine zugestanden wird; noch dazu ohne Spielzeug?“, erklärte er ironisch
Die Betroffenen vermuten den Kreml hinter der Aktion. Beweise dafür gibt es nicht, selbst Hauptheldin Katja ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden.
Kleine Geschichte von Sex-Videos in Russland
Freilich sind Sex-Videos politischer Gegner durchaus keine Neuheit. Vor einigen Jahren wurde der Chefredakteur des damals oppositionellen Senders NTW Jewgeni Kisseljow gleich mit zwei Prostituierten im Bett gefilmt.
Ende der 90er Jahre wurde sogar der Generalstaatsanwalt Juri Skuratow Opfer eines solchen Videos, nachdem er Ermittlungen gegen Boris Beresowski eingeleitet hatte. Die Videos soll damals FSB-Direktor Wladimir Putin freigegeben haben, heißt es.
Putin als Liebesheld?
Über Putin tauchten übrigens vor zwei Jahren ebenfalls amouröse Spekulationen auf. Er habe mit der früheren Turn-Olympiasiegerin Alina Kabajewa ein Techtelmechtel gehabt, behauptete die Moskauer Tageszeitung „Moskowski Korrespondent“. Videobeweise gab es freilich keine – und die Zeitung wurde geschlossen, kurz nachdem sich Putin darüber erregt hatte, dass Journalisten mit „ihren schmutzigen Phantasien“ in das Privatleben öffentlicher Personen eindringen.
Im Fall Schenderowitsch sind weder Schließungen noch staatsanwalt-schaftliche Ermittlungen zu vermuten. Die Urheber des Videos sind unbekannt. Die Webseite kanal911.com, auf der sie zuerst gezeigt wurden, versteckt sich auf einem Server in China.
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