Yuganskneftegaz gehört inzwischen Rosneft (Foto: Dyschljuk/.rufo)
Donnerstag, 17.02.2005
Menatep fordert Russlands Ausschluss aus der G-8
Moskau. Der Chef der russischen Bankengruppe Menatep Tim Osborne hat den Ausschluss Russlands aus der Staatengemeinde G-8 gefordert. Gleichzeitig sollten alle Verhandlungen mit Russland über einen WTO-Beitritt gestoppt werden, schrieb Osborne in einer Rede für US-Senatoren. Menatep macht den Kreml für die Yukos-Pleite verantwortlich. Derweil geht die Deutsche Bank gegen die Bankrotterklärung des Ölkonzerns in Texas vor.
Menatep besitzt die Aktienmehrheit an Yukos, die allerdings kaum noch etwas wert ist. Daher hatte die Finanzgruppe schon vor einer Woche Russland auf 28,3 Mrd. USD (22,2 Mrd. Euro) verklagt, da das Land bei der Quasi-Enteignung von Yukos klar gegen die internationale Energiecharta verstoßen habe.
Das 1994 unterschriebene Dokument verspricht Investoren im Energiebereich Rechtssicherheit. Russland habe dabei versagt und daher Menatep einen Investitionsverlust in Höhe von über 22 Mrd. Euro zugefügt, errechneten die Banker damals.
Menatep verschärft die Gangart
Nun geht Firmendirektor Osborne noch einen Schritt weiter. Am Donnerstag will das Komitee für internationale Angelegenheiten im US-Senat ihn und den Vorstandsvorsitzenden von Yukos Steven Tidy zur Affäre befragen. In einem schon vorab veröffentlichten Text seiner Rede macht Osborne Russland nicht nur für den Bankrott verantwortlich, sondern fordert von US-Seite scharfe Gegenmaßnahmen. Schließlich seien auch Minderheitsaktionäre in den Vereinigten Staaten, die immerhin 15 Prozent der Papiere halten, geschädigt worden, argumentiert er.
„Ich stimme mit dem Standpunkt vieler Experten überein, dass Russland nicht würdig ist, Mitglied der G-8 zu sein und nicht in die WTO aufgenommen werden kann“, heißt es in der Rede Osbornes.
Die scharfe Rhetorik ist ein klares Anzeichen dafür, dass Menatep die letzte Hoffnung verloren hat, eine Einigung mit dem Kreml zu erzielen. Monatelang hatte Yukos versucht, sich mit der russischen Regierung über die Regelung der Steuerschulden zu verständigen – ergebnislos.
Deutsche Bank bestreitet Rechtmäßigkeit des Bankrotts
Der Versuch der Yukos-Führung, den Verkauf seiner Tochterfirma Yuganskneftegaz durch eine Bankrotterklärung vor einem texanischen Gericht zu stoppen, hat den Widerstand der Deutschen Bank hervor gerufen. Diese führte ein Bankenkonsortium an, dass dem russischen Erdgasmonopolisten Gasprom für den Kauf von Yuganskneftegaz einen Milliardenkredit zur Verfügung stellen wollte. Durch die Bankrotterklärung von Yukos platzte der Deal.
Die Deutsche Bank sieht sich geschädigt und verklagt Yukos nun auf Betrug wegen dieser Aktion. Die Anwälte der Deutschen Bank bestreiten, dass sich die US-Rechtsprechung auf den Fall Yukos erstrecke. Die Bankrotterklärung sei ein taktischer Schritt, um westliche Investoren abzuschrecken, argumentieren sie.
Am Donnerstag wird in Houston die Klage der Deutschen Bank gegen das Verfahren angehört. Schon in den Tagen zuvor war das Interesse an dem Prozess riesengroß. Selbst Stehplätze waren im Saal nicht mehr frei.
(ab/.rufo)
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)