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Russland ist an einer Beteiligung bei EADS interessiert (Foto: EADS)
Russland ist an einer Beteiligung bei EADS interessiert (Foto: EADS)
Mittwoch, 30.08.2006

Zeitung: Kreml kauft Aktienpaket bei EADS

Moskau. Wird der Kreml zukünftig die Geschäftspolitik von EADS beeinflussen? Diese Frage steht im Raum, seit die Zeitung Wedomosti von einer Aktienbeteiligung der russischen Außenhandelsbank an dem Konzern berichtete.

EADS-Konzernsprecher Michael Hauger konnte sich am Dienstag nicht über mangelnde Arbeit beschweren. Nachdem die russische Tageszeitung „Wedomosti“ mit Verweis auf Regierungsbeamte berichtet hatte, dass der Kreml auf die Geschäftspolitik von EADS Einfluss ausüben wolle, häuften sich die Medienanfragen bei Hauger, der in der Münchner Niederlassung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns für das Thema zuständig ist.

Kann der Kreml die Geschäftspolitik beeinflussen?


Wie „Wedomosti“ berichtete, soll die russische Außenhandelsbank in diesem Sommer in mehreren kleinen Geschäften insgesamt rund 4,8 Prozent der Aktien von EADS erworben haben. Die Bank habe sich die Deals rund eine Milliarde US-Dollar kosten lassen. „Zwar bezeichnen Regierungsbeamte den Deal als marktüblich“, so die Zeitung weiter, „doch sie sagen auch, dass das Ziel des Deals staatliche Interventionen und eine Beteiligung an der Konzernleitung von EADS seien.“

Kann die russische Regierung also künftig wirklich Einfluss auf die Geschäftspolitik des strategisch wichtigen europäischen Konzerns nehmen? Schließlich entwickelt und produziert EADS neben dem Exportschlager Airbus auch Militärtechnik.

Das Board bestimmt die Unternehmenspolitik


Im Gespräch mit Russland-Aktuell äußerte sich EADS-Sprecher Hauger zurückhaltend: Eigentlich könne er die Sache nicht kommentieren. Nach den Kapitalmarktregeln in den meisten europäischen Staaten seien Aktienbesitzer verpflichtet, den zuständigen Behörden ihre Anteile an Unternehmen mitzuteilen, sobald diese mehr als fünf Prozent betragen. In dem Artikel der Zeitung „Wedomosti“ sei aber nur von einem Aktienanteil von maximal 4,8 Prozent die Rede gewesen. Sollte die russische Außenhandelsbank also tatsächlich im Besitz der Aktien sein, muss sie das zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt machen. Ob der Deal stattgefunden hat oder nicht, ist deshalb nicht eindeutig klar.

Bei Russland-Aktuell
• Putin beschließt Fusion der Luftfahrt-Industrie (22.02.2006)
• Moskauer Luftfahrtsalon eröffnet am Dienstag (15.08.2005)
• EADS will zehn Prozent des Flugzeugbauers Irkut (22.09.2004)
„In dem Artikel stand auch, dass die russische Seite nun Einfluss auf die Geschäftspolitik und die Führung von EADS nehmen wolle“, so Hauger weiter. „Das ist gar nicht möglich. Die wesentlichen Geschäftsvorgänge werden ausschließlich vom Board des Konzerns bestimmt.“ Das sei auch in den Corporate Governance-Grundsätzen (Regeln der ordnungsgemäßen Unternehmensführung) festgeschrieben. Das Board des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns wird derzeit von den Mehrheitsaktionären DaimlerChrysler (Deutschland), SOGEADE (Frankreich) und SEPI (Spanien) bestellt.

EADS arbeitet bereits erfolgreich mit Russland zusammen


Auch Helmut Hoffmann, Leiter der EADS-Vertretung in Moskau, zeigte sich im Gespräch mit Russland-Aktuell wenig überrascht über den Inhalt des Zeitungsartikels. Er könne den Aktienkauf ebenso wenig bestätigen, halte das Geschäft aber durchaus für möglich. „Auswirkungen auf die Arbeit von EADS wird das aber nicht haben. Wir arbeiten ja bereits erfolgreich mit der russischen Seite zusammen. Es besteht ein Joint Venture mit Irkut im Bereich Flugzeugbau“, so Hoffmann. Am Joint Venture sind neben EADS die russischen Unternehmen Suchoj, Berijew und einige kleinere russische Firmen beteiligt.

Schröder fädelte deutsch-russische Zusammenarbeit ein


Die russische Beteiligung und damit die langfristig mögliche Einflussnahme auf den Kurs von EADS verursachten nur im Blätterwald vorübergehend aufgeregtes Rascheln. Politisch scheint sie gewollt zu sein: Bereits im Dezember 2004 war die Zusammenarbeit des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns mit den russischen Partnern durch eine Initiative des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder angeschoben worden. Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Hannover hatte Schröder vorgeschlagen, EADS solle sich mit zehn Prozent an dem russischen Raumfahrtkonzern Irkut beteiligen.

Bei der Vorstellung des Airbus 380 im Februar 2005 sprach sich der Kanzler dann öffentlich dafür aus, dass Russland ein Platz an Bord des „Boots EADS“ zustehe. Hinter den Kulissen soll über eine russische Beteiligung an EADS in Höhe von 10 bis 15 Prozent der Aktien im Gespräch gewesen sein, behauptet die Zeitung Wedomosti mit Verweis auf einen russischen Regierungsbeamten. Der europäische Luft- und Raumfahrtriese EADS selbst erwarb im Jahr 2005 einen 10-Prozent-Anteil an Irkut.

(cj/.rufo)


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