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Anna Politkowskaja beschuldigte offen russische und tschetschenische Stellen, die Menschenrechte zu ignorieren (Foto: TNT/newsru)
Anna Politkowskaja beschuldigte offen russische und tschetschenische Stellen, die Menschenrechte zu ignorieren (Foto: TNT/newsru)
Montag, 09.10.2006

Mord an Politkowskaja: Zeitung verdächtigt Kadyrow

St. Petersburg. Die "Nowaja Gazeta" glaubt, das der tschetschenische Regierungs-Chef Ramsan Kadyrow den Mord an ihrer Reporterin Anna Politkowskaja befohlen hat - oder dass man diesen ihm in die Schuhe schieben will.

Die streng kreml-kritische Zeitung „Nowaja Gazeta“ veröffentlicht heute eine Sonderausgabe zum Mord an ihrer bekanntesten Journalistin. Anna Politkowskaja war am Samstag im Aufzug ihres Moskauer Wohnhauses von einem Unbekannten erschossen worden.

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„Entweder war das die Rache von Ramsan Kadyrow, über dessen Aktivitäten sie viel geschrieben und gesprochen hat. Oder die Tat von jemanden, der möchte, dass der Verdacht auf den gegenwärtigen tschetschenischen Regierungs-Chef fällt, der nach Vollendung seines 30. Lebensjahres nun Anspruch auf den Präsidentenposten erheben kann“, schreibt die Zeitung in der Sondernummer.

Um Kadyrow, den selbstherrlichen und umstrittenen starken Mann Tschetscheniens, ging es auch im letzten Material, an dem Politkowskaja arbeitete. Bei einer Radiodiskussion am Freitag zum Kadyrow-Geburtstag sagte Politkowskaja, dass sie an einem Artikel arbeite, in dem es um Entführungen gehe, die Kadyrows „Präsidentengarde“ dergestalt begehe, dass sie wie Taten des separatistischen Untergrunds aussehen.

Politkowskaja ging mit Kadyrow junior hart ins Gericht


Politkowskaja bezeichnete den Sohn des ermordeten ersten Moskau-treuen tschetschenischen Präsidenten Achmad Kadyrow in dem Programm als „bis an die Zähne bewaffneten Feigling, der sich von seiner Wache umringen lässt“. Sie persönlich träume davon, „dass er auf den Anklagebank säße“ und „alle seine Verbrechen“ einer strengen juristischen Aufarbeitung unterworfen würden.

Kadyrow, der letzte Woche mit enormen Aufwand seinen 30. Geburtstag feierte, erklärte, dass ihm die ermordete Journalistin „menschlich aufrecht leid“ tue – "ungeachtet dessen, dass ihre Artikel über Tschetschenien nicht immer objektiven Charakter hatten“.

George Bush zeigt sich schockiert


Der Mord an Politkowskaja stieß international auf Entrüstung und heftige Resonanz. Auch US-Präsident George Bush ließ verbreiten, dass er „schockiert und zutiefst betroffen“ über den brutalen Mord sei und forderte die russischen Behörden auf, alles zur Aufklärung der Tat zu unternehmen. Die beachtenswerte Reporterin Politkowskaja habe auch gegenüber tödlichen Bedrohungen persönlichen Mut und Gerechtigkeitsgefühl bewiesen, hieß es aus dem Weißen Haus.

Von Wladimir Putin oder überhaupt aus dem Kreml war bislang kein Kommentar zu dem Mord zu hören.

Täter hatte offenbar Helferin zur Beschattung


Politkowskaja war am Samstag Nachmittag erschossen worden, als sie vom Einkaufen aus einem „Ramstore“-Supermarkt zurückkam. Sie hatte zunächst zwei Tüten in ihre Wohnung an der Lesnaja Uliza getragen. Als sie mit dem Lift wieder herunterfuhr, um die dritte Tüte aus ihrem Auto zu holen, feuerte der Täter im Erdgeschoss dreimal auf sie und traf sie ins Herz. Anschließend gab er noch einen Kopfschuss ab.

Nach Angaben der Zeitung „Kommersant“ ergaben Auswertungen der Supermarkt-Überwachungskameras, dass Politkowskaja bereits dort von einer etwa 30 Jahre alten Frau beschattet wurde. Auch der Täter wurde von einer Kamera vor dem Wohnhaus gefilmt. Allerdings ist sein Gesicht auf dem Video kaum zu erkennen.

Beerdigung morgen in Moskau


Politkowskaja wird morgen Vormittag auf einem Moskauer Friedhof beerdigt werden. Die Aktionäre der „Nowaja Gazeta“ lobten eine Belohnung von 25 Millionen Rubel (ca. 735.000 Euro) für Hinweise auf die Täter aus.

Russlands Generalstaaatsanwalt Juri Tschaika erklärte, die Ermittlungen im Fall politkowskaja unter seine persönliche Kontrolle zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Politkowkaja aufgrund ihrer beruflichen Aktivitäten ermordet wurde. Ermittler beschlagnahmten deshalb an ihrem Arbeitsplatz umfangreiche Unterlagen und auch den Computer Politkowskajas.

(ld/.rufo)


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