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Eingang in den Smolny (foto: ld/.rufo)
Eingang in den Smolny (foto: ld/.rufo)
Montag, 11.08.2003

Die Kandidaten für den Chefsessel im Smolny

St. Petersburg. Am 21.September erfahren wir, ob Putins Heimatstadt einen Gouverneur seines Vertrauens bekommt oder nicht. Ex-Stadtoberhaupt Wladimir Jakowlew galt lange als Widersacher des Kremls. Nach seinem erzwungenen Rücktritt gleich nach den 300-Jahr-Feiern wurden Neuwahlen fällig. Um das Gouverneursamt der nördlichen Hauptstadt bewerben sich elf Kandidaten – von General-Gouverneurin Matwijenko bis zu Pornokönig Prjanischnikow. aktuell.RU stellt sie hier in alphabetischer Reihenfolge vor.

M. Amossow (foto: spb.yabloko.ru)
M. Amossow (foto: spb.yabloko.ru)
Michail Amossow, der Liberale
Geboren am 11. April 1959. 1981 Hochschulabschluss im Fach Geologie. Aspirantur, von 1987 bis 1998 Dozent für Geoökologie an der Leningrader/Petersburger Uni. Seit 1990 Abgeordneter im Leningrader/Petersburger Stadtparlament. Seit Februar 2002 Vorsitzender der Petersburger Regionalorganisation von „Jabloko“. Stand gemeinsam mit seiner Partei seit 1998 in offener Opposition zu Jakowlews Politik im Smolny.
Verheiratet, eine Tochter.
Hobbys: Lesen, Fußballspielen, Sammeln von alten Atlanten und Landkarten.

S. Beljajew (foto: kandidat.ru)
S. Beljajew (foto: kandidat.ru)
Sergej Beljajew, der Technokrat
Geboren am 6. April 1954 in Gatschina (Leningrader Gebiet). Absolvierte 1977 das Polytechnische Institut in Leningrad im Fach Hydrotechnik, Doktor der technischen Wissenschaften und Dekan am selben Institut. 1990 Abgeordneter im Lensowjet, tritt 1991 in die Regierung von Anatoli Sobtschak ein, leitet das Komitee für Staatseigentum. Zieht 1993 nach Moskau. 1995 Vizepremier in Jelzins Kabinett. Von Dezember 1995 bis August 1997 und Vorsitzender der regierungstreuen Fraktion „Unser Haus Russland“ (NDR) in der Staatsduma. 1999-2001 Leiter des Wissenschaftszentrums der Hochschule für Unternehmertum und Privatisierung beim Ministerium für Staatseigentum. Anschließend missglücktes Intermedium als Direktor des Flughafens „Scheremetjewo“.
Verheiratet, zwei Töchter.
Hobbys: Geländelauf.

Viktor Jefimow, der Nudelmanager
Geboren am 28. Mai 1948 im Gebiet Pskow. Drei Hochschulabschlüsse als Ingenieur (1971), Parteifunktionär (1985) und Ökonom (1994). Begann 1885 eine Parteikarriere, war bis 1990 Erster Sekretär eines Stadt-Bezirkskomitees der KPdSU in Leningrad. Danach ging er in die Wirtschaft. Ab 1995 Verwaltungsratsvorsitzender der „Vitabank“, seit Anfang 2001 Generaldirektor der „1. Petersburger Nudelfabrik“.
Aufgestellt von der Partei „Einigung“, deren theoretische Plattform auf der sogenannten „Konzeption für Öffentliche Sicherheit“ (KOB) basiert. Laut Expertenmeinung sieht er die Kandidatur zum Gouverneur nur als Sprungbrett auf dem Weg in die Moskauer Staatsduma.
Verheiratet, zwei Töchter und einen Sohn.

Anna Markowa
Anna Markowa
Anna Markowa, die Wunschkandidatin Jakowlews
Geboren am 18. September 1955 in Leningrad. Absolvierte 1978 das Krupskaja-Institut für Kultur im Fach Bibliothekswesen, 1992 die Milizhochschule in der Fachrichtung Rechtswesen. Arbeitete von 1979 bis 1999 bei der Miliz, kletterte die Karriereleiter immer höher und war schließlich Leiterin der Innenbehörde des Moskowski-Stadtbezirks von St. Petersburg. 1999-2002 Leiterin des Frunse-Stadtbezirks. Im Januar 2002 wurde Markowa zur Vizegouverneurin ernannt Sie ist zuständig für den Katastrophenschutz.
Sie gilt als Wunschnachfolgerin von Wladimir Jakowlew und begann ihren Wahlkampf faktisch schon im Juli mit einem spektakulären Auftritt zum „Schutz der Petersburger Demokratie“.
Verheiratet, ein Sohn.

V. Matwijenko (foto: newsru.com)
V. Matwijenko (foto: newsru.com)
Valentina Matwijenko, die Frau des Kremls
Valentina Matwijenko wurde am 7. April 1949 in Schepetowka in der Ukraine geboren. Absolvierte 1972 das Leningrader Chemie- und Pharmazie-Institut. Ab 1977 hohe Komsomol-Funktionärin, ab 1984 hohe Posten in der KPdSU. 1989 Wahl zur Volksabgeordneten der UdSSR, dann im Obersten Sowjet. Von 1991 bis 1994 russische Botschafterin auf Malta, von 1997-1998 in Griechenland. Seit 1998 Vizepremier für soziale Fragen. Bei den letzten Gouverneurswahlen 2000 kandidierte sie zunächst als Abgesandte der „Moskauer Petersburger“ gegen Jakowlew, zog ihre Kandidatur dann aber wieder überraschend zurück. Seit dem 11.3.2003 Vertreterin des Präsidenten in der Nordwest-Region („Generalgouverneurin“).
Die „Kandidatin Nr. 1“ hat die besten Chancen, in den Smolny einzuziehen. Sie erfreut sich der Unterstützung von „ganz oben“ und scheint auch in Petersburg bei vielen Wählern auf Sympathie zu stoßen.
Verheiratet, ein Sohn.

S. Prjanischnikow (foto: gazeta.ru)
S. Prjanischnikow (foto: gazeta.ru)
Sergej Prjanischnikow, der Porno-König
Geboren am 15. November 1957 in Moskau. Absolvierte das Leningrader Institut für Feinmechanik und Optik. Seit Anfang der 90er Jahre Unternehmer im Bereich Vervielfältigung und Verkauf von Videofilmen, dann Vizedirektor eines Filmstudios. Gründete 1997 die Firma „SP Company“, die Pornozeitschriften herausgibt und Pornofilme dreht. 2000 wird er von der „Sittenpolizei“ verhaftet, bald aber wieder gegen einen hohen Pfand freigelassen.
Die Absicht des Pornofilmers, den Smolny zu stürmen , sorgte für viel Wirbel. Reelle Chancen hat Prjanischnikow nicht, die Wahl scheint mehr willkommene Basis für eine großangelegte PR-Aktion zu sein.

P. Schelischtsch (foto: dumapriem.narod.ru)
P. Schelischtsch (foto: dumapriem.narod.ru)
Pjotr Schelischtsch, der Altparlamentarier
Geboren am 9. Dezember 1945 in Leningrad. Absolvierte 1968 das Leningrader Polytechnische Institut. Arbeitete bis 1989 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Leningrader Forschungsinstituten. Leitet seit 1990 den von ihm gegründeten Verein für Verbraucherschutz.
Seit 1993 ist Schelischtsch Abgeordneter der Staatsduma in Moskau. War jahrelang Anhänger von „Jabloko“, verließ die Fraktion jedoch 2001. Bekannt wurde sein Name, als er zum Vorsitzenden der Sonderkommission berufen wurde, die 2002 den Ablauf der Wahlen zur Petersburger Gesetzgebenden Versammlung kontrollierte. Nicht zuletzt auf seine Initiative hin musste der Vorsitzende der Petersburger Wahlkommission, Alexander Garussow, unter skandalösen Umständen seinen Posten räumen.
Die Kandidatur bei der Gouverneurswahl ist für Schelischtsch ganz offensichtlich die Einleitung zum Wahlkampf um den Wiedereinzug in die Staatsduma.
Verheiratet, ein Sohn.

K. Suchenko (foto: assembly.spb.ru)
K. Suchenko (foto: assembly.spb.ru)
Konstantin Suchenko, der Journalist
Geboren am 1. April 1961 in Leningrad. Schloss 1983 sein Studium an der Fakultät für Journalistik an der Leningrader Universität ab. Arbeitete jahrelang bei einer Werkszeitung. Leitete 1992-1998 das Verlagshaus „Chance“, das sich auf Anzeigenzeitungen spezialisiert. Von Februar 1999 bis Oktober 2000 stellvertretender Direktor des Fonds für föderale und regionale Programme bei der Petersburger Stadtregierung.
Seit November 2000 Abgeordneter der Gesetzgebenden Versammlung. Koordinator der Fraktion „Einiges Russland“. Er sorgte im Vorfeld der Wahlen für einen Skandal, weil er die Parteimeinung ignorierte und gegen die Kremlkandidatin Valentina Matwijenko antritt.
Verheiratet, ein Sohn und eine Tochter.

A. Timofejew (foto: assembly.spb.ru)
A. Timofejew (foto: assembly.spb.ru)
Alexej Timofejew, der Aufsteiger
Geboren am 20. Mai 1971 in Leningrad. 2002 absolvierte er die Juristische Akademie. Der jüngste aller Anwärter auf den Gouverneursposten steht noch am Beginn seiner politischen Karriere. Er war jahrelang in der kommunalen Selbstverwaltung seines Stadtteils aktiv. Seit 1999 arbeitete er im Stab des Abgeordneten der Gesetzgebenden Versammlung Andrej Kortschagin und als juristischer Berater des Finanz- und Haushaltskomitees des Petersburger Parlaments. Als Kortschagin Leiter der Bezirksverwaltung des Newski-Stadtbezirks wurde, errang Timofejew bei einer Nachwahl sein Mandat im Mariinski-Palais. Er galt als treuer Anhänger der Jakowlew-Fraktion im Parlament. Nach seiner Wiederwahl im Dezember 2002 gehört er zur „Sportfraktion“.
Verheiratet, ein Sohn.

Oleg Titow, der Unbekannte
Über Titow ist bisher nur bekannt, dass er am 18. März 1964 geboren wurde und als Steward bei der Petersburger Fluggesellschaft „Pulkowo“ arbeitet. Was dieser Mister Nobody mit seiner Kandidatur bewirken will, bleibt vorerst ein Rätsel. Zumindest hat er es geschafft, 37.000 Petersburger davon zu überzeugen, ihm durch ihre Unterschrift ihr Vertrauen auszusprechen, womit er die Hürde bei der Registrierung meistern konnte.

W. Wojtanowski (foto: assembly.spb.ru)
W. Wojtanowski (foto: assembly.spb.ru)
Wadim Wojtanowski, der Sportler
Geboren am 19. April 1959 in Alupka auf der Krim. Begann als Arbeiter in einer Fabrik. Absolvierte 1984 das Leningrader Institut für Theater, Musik und Kino. 2002 zweiter Hochschulabschluss als Jurist. Erfolgreicher Unternehmer. Seit 2000 Abgeordneter der Gesetzgebenden Versammlung von St. Petersburg. Mitglied der Fraktion „Sportliches Russland“, die bis vor kurzem Ex-Gouverneur Jakowlew unterstützte.
Verheiratet, zwei Kinder.

(sb/.rufo)

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Die zwei Türme: Die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale und die Nadel der Admiralität markieren weithin sichtbar das Petersburger Stadtzentrum. (foto: ld/rufo)

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