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Dienstag, 25.06.2002

Eröffnet: Berlin-Haus direkt neben Kreml und Bolschoi

Von Gisbert Mrozek, Moskau. Seit Montag hat Berlin eine ständige Vertretung in Moskau: Das Berlin-Haus direkt neben dem Bolschoi-Theater, nur einen Steinwurf vom Kreml entfernt. Klaus Wowereit liess sich die Laune nicht verderben, obwohl Moskaus Bürgermeister Jurij Luschkow ihn fast eine halbe Stunde lang im strömenden Regen stehen liess, bevor schliesslich das Berlin-Haus mit Blasmusik, Bäumchenpflanzen, Schlüsselübergabe, Disko und Bierausschank feierlich gemeinsam eröffnet werden konnte.

Was lange währt, wird endlich gut, sinnierte Wowereit in seiner Eröffnungsansprache. Und Alt-Bürgermeister Diepgen, der 1993 den Projektvertrag unterzeichnet hatte, nickte ebenfalls zufrieden, obwohl er im offziellen Teil nicht zu Wort kam. Im Small-Talk am Rande allerdings merkte er doch an, die Stadt Berlin müsse Einiges dafür tun, damit das wirklich stattliche Gebäude auch wirklich ein Berlin-Haus werde.

Ausser den Schlüsseln zur Vertretung der Stadt Berlin im 7.Stock hat Klaus Wowereit tatsächlich bisher wenig in der Hand. Ausser der Stadt Berlin selbst hat sich bisher noch keine Berliner Firma eingemietet, obwohl es eine idealere Geschäftslage eigentlich nicht geben könnte. Ebenso wie das Bolschoi-Theater und der Kreml liegen die Duma und der russische Föderationsrat in Reichweite für Lobbyisten.

Alcatel und die Nachrichtenagentur Reuters nutzten denn auch sogleich die Chance, ihr Moskauer Hauptquartier hier zu eröffnen. Andere Grossmieter lassen allerdings bislang auf sich warten. Für das Goethe-Institut, das bisher in der asbestbelasteten Ex-DDR-Botschaft am Stadtrand residiert, gäbe es eigentlich keinen besseren Platz als neben dem Bolschoi-Theater. Das Goethe-Institut ist – wie auch die Friedrich-Ebert-Stiftung - sogar im Beirat des Berlin-Hauses vertreten. Aber die Etatmittel der deutschen Kulturbotschafter sind ebenso erschöpft, wie die der Parteistiftungen von SPD bis CDU. Zumal die im Berlin-Haus geforderten Mieten nicht die billigsten sind. Mit etwa 220 Euro pro Monat und Quadratmeter für Ladenflächen liegen sie deutlich über dem Marktüblichen.

Zudem kommt das Berlin-Haus fast zu spät: Während in 9 Jahren Bauzeit bürokratische Hindernisse aller Art mühsam überwunden werden mussten, haben alle Grossen der deutschen Industrie längst ihre eigenen Vertretungen aufgebaut, um teure Mieten zu vermeiden. Auch der Verband der Deutschen Wirtschaft hat seine eigenen Räumlichkeiten.

Für Mieter wie Reuters allerdings ist das Berlin-Haus die ideale Alternative: Erst in der vergangenen Woche war deren bisheriger Vermieter, der tschetschenische Geschäftsmann Omar Dschabrailow in ein spektakuläres Attentat auf den moskauer Vizebürgermeister Jossif Ordschonikidse verwickelt. Vor einigen Jahren war Dschabrailow bereits in Verdacht geraten, den amerikanischen Geschäftsmann Paul Teitum beseitigt zu haben, der die Aktienmehrheit im Hotel Raddison-Slavjanskaja hielt. Seitdem mieden US-Präsidenten und Geschäftsleute das früher bevorzugte Hotel. Nur Reuters blieb – bis sich das Berlin-Haus anbot. Zur Konzeption des Belin-Hauses gehört, nicht nur Räumlichkeiten, sondern auch Beratung in allen Geschäfts- und Lebenslagen zu bieten.

Insgesamt ist das Berlin-Haus jedenfalls so attraktiv, dass mittlerweile alle Büro- und Ladenflächen auf den insgesamt 8 Etagen vermietet sind. Im Oktober soll die Inneneinrichtung und –Gestaltung abgeschlossen sein.

Das Gebäude wurde auf einem 4.500 qm grossen, von der Stadt Moskau für 49 Jahre gepachteten Grundstück für etwa 35 Millionen Euro errichtet, finanziert von der Görlach-Gmbh und der Immobilien Tochter der WestLB, der WestKG. Das privatwirtschaftlich finanzierte Objekt soll sich zu einem Geschäfts- und Kulturzentrum im Rahmen der Städtepartnerschaft entwickeln. Der Projektvertrag wurde am 27.10.1993 unterschrieben.
Im Internet
• Berlin Haus Moskau

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