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Auch in der Gebietshauptstadt Krasnojarsk standen Straßen unter Wasser (Foto: www.newsru.com)
Auch in der Gebietshauptstadt Krasnojarsk standen Straßen unter Wasser (Foto: www.newsru.com)
Mittwoch, 04.05.2005

Sibirien kämpft gegen Hochwasser

Moskau. In Teilen Sibiriens gilt weiter Hochwasser-Alarm. Ende April hatte die Birjussa das Dorf Patricha im Gebiet Irkutsk weggeschwemmt. Jetzt kehren die Einwohner in ihre halbzerstörten Häuser zurück.

Das Wasser kam nur etwas über die Schwelle, und die 87jährige Anastassija Romaschowa blieb zu Hause. Da drückte der Fluss plötzlich eine riesige Eisscholle hoch, die die Blockhütte umwarf und die alte Frau unter sich begrub. Außer der Rentnerin kamen in Patricha noch zwei alte Leute ums Leben. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen strafrechtliche Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen lokale Beamte eingeleitet. Zeugenaussagen zufolge wollten die drei jedoch ihre Häuser freiwillig nicht verlassen und versteckten sich, um bei der Evakuierung nicht gefunden zu werden.

Dorf unter Eisschollen gebraben

Dafür gab es mindestens dreierlei Gründe. Erstens hatte es Hochwasserkatastrophen solchen Ausmaßes in der Gegend seit Menschengedenken nicht gegeben. Zweitens hatten die Dorfbewohner Angst vor Plündereren. Und drittens war die Hoffnung auf ein neues Heim trotz Meldungen, wonach fünf flutgeschädigte Familien bereits in Neubauwohnungen in der Bezirksstadt ziehen konnten, nicht groß. Inzwischen kehren viele Bewohner nach Patricha zurück, um zu retten, was es noch zu retten gibt. Das Wasser ist zurückgewichen, das Dorf liegt aber komplett unter dem Eis, das die Flutwelle brachte.

Ermittlungen gegen unbekannt wurden auch im benachbarten Krasnojarsk eingeleitet, obwohl dort Opfer vermieden werden konnten. 15 Häuser wurden in der Gebietshauptstadt überschwemmt. Die Beamten sagen zu ihrer Rechtfertigung, der Wasserstand sei in der Katscha noch nie in der Geschichte so schnell gestiegen. An der Tschuna seien rund 100 Häuser gefährdet, heißt es. In Kansk stünden 200 Häuser teilweise unter Wasser. Die Stromversorgung fiel für 2.500 Menschen aus. Im benachbarten Gebiet Tomsk schnitt das Hochwasser zwei Dörfer von der Außenwelt ab. Dabei hat das Tauwetter im Norden Sibiriens noch gar nicht begonnen.

Anfang Juni Land unter an der Wolga

Weniger zerstörerische Überschwemmungen werden auch aus Gegenden diesseits des Urals gemeldet. Betroffen sind Baschkirien und die russischen Verwaltungsgebiete Kurgan und Orenburg. Wettervorhersagen zufolge werden bis Anfang Juni Überschwemmungen in Astrachan, Samara, Saratow und Uljanowsk an der Wolga erwartet. Im Fernen Osten zerstörten die Fluten sämtliche Autostraßen am Ussuri.

Bei Russland-Aktuell
• Hochwasser in St. Petersburg (09.01.2005)
• Überschwemmung in Kaliningrad (21.03.2005)
• Droht Moskau eine Überschwemmung? (23.03.2005)
• Trübe Aussichten: Wie es 2005 knallt und raucht (27.12.2004)
Mitarbeiter des Katastrophenschutz-Ministeriums machen die globale Erwärmung für die Unbill der letzten Jaher verantwortlich. Das mag stimmen, nur ließe sich die böse Naturgewalt leichter ertragen, wenn es ein funktionierendes Versicherungswesen in Russland gäbe. Was Sibirien angeht, so ersetzt dort einem landläufigen Spruch gemäß oft „die Taiga das Gesetz und der Brummbär den Staatsanwalt“.

(adu/.rufo)


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