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Boris Beresowski alias Platon Jelenin hat mit Umsturz-Ankündigungen den Mund sehr voll genommen (foto: euronews/newsru)
Boris Beresowski alias Platon Jelenin hat mit Umsturz-Ankündigungen den Mund sehr voll genommen (foto: euronews/newsru)
Freitag, 03.03.2006

Russland fordert erneut Beresowskis Auslieferung

Moskau. Der Kreml hat neue Hoffnung geschöpft, dem Putin-Erzfeind Boris Beresowski doch noch den Prozess zu machen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen gewaltsamen Umsturz geplant zu haben.


Ein entsprechendes Strafverfahren wegen der „Vorbereitung einer gewaltsamen Machergreifung“ war am Mittwoch eingeleitet worden. Das russische Strafgesetzbuch sieht dafür bis zu 20 Jahre Haft vor. Ein neues Auslieferungsgesuch wurde am Donnerstag nach London geschickt. Gleichzeitig reichte die russische Generalstaatsanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl bei Interpol gegen Beresowski ein.

Als Platon Jelenin bisher sicher vor Moskauer Fahndern


Bislang konnte sich Boris Beresowski, der seit September 2003 in Großbritannien politisches Asyl genießt, im Westen relativ sicher vor den Fahndern aus Moskau fühlen. Mit einem auf den Namen Platon Jelenin ausgestellten Flüchtlingspass kann er mit Ausnahme Russlands in die meisten Länder der Welt reisen.

Ein russisches Auslieferungsgesuch wegen diverser Finanzdelikte aus den Jahren des russischen Wildwest-Kapitalismus’ hatten die Briten als politisch motiviert abgelehnt. Dieses Mal könnte sich der Exil-Milliardär, der unter Boris Jelzin als eine Art Graue Eminenz des Kreml galt, allerdings um Kopf und Kragen geredet haben:

Das Putin-Regime werde „niemals ehrliche Wahlen erlauben. Deshalb gibt es nur einen Ausweg – eine gewaltsame Machtübernahme“, hatte der Magnat Ende Januar in einem Interview mit dem unabhängigen Moskauer Radiosender „Echo Moskaus“ erklärt. Putin führe Russland in den Abgrund, sagte Beresowski. „Dieses Regime ist zum Sterben verurteilt und ich hoffe, dass es zusammenbricht, bevor Russland zerfällt.“ In dem Interview erklärte er zudem, er selbst werde sein „eigenes, ehrlich verdientes Geld“ investieren, um einen Umsturz nach dem Vorbild der „farbigen“ Revolutionen in Georgien, der Ukraine und Kirgisien zu organisieren.

Warnschuss aus dem britischen Außenministerium


Bei Russland-Aktuell
• Zitat Russland : Beresowski von London verwarnt (28.02.2006)
• Beresowski soll Separatisten finanziert haben (21.02.2006)
• Boris Beresowski bleibt auf Schwarzer Liste in Lettland (24.01.2006)
• Stolpert Juschtschenko über Beresowski? (15.09.2005)
Damit überschritt Beresowski offenbar auch die Schmerzgrenze der britischen Behörden. „Propaganda für einen gewaltsamen Machtwechsel in einem souveränen Staat ist inakzeptabel“, erklärte der britische Außenminister Jack Straw. Gegen Personen, „die Großbritannien als Aufmarschgebiet nutzen, um Unruhen oder Terrorismus in anderen Ländern anzustacheln“, werde sein Land adäquate Maßnahmen ergreifen, drohte er dem Polit-Emigranten.

Boris Beresowski war in den 90er Jahren eine der Schlüsselfiguren im Schattenkabinett um den schwer kranken Jelzin. Gegner bezeichneten ihn als den „Rasputin der Gegenwart“. Beresowskis Medienimperium, allen voran der damals von dem Milliardär kontrollierte erste Fersehkanal ORT, hatte schließlich entscheidenden Anteil daran, dass Wladimir Putin zum Präsidenten gewählt wurde. Schon kurze Zeit später ging der neue Kreml-Chef jedoch auf deutliche Distanz zu seinem Gönner und verdrängte Beresowski immer weiter von den Schalthebeln der Macht. Schließlich musste der Magnat vor einem Haftbefehl ins Ausland flüchten.

Letzte Zuflucht in Israel?


Angesichts einer drohenden Auslieferung zeigt Beresowski bislang demonstrative Gelassenheit. „Ich glaube felsenfest an den Triumph der britischen Rechtstaatlichkeit“, erklärte er.

Um einer Auslieferung nach Russland zu entgehen, könnte Beresowski auch seine israelische Staatsbürgerschaft reaktivieren, schreiben heute israelische Medien. Allerdings gibt es widersprüchliche Informationen darüber, ob Beresowski 1996 seine Staatsbürgerschaft nur aussetzen ließ oder ganz darauf verzichtet hat. Abgesehen davon habe er sich in der Zwischenzeit taufen lassen, was eine Einbürgerung nach den üblichen Immigrationsregeln für Juden ausschließe, berichtete die Zeitung Maariv.

(kp/.rufo)


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