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In den endlosen Wäldern und Sümpfen bei Nowgorod sind die Eisenbahntrassen schwer abzusichern (Foto: TV)
In den endlosen Wäldern und Sümpfen bei Nowgorod sind die Eisenbahntrassen schwer abzusichern (Foto: TV)
Mittwoch, 15.08.2007

Anschlag auf Schnellzug ein Racheakt der Unterwelt ?

Nowgorod/Moskau. Die Ermittlungen wegen des Anschlags auf den Newski Express kommen schnell voran. Einer der Mittäter soll im Zug selbst gewesen sein. Und eine neue Tatversion lautet: Es war ein Rachakt der Nowgoroder Unterwelt.

Lokführer und Passagiere des entgleisten Schnellzuges hatten gleich nach dem Anschlag von zwei Explosionen berichtet, die Ermittler haben aber bisher nur einen Sprengtrichter von 1,5 Meter Tiefe und Breite gefunden.

Wahrscheinlich war der erste Knall, den Passagiere und Lokführer hörten, durch eine Notbremsung bei hoher Geschwindigkeit verursacht, die die Räder des Zuges blockierte.

Die Untersuchungskommission der russischen Eisenbahnen (RZD) verweist in ihrem ersten Bericht gestern schon darauf, dass von den 800 Metern zerstörter Gleisstrecke 600 Meter bereits vor dem Bombentrichter liegen.

Notbremsung führte zur Zerstörung der Gleise vor dem Sprengtrichter



Lokführer Alexej Fedotow berichtet in einem Zeitungsinterview, nach dem ersten Knall bei einer Geschwindigkeit von 191 km/h sei der Zug durchgerüttelt worden, gleich danach habe es eine zweite Explosion gegeben. Er habe sofort eine Notbremsung versucht. Sein einziger Gedanke dabei sei gewesen: „Bloß nicht von der 30 Meter hohen Brücke stürzen“.

Bei Russland-Aktuell
• Schnellzug-Bombe: Vorhang auf zum Wahlkampf (14.08.2007)
• 60 Verletzte nach Terroranschlag auf Schnellzug (14.08.2007)
• Über 120 Kinder in Ferienlager bei Nowgorod vergiftet (15.08.2007)
• Bombenanschlag: Behörden präsentieren Verdächtigen (14.08.2007)
Ein Mittäter der Zugattentäter habe sich vermutlich im „Newski Express“ selbst befunden und die Notbremse betätigt, heißt es dazu in Medienberichten. Damit sollte vermutlich die Geschwindigkeit des Zuges vor der Brücke soweit reduziert werden, dass die dann ferngesteuert ausgelöste Explosion den Express in den Fluss gelenkt hätte.

Tatsächlich habe der Schnellzug, getrieben durch die eigene Schwerkraft bei hoher Geschwindigkeit, die Brücke gerade eben noch passieren können.

Verdächtiger mit “slawischem Äußeren”



Nach den Beschreibungen von Augenzeugen handelt es sich bei einem der Täter um einen „Mann mit slawischem Äußeren“. Mittlerweile gibt es zwei Phantombilder.

Trotzdem wurde von den Ermittlern als einer der ersten Zeugen der Vertreter der tschetschenisch-inguschetischen Gemeinschaft „Wainach“ im Gebiet Nowgorod vernommen. Salman Junussow kommentierte seine Zeugenvernehmung mit dem Worten, es sei unsinnig, nach tschetschenischen Hintermännern zu suchen. „Hinter dem Anschlag stehen offenbar Banditengruppen, denen die Nowgoroder Behörden einen regelrechten Krieg erklärt haben.“

Tatsächlich waren seit einiger Zeit Staatsanwaltschaft, Innenbehörde und Geheimdienst hart gegen die Nowgoroder Unterwelt vorgegangen. Die Auseinandersetzung gipfelte vor einer Woche im Rücktritt des Gouverneurs Michail Prussak, der sich gegen die örtliche Mafia nicht durchsetzen konnte.

Newski Express ist ein Symbol der Zentralmacht und das Transportmittel für Putins Hausmacht



Bei Russland-Aktuell
• Korruptes Nowgorod: Rücktritt von Gouverneur Prussak (06.08.2007)
• Ex-Gouverneur Prussak wechselt aus Nowgorod in Kreml (06.08.2007)
• 09:10 - Nowgoroder Gouverneur wiedergewählt (08.09.2003)
• Michail Prussak: Zu Investitionen anregen (31.03.2001)
Nach dieser Theorie könnte es sich bei dem Anschlag auf den Superschnellzug „Newski Express“ tatsächlich um einen Racheakt und einen Einschüchterungsversuch der Nowgoroder Mafiagruppierungen gehandelt haben.


Der „Newski Express“ ist nicht nur ein Symbol der Modernisierung, sondern auch der Zentralmacht in Moskau. Der „Newski Express“ ist eines der wichtigsten Transportmittel für die Hausmacht Putins, die den Nowgoroder Banditen das Leben schwer macht, könnte es im Rahmen dieser Theorie heißen.

Dieses Symbol ist besonders in den endlosen Wäldern und Sümpfen der Waldaihöhen im Gebiet Nowgorod angreifbar. Die Ermittler sollen inzwischen festgestellt haben, dass es sich bei den Attentätern vermutlich nicht um Profis handelte.

(gim/.rufo/Moskau)


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