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| Mannshoher Schnee und kleine Häuschen: Sedelnikowo im Gebiet Omsk (foto: www.hans-carossa-gymnasium.de/sibirien | |
Donnerstag, 17.01.2008
Sibirien – Straflager für deutsche Jugendliche?
In Deutschland brodelt die Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern. Eine Möglichkeit dafür ist die Verschickung nach Sibirien – als pädagogischer Mittelweg zwischen „kaltgestellt“ und Abenteuer.
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Erziehungslager, Ausweisung (von Ausländern) und schärfere Strafen für Jugendkriminalität sind momentan Wahlkampfstoff in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist auch die Extrem-Kinderlandverschickung nach Sibirien wieder ein Thema geworden - zumal dies mitten im Winter irgendwie eindrucksvoller klingt.
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Dass ein 16-Jähriger aus Gießen dort gegenwärtig „bei eisigen Temperaturen Holz hacken, 2,5 Kilometer zur Schule marschieren und aufs Plumpsklo gehen“ muss, war sogar „Bild“ Schlagzeilen wert – ungeachtet der Tatsache, dass der bislang unverbesserliche Rowdy bereits seit Sommer im Dorf Sedelnikowo lebt.
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Manche kommen freiwillig - zum Russisch-Lernen Ganz so neu ist die Idee auch nicht: In den letzten Jahren wurden schon einige Dutzend Jugendliche aus Deutschland auf Zeit in die Gegend von Omsk verpflanzt. Einige gingen freiwillig, im Schüleraustausch, andere wurden mit einem Betreuer zwangsverschickt.
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Denn für den deutschen Steuerzahler ist dies noch immer billiger als ein geschlossenes Heim – und aus einem sibirischen Dorf läuft niemand einfach so weg, ohne taugliche Sprachkenntnisse und 300 Kilometer bis zur nächsten Großstadt. Die Erfolgsquote der „Abenteuererziehung“ ist auch höher als in deutschen Heimen, sie liegt, so sagen die Organisatoren von „Pfad ins Leben e.V.“, bei 50 Prozent.
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Keine Spur von Straflager Die russischen Behörden sind über das Projekt im übrigen voll im Bilde – und die Pädagogische Uni Omsk ist sogar als Partner mit dabei. Mit „sibirischen Straflagern“ hat das ganze auch herzlich wenig gemein – mal abgesehen davon, dass diese sich heute auch nur dadurch von Gefängnissen im europäischen Teil Russlands unterscheiden, dass sie weiter weg sind.
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Und zum Leben in einem normalen russischen Dorf gehört ja schließlich auch, bei minus 30 Grad mit der Katze auf dem Schoß in der Stube am warmen Holzofen zu sitzen - fast der Inbegriff der Gemütlichkeit. Ungemütlich ist es, bei solchen Temperaturen im Hof auf ein Plumpsklo zu müssen - aber dann muss man halt schneller zur Sache kommen. Und gegen kaltes Wetter gibt es warme Kleidung.
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Heilsamer Kälte- und Kulturschock Nichts Schlimmes ist wohl auch dabei, Brennholz zu hacken oder Wasser vom Brunnen zu holen. Es gibt ja sogar Menschen, die viel Geld für so ein “Abenteuer“ bezahlen würden, nur um der allmächtig–sanften Wellness-Kultur zu entfliehen.
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Die Pädagogen nennen es hingegen „eine reizarme Umgebung“, in der Jugendliche wenig Ablenkung vom eigentlichen Therapie-Inhalt finden. Hauptpunkt ist aber doch: Das Leben in einem sibirischen Dorf muss noch richtig erarbeitet werden – für Problem-Jugendliche aus Deutschland wohl genau das richtige Bildungserlebnis.
(mig/ld/Moskau/.rufo)
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