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Iranische Bombe unausweichlich? Frechheit siegt? Iranis reisen gut gelaunt aus Moskau ab (Foto: TV)
Iranische Bombe unausweichlich? Frechheit siegt? Iranis reisen gut gelaunt aus Moskau ab (Foto: TV)
Samstag, 04.03.2006

Russland und Europa müssen mit der Iran-Bombe leben

Moskau. Der Atompoker um den Iran geht in die letzte Runde. Moskauer Experten warnen, der Iran könne in 2 Jahren die Atombombe besitzen. Daran müsse die Welt sich gewöhnen, es gebe Schlimmeres. Ist das die Lösung des Problems?

In dem Vortrag für die Sitzung des Moskauer „Rates für Außen- und Sicherheitspolitik“ (SWOP) am Samstag geben die in Russland geachteten Experten amerikanischen Befürchtungen Recht. Der Iran strebe nach der Atombombe und könne sie bereits in anderthalb bis zwei Jahren haben. Die Mehrheit der Ratsexperten rechnet allerdings mit einer Frist von fünf Jahren, hält die Entwicklung aber auch für unausweichlich. Darum müsse die Welt jetzt schon lernen, mit einem atomar bewaffneten Iran zu leben.

Mullah-Bombe kein Problem, Hauptsache das Regime ist stabil


Braintrust für unkonventionelle Ansätze
Der Moskauer \"Rat für Außen- und Sicherheitspolitik\" (SWOP) ist seit Jahren eine der einflußreichsten Expertenrunden in Russland. Den Vorsitz führt Sergej Karaganow (Europainstitut). Zum SWOP zählt u.a. auch Ex-Premier Jewgeni Primakow.
Die Entwicklung ist nach SWOP-Einschätzung negativ für die Sicherheitslage im Süden Russlands. „Die Folgen sind allerdings nicht katastrophal, solange das Regime im Iran stabil bleibt“, heißt es in dem Vortrag. Der Iran werde seinerseits weder Atomwaffen einsetzen, noch sie an andere Staaten oder gar Terrororganisationen weitergeben. Allerdings treibe die iranische Bombe andere Staaten der Nahost-Region zur Nachahmung, zur arabischen Bombe.


Bei Russland-Aktuell
• Atom-Gespräche mit Iran ohne Durchbruch beendet (02.03.2006)
• Russland und Iran im Atomstreit einig – im Prinzip (26.02.2006)
• Kirijenko zu Atomverhandlungen im Iran (24.02.2006)
• Atompoker wird in Teheran fortgesetzt (21.02.2006)
• Atom-Verhandlungen in Moskau: Iran spielt auf Zeit (20.02.2006)

Das Risiko, dass die USA versuchen könnten, diese Entwicklung mit einem Militäreinsatz zu verhindern, schätzt der SWOP kurzfristig für gering ein. Dabei werde die Region in den nächsten Jahren zum Treibhaus für den internationalen Terrorismus. Insbesondere gelte dies für den Irak und Afghanistan. Gleichzeitig versuchen nach Einschätzung des Expertenrates viele Staaten, in den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu kommen, um nicht das Schicksal des Irak teilen zu müssen.

Destabilisierung droht anderen Staaten, islamischer Fundamentalismus siegt bei freien Wahlen


Destabilisierung in der Großregion Nahost drohe einigen Regimes, vor allem Ägypten, dem Sudan, Saudi-Arabien, dem irakischen Kurdistan und Pakistan. Die meisten Regierungen hätten sich überlebt. Die Mehrheit der Bevölkerung halte islamischen Fundamentalismus für die einzige Alternative.

Je mehr die USA auf die Durchführung freier Wahlen drängen, desto größer werde die Gefahr der Machtergreifung durch radikale Moslemgruppen – wie in Palästina und bei Kommunalwahlen in Saudi-Arabien sichtbar.


Dennoch meint der „Rat für Außen- und Sicherheitspolitik“, die Präsenz der USA im Irak wirke als Stabilisator. Ein schneller Abzug der US-Truppen würde mit Aktivierung von Terrorismus belohnt werden und widerspreche daher den Interessen Russland, heißt es in dem Vortrag. (gim/.rufo)


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