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Ein Jahr Militärdienst - aber für alle, die nicht krank sind, lautet die Devise bei der Armeereform
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Dienstag, 13.12.2005

Armeereform: Kommandostruktur wird umgekrempelt

St. Petersburg. Die Armeereform nimmt Formen an: Um die Schlagkraft bei lokalen Konflikten zu erhöhen, soll es drei regionale Kommandostrukturen geben: West, Süd und Ost. Die Wehrpflicht wird kürzer, aber strenger.

Die Militärstrukturen sollen so geändert werden, dass die russischen Streitkräfte bei terroristischen Bedrohungen und lokalen Konflikten flexibler sind und operativer handeln können, ohne dass ständig Stäbe in Moskau ihre Arbeit miteinander koordinieren müssen.

Wie die „Nesawissimaja Gazeta“ heute berichtet, wurde die neue Kommandostruktur bei einer Kommandeurstagung Anfang Dezember im kleinen Kreis von Generalstabs-Chef Juri Balujewski vorgestellt.

Neues Prinzip: Geografische Richtungen statt Waffengattungen



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Aufgelöst werden soll demnach die bisherige Untergliederung in die drei Haupt-Teilstreitkräfte Marine, Heer und Luftwaffe, die wiederum in sechs Militärbezirken bzw. vier Flotten organisiert sind. Daneben stehen die separat operierenden Luftlandetruppen, die Strategischen Raketenstreitkräfte und die „kosmischen Streitkräfte“.

Nach der neuen Struktur soll die Landesverteidigung für alle Streitkräfte übergeordnet in drei „Richtungen“ organisiert werden: In Europa („West“), in Mittelasien („Süd“) und im Fernen Osten („Ost“). Von Norden, wo jenseits der russischen Grenzen nur das Nordpolarmeer kommt, erwartet man keine konkrete Bedrohung. Einzig die über die Atomraketen gebietenden Strategischen Streitkräfte werden wohl von der Reorganisation ausgenommen bleiben.

Mehr Autonomie für Befehlshaber vor Ort



Die Zeitung führt als Beispiel an, dass heute bei einer Militäroperation im Tschetschenien zwar der nordkaukasische Militärbezirk kommandiert. Da dieser aber den Landstreitkräften zugeordnet ist, muss ein paralleler Einsatz von Fallschrimjägern oder der Luftwaffe bereits mit deren Moskauer Stäben koordiniert werden.

Kleinere Armee und kürzere, aber strengere Wehrpflicht



Gleichzeitig soll die russische Armee um 100.000 Mann auf etwa eine Million Uniformierte verkleinert werden. Dies geschieht in erster Linie durch die Verkürzung der Wehrdienstdauer von gegenwärtig zwei Jahren auf ein Jahr. Da gegenwärtig aber nur eine Minderheit der jungen Männer im wehrpflichtigen Alter wirklich in die Kasernen einrückt, würde die Armee dadurch noch stärker schrumpfen als geplant.

Deshalb sollen gleichzeitig etwa 40 Prozent der Möglichkeiten, der Einberufung zu entgehen, gestrichen werden. Wie der „Kommersant“ heute berichtet, wird die Duma bereits im Januar über entsprechende Gesetzesänderungen beraten.

Ein Entwurf des Verteidigungsministeriums, der dem Bericht zufolge bereits mit allen Kabinettsressorts abgeglichen ist, bringt hier einschneidende Veränderungen mit sich: So sollen in Zukunft sowohl Väter von Kleinkindern und Gatten von schwangeren Frauen eingezogen werden. Auch die Betreuung pflegebedürftiger Eltern soll keine Begründung zum „Abseilen“ mehr darstellen.

Studenten nur noch im Grundstudium befreit



Studenten sollen nur noch während des Grundstudiums bis zum Bachelor-Grad freigestellt werden. Wer ein fünf- oder sechsjähriges Magisterstudium vorhat, soll eingezogen werden. Doktoranden werden nur noch für die Zeit, an der sie konkret an ihrer Dissertation arbeiten, freigestellt. Auch die Arbeit als Dorflehrer, immerhin ein Befreiungsgrund für 1000 Mann pro Jahr, soll nicht mehr honoriert werden - anders als die Arbeit als Landarzt.

Verteidigungsministerium besiegt Innenressort und Katatrophenschutz



Mit 30.000 Mann pro Jahr das größte Kaderreservoir haben die Militärs jedoch in den Reihen der anderen uniformierten Dienste des Landes geortet: In Zukunft soll der Dienst bei Polizei und Feuerwehr (in Russland dem Katastrophenschutzministerium unterstellt) nicht mehr vor der Einberufung schützen.

Zwar hätten sich die entsprechenden Ministerien mit aller Macht gegen diese Veränderung gesträubt, sich aber letztlich doch mit der Unausweichlichkeit der Armeereform abgefunden. “Die Gesetzesänderungen werden vom Präsidenten selbst vorangetrieben, deshalb wird niemand mit ihm Streit anfangen wollen“, so ein Vertreter des „siegreichen“ Verteidigungsministeriums. (ld/.rufo)


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