Moskau. Der zweite Schuss war ein Volltreffer. Mit einer X-555-Flügelrakete jagte Russlands Präsident Putin beim Militärmanöver der Nordflotte das Kulturhaus einer verlassenen Ortschaft in die Luft.
Es ist das größte Militärmanöver Russlands in der postsowjetischen Ära. Drei Kriege gleichzeitig werden simuliert. Während die Nordflotte und die strategischen Fliegerstreitkräfte den Ernstfall für einen großen Krieg proben, testet die Armee gleichzeitig am Kaspischen Meer und im Fernen Osten Anti-Terror-Operationen und Friedenseinsätze.
Anflug im Langstreckenbomber
Wladimir Putin überwachte das Manöver in der Barrentssee. Allerdings war der Präsident keineswegs nur als Beobachter gekommen. Schon den Anflug zur Übung nutzte er zur Demonstration. In einem Langstreckenbomber des Typs TU-160 flog Putin ans Nordmeer.
Dort ließ er es dann im wahrsten Sinne des Wortes krachen. Seine TU-160 schoss drei Flügelraketen auf die verlassene Ortschaft Chalmer-Ju, 70 Kilometer von Workuta entfernt, ab. Nachdem der erste Schuss das Ziel noch leicht verfehlte, landeten die zweite und dritte Rakete genau im Ziel, dem Kulturhaus der Ortschaft. Was stehen blieb, war eine Ruine.
Schuss mit Symbolbedeutung?
Keineswegs wollte Putin die Schüsse als symbolischen Abschuss von Kulturminister Sokolow verstanden wissen. Nach dem Abschluss des Flottenmanövers dementierte er Spekulationen, dass die Entlassung der Regierung Fradkow kurz bevor stehe. „Ich halte nichts von häufigen Kaderwechseln“, sagte Putin. „Davon wird nichts besser, man muss mit den Leuten arbeiten, die da sind, sie zum Arbeiten anhalten, zum Arbeiten erziehen und ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst zu realisieren.“
Über das Schicksal der Regierung Fradkow war es zu Gerüchten gekommen, weil das von Putin gestellte Hauptziel, die Verdoppelung des BIP innerhalb von zehn Jahren, wohl nicht erreichbar ist. Kulturminister Sokolow steht darüber hinaus noch in der Schusslinie, weil er mit seinem Vorgänger Schwydkoi einen Rechtsstreit wegen Verleumdung ausficht.
Putin zufrieden mit Ergebnissen des Manövers
Putin wollte sich am Nordmeer mit Nebenkriegsschauplätzen, wie Regierungsumbildungen, nicht lange aufhalten. Das Fazit des Manövers sei zufriedenstellend, sagte er. Im vergangenen Jahr musste der Oberbefehlshaber der russischen Armee noch ein Fiasko miterleben. Damals hatte er an Bord eines Atom-U-Bootes mit ansehen müssen, wie der Start einer ballistischen Rakete ins Wasser fiel.
Und Anfang August 2005 blamierte sich die russische Flotte, als ein Mini-U-Boot nur mit ausländischer Hilfe gerettet werden konnte.
Dass diesmal alles klappte, gab Putin Zuversicht für die Zukunft: „Endlich hat die Modernisierung der Streitkräfte begonnen. Jetzt können wir endlich weiter nach vorn schauen“, sagte er. Die Armee sei jetzt bereit für die einschneidenden Modernisierungen, die 2015 einsetzen sollen.
(ab/.rufo)
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