Moskau. Im Osten der Volksrepublik China sind die ersten russisch-chinesischen Manöver in der Geschichte in ihre heiße Phase getreten. 10.000 Soldaten nehmen an der Übung teil, darunter 1.800 Russen.
Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow flog am Dienstag ins chinesische Qingdao, um die Manöver “Friedensmission 2005” vor Ort zu beobachten. Aus Russland sind unter anderem Kampfjets, Bombenflugzeuge, eine Fallschirmspringer-Einheit und zwei Schiffe der Pazifikflotte in die Volksrepublik gekommen.
Invasion auf Taiwan geprobt?
Das Szenario der Militärübung sieht vor, dass Russland und China auf Bitten der UNO in einem Nachbarland intervenieren, in dem zuvor ethnische Unruhen eskalierten. Die Unruheregion soll zunächst vom Meer aus blockiert und durch Aussetzen von Truppen befriedet werden.
Offiziell sind die Manöver gegen kein anderes Land gerichtet. Vor allem in der Pazifikregion bestehen allerdings erhebliche Zweifel daran, wie „friedlich” die bei der „Friedensmission 2005” verfolgten Ziele wirklich sind. So gab es in der Presse Mutmaßungen, bei den Übungen werde die Besetzung Taiwans durchgespielt. Die Moskauer Zeitung “Iswestia” schrieb am Montag, womöglich sei der wahre Zweck der Manöver, einen Einmarsch in Nordkorea vorzubereiten, sollte die Lage dort außer Kontrolle geraten.
Die derzeitigen Manöver sind einzigartig in der Geschichte der russisch-chinesischen Beziehungen. Noch nicht einmal in den 50-er Jahren, als beide Länder verbündet waren, gab es gemeinsame Militärübungen von auch nur annähernd ähnlichem Ausmaß. 1969 hatten sich die Beziehungen der beiden kommunistischen Großmächte sogar soweit zugespitzt, dass heftige Grenzgefechte am Ussuri beinahe einen großen sowjetisch-chinesischen Krieg ausgelöst hätten.